Tomer Gardi, (k)ein Schriftsteller aus Israel

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Tomer Gardi, (k)ein Schriftsteller aus Israel

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In Israel gibt es nämlich gar keine keine Schriftsteller. Steile These? Na ja, zumindest macht der Typ, von dem Tomer Gardis Roman “Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück” (Droschl, Euro 20, übersetzt von Anne Birkenhauer) berichtet, diese Erfahrung: Als er sich auf dem Amt in Tel Aviv arbeitslos melden will, ist das nicht möglich, weil “Schriftsteller” als Beruf nicht existiert.

Tja, was tun? Der Antragsteller schlägt dem Sachbearbeiter einen Deal vor: Er erzählt dem Mann eine Geschichte, die belegen soll, dass er tatsächlich Schriftsteller ist. Wenn er ihn überzeugen kann, gibt´s Stütze, sonst: kriegen Sie Ihr Geld zurück. Die Geschichte, das ist letztlich dann die dieses Romans, der von einem Mann erzählt, der als Schriftsteller in Tel Aviv Arbeitslosengeld beantragen möchte etcpp. und so weiter und so fort …

Also, es ist auf jeden Fall sehr gewitzt, wie Tomer Gardi diesen Roman angelegt hat, zwischen Fiktion und eigenem Erleben, zwischen Wahn und Wirklichkeit, zwischen Antrag und Bescheid: Eine “kleine” Geschichte anscheinend bloß, in der allerdings viele (Bedeutungs-) Ebenen mitschwingen, mit viel Witz und Charme erzählt, samt Metaebene, gespickt mit Gedanken, Gefühlen und Eindrücken aus dem eigenen Erfahren und Erleben eines Schriftstellers in Tel Aviv.

Der Tomer Gardi übrigens auch deshalb nicht ist, weil er kürzlich nach Berlin gezogen ist, wie man hört. Das ist genau genommen eine Rückkehr, der Autor lebte schonmal ein paar Jahr in der Hauptstadt; der wunderbarer Erzählungsband “Broken German”, mit dem Tomer Gardi 2016 bekannt wurde, erzählte in deren (und in seiner) Sprache von Menschen in Berlin, die so gebrochen Deutsch sprechen, dass es kracht – aber auch funkelt und strahlt, wenn einer wie dieser spezielle Chronist mit seinem ganz besonderen Blick sich der Sache annimmt.

Auf jeden Fall: Willkommen, lieber Tomer Gardi! Und auf dem Amt in Berlin, da bin ich sicher, gibt´s garantiert eine Kategorie “Schriftsteller”, wir sind ja hier in Deutschland, alles ordentlich schubladisiert, vermutlich also sogar sortiert nach Ländern, das wäre dann: “Schriftsteller aus Israel”.

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