Neues aus Guatemala, Mexiko, Kolumbien

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Neues aus Guatemala, Mexiko, Kolumbien

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Gute Zeiten für Lateinamerika-Interessierte; für Literaturfans allemal: Vom südamerikanischen Kontinent und aus Zentralamerika kommen derzeit jede Menge spannende Romane auf den deutschen Markt, häufig auch Debüts jüngerer SchriftstellerInnen.

Neulich habe ich an dieser Stelle schon ausgesprochen lesenswerte aktuelle Bücher aus Argentinien, Kolumbien und Mexiko in deutscher Übersetzung vorgestellt – von Karina Sainz Borgo, Carla Maliandi, Maria Gainza und Valeria Luiselli.

Weiter geht´s nun mit Literaturen aus Guatemala, Mexiko und Kolumbien:

In seinem autobiographischen Roman “Duell” (Hanser, Euro 18,–, übersetzt von Luis Ruby) spürt Eduardo Halfon Geheimnissen und Leerstellen der eigenen (jüdischen) Familiengeschichte nach, auf der Suche nach einem “fehlenden” Onkel, der als Kind ums Leben kam, über den niemand spricht. Meisterhaft, wie Halfon, geboren 1971, hier auf gerade mal 110 Seiten einen Bogen durch Zeiten und Welten spannt, quer durchs 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart, eben in Guatemala, aber auch in den USA, mit Wurzeln im Aleppo des Osmanischen Reiches, in Beirut, in Polen, in Deutschland und, und, und … Sehr beeindruckend.

Wie kann man vom Krebs erzählen, speziell mit besonders mieser Diagnose – ohne in tiefster Schwärze zu versinken? Kein neues Thema, klar, wurde schon in diversen (All Age-) Romanen beleuchtet. Die Art und Weise wie der Mexikaner Jorge Comensal, geboren 1987, die Sache in seinem Debütroman “Verwandlungen” (Rowohlt Verlag, Euro 20, übersetzt von Friederike von Criegern) angeht, mit viel schwarzem Humor nämlich, ist aber schon besonders. Im Zentrum steht der Anwalt Ramón, dem wegen der Diagnose die Zunge entfernt werden muss – und ohne dieses Sprechwerkzeug ist Ramón geliefert, das Reden ist bzw. war seine Waffe. So weit die Grundkonstellation, hinzu kommt ein lästernder Papagei, den Ramón geschenkt bekommt, er immerhin kann reden, auch wenn es für Plädoyers vor Gericht nicht ganz reicht. Außerdem die (genervte) Frau und die (genervten) Kinder. Plus diverse Menschen, mit denen der Anwalt nun zu tun hat; die Psychoanalytikerin und Krebsexpertin Teresa zum Beispiel, die für ihre Patienten Haschisch anbaut. Und so weiter – und so fort: Eine Geschichte über die Krankheit, zugleich ein Roman, der die Gesellschaft von der Krankheit aus durchleuchtet. Und ein Autor als Neu-Entdeckung, der es versteht, auch da noch trockenen Witz zu entdecken, wo eigentlich keinem mehr zum Lachen zumute ist. Und das ist: ziemlich gut!

Apropos Psychoanalytikerin, apropos Witz und Humor: Die kolumbianische Schriftstellerin Melba Escobar, deren Roman “Die Kosmetikerin” (Heyne Taschenbuch, Euro 9,99, übersetzt von Sibylle Martin) in Teilen über eine SEHR pointiert parlierende Freudianerin als Erzählerin verfügt, ist eine tolle Entdeckung, spitz und gewitzt wird hier mit den herrschenden (Geschlechter-) Verhältnissen in und um Bogota abgerechnet. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle, wenn´s mal wieder um Kriminalliteratur geht – “Die Kosmetikerin” darf und wird da nicht fehlen.

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