Literatur mit Promifaktor …

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Literatur mit Promifaktor …

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… und zwar nicht in dem Sinne, dass es um prominente SchriftstellerInnen geht. Sondern um zwei prominente Menschen, die man aus ganz anderen Lebens- und Arbeitsbereichen kennt – und die jetzt überraschenderweise mit ihren literarischen Debüts auf dem Buchmarkt aufkreuzen:

Zum einen ist da Andrea Petković, deutsche Tennisspielerin mit bosnisch-serbischen Wurzeln, in ihren erfolgreichsten Zeiten war sie unter den Top Ten weltweit. Wer ihr in den sozialen Medien folgt, zum Beispiel auf Instagram, der weiß schon, dass sie sich für Literatur interessiert, und Kolumnen für diverse Medien hat sie auch schon länger verfasst. “Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht” – so heißt ihr erstes Buch, das kürzlich rauskam (Kiepenheuer & Witsch, Euro 20,–). Der Titel zeigt schon, wohin die Reise führt in diesen Erzählungen: einerseits geht´s um die große Karriere der Erzählerin, andererseits um das Daneben und das Dazwischen – sowohl die Zweifel, der Druck, aber auch das “normale” Leben, das eine junge Frau wie sie führt. Eine Sammlung von Erzählungen, die deutlich autobiographisch inspiriert sind, klar, die aber auch inszeniert sind, so dass sie zu Reflektionen über grundlegende Fragen des Lebens werden. Eindeutig Literatur also, nicht reine Autobiographie – Literatur, bei der sprachlich und stilistisch zwar (noch) nicht immer alles rund läuft, die aber auf jeden Fall interessant zu lesen ist, speziell im Abgleich mit der Medienrealität, in der man Andrea Petković bislang ansonsten so “kennt”. Spannend sind insbesondere übrigens auch die Storys, in denen es um Fragen geht, die mit der Migrationsgeschichte der Autorin zu tun haben – da erlebt sie andere Dinge als Tenniscracks etwa, die aus gutbürgerlichen Verhältnissen ohne MH stammen, und eben auch eine andere Art von Druck – der natürlich auch ein Schlüssel zu Erfolgen sein kann …

“Promi” Nummer 2 ist Dirk Rossmann, Gründer und Chef der gleichnamigen Drogeriemarktkette, gleichermaßen Erfinder dieses Prinzips “Drogeriemarktkette” in den 1970er Jahren. Er ist 1946 geboren, älteres Semster also, insofern ist es also eine doppelte Überraschung, ihn als literarischen Debütanten in der Welt der Bücher begrüßen zu dürfen. Wobei – ganz neu ist er nicht in dieser Welt, seine Autobiographie “… dann bin ich doch auf den Baum geklettert” war vor zwei Jahren sogar ein Spiegel-Bestseller. Jetzt also Rossmanns erster Roman: “Der neunte Arm des Oktopus” (Lübbe Verlag, Euro 20,–) – ein multiperspektivischer und vieldimensionaler Klimawandelthriller, der souverän erzählt und vor allem hervorragend geplottet ist, allerdings auch das “kleine” Problem hat, dass er mit (s)einer allerletzten Wendung im Prinzip komplett abschmiert und so, von hinten gesehen, nach langwährend guter Angstlust-Unterhaltung samt gesellschaftlichem Mehrwert letztlich ziemlich fragwürdig anmutet: Der Autor sieht seine Geschichte als gedankliche Intervention, als Utopie gar; gemeint ist eine gemeinsame Initiative zur Rettung der Erde durch die Supermächte Russland, China, USA, und zwar mit ALLEN Mitteln inklusive Krieg. Europa spielt keine Rolle – Erwägungen über demokratische Prozesse auch nicht. Wozu die Zeit mit Demokratie verschwenden, es gilt doch die Welt zu retten … Klar, das ist eine uralte Grundsatzdiskussion, die um die Ökodiktatur letztlich, neu aufgefrischt. Kann man machen – aber “Utopie”?? Auf jeden Fall zeugt die Vision, die da in Handlung umgesetzt wird, von, sagen wir, unternehmerischem Denken. Und da ist man dann bei einer weiteren Reflektionsebene, die in diese Geschichte nicht eingeflossen ist, Stichwort “Drogeriemarktkette” – die Frage nämlich nach der eigenen Verantwortung im Hinblick auf die Klimawandelprozesse. Und nach den Konsequenzen, die daraus folgen müssten. Das Ergebnis wäre dann, vermute ich, eine ganz andere Geschichte; keine, in der es einfach nur ums MACHEN geht, sondern eine, die die Möglichkeiten, anders zu leben auch anders durchdenkt.

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