“Die Freiheit des Wortes” in der Türkei und anderswo

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“Die Freiheit des Wortes” in der Türkei und anderswo

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Fassungslosigkeit. Und: Entschlossenheit. Das wären die beiden Worte, mit denen man die Stimmung des Abends mit Can Dündar, Doğan Akhanlı, Osman Okkan, Andres Görgen und Günther Wallraff kurz und knapp auf den Punkt bringen könnte: Fassungslosigkeit angesichts der Entwicklungen in der Türkei, auch der vielen willkürlichen Verhaftungen von Schriftstellern und Journalisten – Entschlossenheit, mit aller Kraft dagegen einzustehen, zumindest im Rahmen der eigenen Möglichkeiten.

„Die Freiheit des Wortes ist ein universelles Menschenrecht“: Die Litcologne hat mit genau diesem Eröffnungsabend ein Statement gesetzt – für die Meinungsfreiheit, gegen die Unterdrückung Andersdenkender – in der Türkei. Im Zentrum des Abends stand die Schriftstellerin Aslı Erdoğan, die nach dem Putschversuch in der Türkei am 16.8.2016 inhaftiert wurde und erst Ende Dezember wieder frei kam; zur Zeit der Planung der Veranstaltung war sie noch inhaftiert. Aslı Erdoğan, die angesichts des bevorstehenden Referendums in der Türkei unerschrocken vor einer möglichen Despotie in der Türkei warnt, konnte selbst nicht anreisen, weil gegen sie ein Ausreiseverbot verhängt wurde, sie war für ein paar Minuten über Skype zugeschaltet. Die Schauspielerin Bibiana Beglau las sehr präsent aus deutschen Übersetzungen ihrer Texte.

Osman Okay, Can Dündar und Doğan Akhanlı im Dirigentenzimmer Osman Okkan, Can Dündar und Doğan Akhanlı im Dirigentenzimmer

Außerdem trug auch der in Köln lebende türkischstämmige Schriftsteller Doğan Akhanlı einen Text vor, der die geradezu kafkaeske Situation, in der Schriftsteller wie er oder Aslı Erdoğan stecken, auf den Punkt bringt, basierend auf eigener Erfahrung: Bei der Einreise in die Türkei auf dem Weg zu seinem todkranken Vater wurde Doğan Akhanlı vor ein paar Jahren festgenommen, mit dem Vorwurf, er sei der Kopf einer Terrorzelle. Nur, weil es große internationale Aufmerksamkeit gab, kam der Autor wieder frei. Im Zuge der jüngsten Säuberungswellen in der Türkei wurde nun auch der Staatsanwalt, der Akhanlı seinerzeit verfolgt hatte, verhaftet, im Prinzip mit demselben Vorwurf. Dieser Staatsanwalt floh, erzählte Doğan Akhanlı, und zwar vermutlich nach Deutschland, wo er wohl politisches Asyl beantragt hat. Absurd.

Eine hochaktuelle, informative und bewegende Veranstaltung also, auch vor dem Hintergrund der jüngsten Differenzen um das deutsch-türkische Verhältnis und der Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel. Da wurde teils sehr kontrovers diskutiert – insbesondere über die Frage, ob man Wahlkampfauftritte türkischer Minister hierzulande verbieten soll oder nicht. Ausschnitte des Mitschnitts senden wir gekürzt am 28.3. zwischen 10 und 11 Uhr im Rahmen von “Noller liest”.

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