Ein Butterbrot gegen die Einsamkeit

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Ein Butterbrot gegen die Einsamkeit

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Es ist ja die vorweihnachtliche Adventszeit. In zwei Tagen ist Heiligabend. Da sollte man eigentlich milde gestimmt sein. Freundlich und friedlich. Bin ich eigentlich auch. Oder besser gesagt: War ich! Selbst die seit Tagen zur Schau gestellte Generosität der Landesregierung zum Jahresausklang hat daran zunächst nichts geändert. Eine Wohltat nach der nächsten wird uns Medienmenschen rund um den Landtag da präsentiert.

Eine kleine Auswahl – alles aus dieser Woche:

  • Die Tafeln kriegen eine gute Million
  • Zehn Millionen gibt es für die von der Flut betroffenen Kommunen
  • 38 Millionen gehen an die Sprach-KiTas
  • Die Polizei bekommt Kohlenmonoxid-Warngeräte
  • Knapp drei Millionen Fördergelder erhalten Start-Ups an Hochschulen

Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Bescherung – auch in der Landespolitik. Wenn die Ampel in Berlin schon spart, um sich aus der Haushaltskrise zu befreien, dann kann Schwarz-Grün in Düsseldorf sich großzügig zeigen. Und da kann man auch als Journalist eigentlich nichts gegen sagen. Es ist sinnvoll eingesetztes Geld.

Heute aber war es mir dann doch zu viel. Da kommt allen Ernstes eine seitenlange Pressemitteilung über Einsamkeit. Ein Lieblingsthema von Ministerpräsident Wüst, der den Kampf gegen die Einsamkeit zu einem  persönlichen Schwerpunkt erklärt hat. 150.000 Euro soll es geben als Unterstützung für einen Telefondienst, an den sich einsame ältere Menschen wenden können. Hendrik Wüst wird zitiert, auch Sozialminister Karl-Josef Laumann. Tue Gutes und rede drüber –  mir fällt spontan dieser Wahlspruch ein, der für jede PR-Aktion gilt. Und das ist es doch: Die Regierung will gut da stehen. Und hier stört es mich. 150.000 Euro. Das ist in politischen Maßstäben ein Butterbrot. Der gerade verabschiedete Landeshaushalt hat ein Volumen von mehr als hundert Milliarden.

Und wenig später kommt aus dem Familienministerium die Ankündigung, dass demnächst  eine Online-Kampagne starten soll, mit der man die Attraktivität von sozialen Berufen erhöhen möchte. Mit Sperrfrist, das heißt, über die Details soll dann zwischen den Jahren berichtet werden. Eine Wohltat auf Vorrat sozusagen. Das finde ich schon frech! Anfang der Woche erst haben die sozialen Wohlfahrtsverbände darüber geklagt, dass die Landesregierung zu wenig tut. Das hat Familienministerin Paul zurückgewiesen. Mehr Geld sei nicht drin. Und jetzt kommt sie mit einer Online-Kampagne.

Mich erinnert das weniger an weihnachtliche Bescherung als an das Märchen “Des Kaisers neue Kleider”. Er hat ja gar nichts an…

Über den Autor

2009 erstmals im Landtag gelandet - nach Jahren bei WDR 2 und in Brüssel. Nachdem es 2015 nach Aachen in die Leitung des dortigen WDR-Landesstudios ging seit Frühjahr 2023 wieder in der landespolitischen Redaktion an Bord.

Ein Kommentar

  1. Zustimmung im Prinzip, aber gegen Einsamkeit kann Politik nicht besonders viel tun. Zustimmung, das ist nicht mal heiße Luft und als PR-Aktion zu dünn. Und Zustimmung, 150.000 ist ein lächerlicher Betrag vergleicht man das mit dem anderen Ausgaben im Landeshaushalt.
    Viel mehr hilft aber auch nicht viel mehr.
    Medien könnten mehr etwas mehr machen, die werden sowieso bezahlt. Vieles ist offen für alle. Kirchen bieten viel ohne übertriebene Erwartungshaltung was Glauben angeht. Altenheime oder Tagesstädten bieten auch Veranstaltungen die auch für Außenstehende offen sind. Es gibt Vereine und man könnte sich sozial engagieren. Da könnte man ein klein wenig mehr auf entsprechende Hinweise achten, die aber auch auf der anderen Seite nicht zu aufdringlich und belehrend sein sollten.
    Es gibt bereits genug Angebote aber wenn die Leute nicht aus den Schneckenhäusern kommen bleiben sie eben allein daheim, da ist politischer Einfluss sehr begrenzt. Früher habe ich mal im Umfeld von Heimen gearbeitet und mache bekommt man eben nicht aus ihren Einzelzimmern.

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