Kleine Ernte aus dem Sommerurlaub: Strandtaugliche Spannungsliteratur

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Kleine Ernte aus dem Sommerurlaub: Strandtaugliche Spannungsliteratur

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Neue Kriminalromane von: Petros Markaris, Sven Heuchert, Antonin Varenne, Candice Fox, David Whish-Wilson, Petra Reski und Yassin Musharbash

Passt ja wie die Faust auf´s Auge, wenn man auf einer griechischen Insel Neues von Petros Markaris zu lesen bekommt. “Offshore” heißt der Roman, der elfte Fall des grantelnden Kommissars Kostas Charitos (Diogenes, Euro 24). Hoffnung breitet sich aus, und die Sorglosigkeit ist so groß wie vor der Krise, als in Griechenland wieder Kapital floriert – aber Charitos, der ein paar damit zusammen hängende Morde klären muss, weiß besser als alle anderen, dass alle Hoffnung sowieso trügerisch ist, insbesondere aber in Athen. Markaris wie man Markaris kennt: Gewitzt und bissig nutzt er das Krimigenre für seine zwar nett verpackte, letztlich aber gnadenlose Gesellschaftskritik.

Weiter geht´s im südfranzösischen Zentralmassiv, wo Antonin Varenne, der dort im Departement Creuse lebt, seinen neuen Roman angesiedelt hat: “Die Treibjagd” (Penguin, Euro 10). In einem entlegenen Städtchen namens R. kämpfen zwei Waldbesitzerfamilien um die Vorherrschaft, eine dritte hat nebst manch anderen, inklusive örtlicher Umweltschützer, das Nachsehen. Eine Krimisaga mit Westenelementen samt plakativ gebrochener Helden (und Heldinnen), sehr düster, sehr bildstark, sehr packend. Und: Sehr französisch.

In der deutschen Krimilandschaft ist die Provinz ja seit Jahren DAS Thema – und leider ist sie mehr oder minder auserzählt und totgeschrieben. Dachte ich bis jetzt zumindest. Denn es geschehen Zeichen und Wunder – so wie der Debütroman “Dunkels Gesetz” von Sven Heuchert (Ullstein, Euro 14,99). Allein schon, dass der Verlag dies Buch nicht als luschdige Posse verkauft, sondern als “hart, schroff, melancholisch” und “Provinz-Noir” ist erstaunlich – und die Story löst genau das auch ein: Ein paar Verlorene suchen chancenlos jenseits des Gesetzes nach dem Glück; der eine oder die andere bleibt auf der Strecke dabei; die Provinz, das sind hier nicht heimelige Örtchen, sondern trostlose Kneipen, verlodderte Tankstellen, muffige Autobahnraststätten, so in der Art. Dazwischen und drumherum: Eine rauhe, böse und gnadenlose Geschichte, die auf eine Weise trotzdem auch anzurühren weiß. Exzellent!

Was ganz anderes: Australien ist nach wie vor nach wie vor bestens im Rennen, wenn´s um die interessantesten aktuellen Genreromane geht, dieser Trend geht weiter. Candice Fox zum Beispiel hält in “Eden” (Suhrkamp, Euro 15,95), dem dritten Teil ihrer “Hades”-Trilogie, das hohe Niveau – und belegt einmal mehr, dass sie DIE spannende “junge Stimme” im Segment der globalen Spannungsliteratur ist. Sehr beeindruckend auch “Die Ratten von Perth” von David Whish-Wilson (Suhrkamp, Euro 9,95), ein souverän, reduziert, kühl und lakonisch geschriebener Polizeiroman, angesiedelt in den 1970ern in Perth. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

Apropos demnächst: Ende September werden wir – in Zusammenarbeit mit dem Krimifestival “Crime Cologne” und der Buchhandlung Neusser Straße in Köln die neuen Romane von Petra Reski und Yassin Musharbash präsentieren. Beide sind Journalisten, die das Krimigenre nutzen, um ihre Rechercheerkentnisse etwas anders darzustellen, als es in journalistischen Kontexten möglich wäre. Petra Reski beschreibt in “Bei aller Liebe” (Hoffmann und Campe, Euro 20), wie die Mafia mit Flüchtlingen auf Kosten des Staates schmutziges Geld verdient, und zwar längst nicht bloß in Italien, sondern auch in Deutschland. Bei Yassin Musharbash geht´s in “Jenseits” (Kiepenheuer & Witsch, Euro 14,99) um einen Konvertiten aus Rostock, der sich auf zum IS gemacht hat – und um die Arbeit deutscher Geheimdienste, die sich später um den jungen Mann “kümmern”. Mehr dürfen wir noch nicht verraten, Sperrfrist, wird auf jeden Fall spannend, die Details folgen dann zur Veröffentlichung im September…

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