Wenn der Landtag zur Spielwiese wird

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Wenn der Landtag zur Spielwiese wird

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Im Spätsommer 2019 hatte mein Sohn den Jackpot gezogen: Wir gingen zum Kinderfest in den Landtag, mehr so aus Zufall bekamen wir von dem Termin Wind. Draußen auf der Wiese waren allerhand Hüpfburgen und Geräte, drinnen erwartete den damals Zweijährigen das Maskottchen-Schlaraffenland. Alle Plüschtiere, die für einen NRW-Fußballverein am Start sind, liefen durch das Foyer – dazu gesellten sich lebensgroß die Maus und der Elefant. Weil es keine so große Werbung für den Termin gab, kam zeitweise ein Maskottchen auf ein anwesendes Kind.

Während also mein Sohn mit Jünter von Borussia Mönchengladbach Hand in Hand durch die Gegend lief (wehe, er hätte diese seltsame BvB-Biene gewählt!) versuchte Landtagspräsident André Kuper auf einer kleinen Bühne neben der Cafe-Bar (oder “Herr Küpper” wie ihn der Moderator nannte, eine Düsseldorfer Lokalprominenz mit karnevalistischer Backstube) den anwesenden Eltern den Landtag zu erklären. Was eine gewisse Komik beinhaltete – waren die Eltern doch zumeist Menschen, die irgendwie beruflich mit dem Landtag verbunden waren.

Trotzdem war es ein gelungenes Fest. Der Kleine war glücklich. Vor einem Jahr war – nach den dürren Corona-Jahren – die Neuauflage. In einer ganz anderen Dimension. Ein voller Landtag, viele Spielmöglichkeiten, nettes Programm und die Maus. (Die Bundesligamaskottchen wurden nicht mehr eingeladen, nur in Jünters Falle bedauere ich das) Im Büro von Landtagspräsident Kuper hatten die Kinder das Kommando. Auch in diesem Jahr wurde das Landtagsmaskottchen, die Eule Helene, per Schnitzeljagd gesucht und der heiße Draht brachte Leben in das Empfangsbüro des Landtagspräsidenten.

Gewusel ist Gewinn für die Demokratie

Das Gewusel zum Weltkindertag ist aber keine Ausnahme mehr. Schon länger fällt mir auf, dass mit dem Ende der Pandemie sich etwas verändert. An Plenartagen laufen unfassbar viele Menschen durch die öffentlichen Gänge. Bei fast keinem Tagesordnungspunkt sind die Zuschauertribünen leer (abgesehen von den immer mehr verwaisten Presseplätzen für die Parlamentsbeobachter) und auf der großen Treppe zur Wandelhalle vor dem Plenarsaal muss man sich nicht selten gedulden, bis Besuchergruppen ihre Gruppenfotos auf den Stufen erledigt haben. Teilweise ist es wie in einem Stadion.

Das Parlament ist an diesen Tagen lebendig und das ist auch gewollt. 70.000 Menschen besuchen inzwischen jährlich – so schreibt es der Landtag auf Nachfrage – besuchen das Haus am Rhein. Pro Plenartag kommen 1.000 Besucher und Besucherinnen: Vereine, Schulklassen oder andere Gruppen. Dazu kommen Veranstaltungen wie die Parlamentsnacht, die in der Stadt und im Umland so groß beworben wird, wie ich es für noch keine Landtags-Veranstaltung erlebt habe. Dazu gibt es eine Demokratieschule für junge Zugewanderte, die seit Kurzem in Deutschland leben. Außerdem geht der Landtag auch auf Reisen und fällt schon mal mit Unterhaltungsprogramm in mittelgroße Städte ein.

Der Landtag hat nicht mehr viel mit dem zu tun, wie ich ihn 2009 erlebt habe. Damals begann ich als WDR-Journalist durch die Gänge des Hohen Hauses zu schlurfen. Diese Entwicklung freut mich. Es ist nämlich ein Hoffnungsschimmer für die Demokratie, wenn der Ort, wo sie im Land am stärksten leben muss, sich öffnet. Wenn von 190.000 Schülerinnen und Schülern, die jedes Jahr die Schule verlassen, 85.000 – so rechnet es der Landtag – mindestens einmal vom Landtag erreicht worden sind, dann ist das ein großer Gewinn.

Über den Autor

Geboren 1980, aufgewachsen am linken Niederrhein. Im WDR seit 2006 als Nachrichtenmann und politischer Berichterstatter unterwegs. Aktuelle Schwerpunkte bei SPD, AfD, Hochschul- und Sportpolitik im Land. Und sogar mit eigenem landepolitischen Podcast.

Ein Kommentar

  1. Die Anekdote mit den Maskottchen und wie Ihr Sohn mit Jünter Händchen gehalten hat, ist herzerwärmend. Solche positiven Erlebnisse prägen sich ein und fördern idealerweise früh das politische Interesse.Toll auch, dass Landtagspräsident André Kuper persönlich für die Kinder da war und Rede und Antwort stand. Nach den Entbehrungen der Coronajahre umso wertvoller, das Angebot wieder ausweiten zu können.Sie haben Recht – am Ende geht es darum, dass die Kleinen Spaß haben und einen positiven Eindruck vom Parlament bekommen. Die liebevollen Details wie die Eule Helene machen es persönlich. Ich wünsche ihnen und den Veranstaltern, dass sie dieses Format noch recht lange fortsetzen können!

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