Sommer 21

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Der erste Post-Corona-Roman: Johannes Groschupf wagt sich mit seinem Thriller „Berlin Heat“ in den Sommer 2021 und feiert das wieder erwachte Großstadtleben – mit allen denkbaren Licht- und Schattenseiten.

Tom Lohoff, um die Dreißig, ist eigentlich ein süßer Typ, die Frauen mögen ihn. Aber er hat ein Problem mit dem Zocken. Das Wettbüro ist seine zweite Heimat. Sein Schuldenberg wächst täglich, die Schuldeneintreiber stehen quasi vor der Tür.
Letztlich bleibt Tom also gar nichts anderes übrig als zuzustimmen, als zwei Typen ihn am Spielautomaten stören und fragen, ob er jemanden für eine Zeit lang in einer der Ferienwohnung unterbringen kann, die er im „Hauptberuf“ verwaltet. Klar, leicht verdientes Geld, wird gemacht, am selben Abend, kurz vor Mitternacht, ist zwar eine merkwürdige Uhrzeit – aber was soll´s?
Tags darauf dann das böse Erwachen: Ein AfD-Politiker wurde von “Linksradikalen“ entführt. Oder? Das Gesicht des Mannes kommt Tom bekannt vor. War das nicht der Typ aus der Wohnung? Besonders unfrei wirkte er eigentlich nicht, merkwürdig. Tom muss etwas unternehmen – und bringt damit eine Lawine an Ereignissen ins Rollen…
Johannes Groschupf jagt seinen zweischneidigen Helden, dem bald die halbe Stadt auf den Fersen ist, so packend wie unterhaltsam von einem Schlamassel in den nächsten – und nutzt die Gelegenheit dieser wilden Hatz für ein flirrendes Großstadtportrait der besonderen Art: Im tropischen Sommer dieses Jahres 2021 ist Corona mehr oder minder überwunden, die Bundestagswahl steht vor der Tür, und die Metropolenbewohner lassen es nach anderthalb Jahren Isolation so richtig krachen. Sieht so unsere Zukunft aus? Mal sehen.
„Berlin Heat“ ist jedenfalls ein höchst gegenwärtiger (Polit-)Thriller mit Biss, Witz und Verstand, der mit großer Lust das Leben feiert. Auch wenn das mitunter einen hohen Preis kostet.

Johannes Groschupf: Berlin Heat. Suhrkamp 2021, 253 Seiten, 14,95 Euro

1 Kommentar

  1. Dorothee Schackow am

    „Ich bleibe hier“ist eins meiner Lieblingsbücher des letzten Jahres
    Eine scheinbar kleine Erzählung über ein provinzielles Geschehen, das in Wirklichkeit ein historisches Ereignis, das bis in unsere Gegenwart wirkt.
    … und so gut geschrieben.

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