Neue Romane aus Trinidad, Haiti und Südafrika

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Neue Romane aus Trinidad, Haiti und Südafrika

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Der Schriftsteller und Publizist Samuel Selvon, der von 1923 bis 1994 lebte, ist für mich eine DER Entdeckungen der letzten Jahre; mit seinem hoch unterhaltsamen Roman “Die Taugenichtse” aus dem Jahr 1956 war er ein wichtiger Vorläufer der Migrationsliteratur – Jahrzehnte, bevor die zur Selbstverständlichkeit wurde. Nach dem Erfolg dieses Romans, der 2018 erstmals auf Deutsch erschien, wagt der Verlag nun auch die Veröffentlichung von Selvons Debüt aus dem Jahr 1952: “Eine hellere Sonne” (dtv, Euro 22, einmal mehr großartig übersetzt von Miriam Mandelkov), eine Geschichte übers multi-religiöse und multi-ethnische Zusammenleben in Trinidad in den 1940er und 1950er Jahren. Wieder mit sehr viel Herzenswärme, Situationskomik und Wortwitz geschrieben, und auch wieder: Eine klasse Entdeckung!

Dass wir in punkto Übersetzungen haitianischer Literatur in Deutschland gut versorgt sind, ist dem litradukt-Verlag von Peter Trier zu verdanken, der sich sozusagen im Nebenerwerb dieser karibischen Literatur verschrieben hat. Eine der bekanntesten und anerkanntesten haitianischen Schriftstellerinnen ist Kettly Mars, geboren 1958, deren neuer Roman “Die Engel des Patriarchen” (litradukt, Euro 15, übersetzt von Ingeborg Schmuttke) kürzlich erschien: Eine dichte, satt erzählte Story übers Mittelklasse-Leben in Port-au-Prince, zugleich eine Geschichte über die Wirkung, die der vermeintliche Zauber des Voodoo auch heute und auch bei denen haben kann, die an solchen Kokolores eigentlich doch gar nicht glauben (wollen). Ein Sog übrigens, dem man sich auch als Leser teilweise kaum entziehen kann …

Kopono Matlwa, geboren 1985, Ärztin und Schriftstellerin, ist eine der bekanntesten jüngeren Autorinnen Südafrikas, schon mehrfach preisgekrönt und gefragt in der (TV-) Öffentlichkeit des Landes; auch deshalb, weil sie als Aktivistin für Frauenrechte und gegen Rassismus sehr engagiert ist, und zwar als “Sprecherin” einer jüngeren Generation der Nach-Apartheit-Ära. Von alledem zeugt auch ihr Roman “Du musst verrückt sein, wenn du trotzdem glücklich bist” (btb, Euro 20, übersetzt von Tanja Handels), der die sicherlich autobiographisch unterfütterte Geschichte einer jungen Ärztin erzählt, die sich auf drastische Weise mit ihrer Weiblichkeit, ihren Perspektiven, der Gesellschaft inklusive der widerlichsten Abart gestörter Männlichkeit auseinandersetzt – auseinandersetzen muss. Eine entsprechend plakativ angelegte und erzählte Story, kämpferisch und kritisch, die in ihrer Drastik die der Verhältnisse, um die es geht, sehr plastisch spürbar macht. Engagierte Literatur ohne Wenn und Aber.

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