Armin Laschet und die politische Liturgie

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Armin Laschet und die politische Liturgie

Kommentare zum Artikel: 4

Als guter Katholik weiß Armin Laschet, dass Menschen als Zeichen ihrer Verbundenheit ein
Eheversprechen erneuern können. In der Kirche, vor Zeugen, vor Gott. Diese Form der
öffentlichen Liturgie hält jetzt erstmals auch Einzug in die Landespolitik: Armin Laschet und
Christian Lindner erneuern mit einem Fototermin und einer anschließenden Feier den Bund,
den sie an gleicher Stelle vor vier Jahren eingegangen sind.

Verwundert bis entgeistert stehen die Beobachter in Düsseldorf diese Woche am Rande und
wohnen dem Zeremoniell bei. So was hat es noch nicht gegeben. Festliche Erinnerung an
die Unterschriften unter einen Koalitionsvertrag. Nach vier Jahren. Jawohl, vier. Zur
Erinnerung, die Legislaturperiode dauert fünf Jahre. Das ist also weder eine Halbzeitbilanz,
noch ein runder Geburtstag. Was ist es dann?

Es ist Wahlkampf. Verpackt als Dankeschön für geleistete Arbeit. Richtig ist, die schwarz-
gelbe Koalition arbeitet trotz einer denkbar knappen Mehrheit von einer Stimme seit vier
Jahren recht geräuschlos zusammen. Dafür können die Chefs ruhig mal Würstchen und Bier
springen lassen. Das hätten sie aber auch ohne großes Tamtam machen können.
Der Journalist kann gar nicht anders, als nach dem Sinn zu fragen. Was soll die Botschaft
sein? Seht her, wir sind mit uns zufrieden und freuen uns des Lebens? Wohl kaum. Seht her,
wir arbeiten toll zusammen und könnten uns vorstellen, das auch weiter zu tun? Wohl schon
eher. Seht her, alle reden von Schwarz-Grün, wir finden auch Schwarz-Gelb ganz schick?
Auch das.

In der CDU traut gerade so mancher seinen Augen nicht. Es läuft inzwischen erstaunlich gut
aus Sicht der Christdemokraten, und das, obwohl die Union noch vor Kurzem am Abgrund
zu stehen schien. Das Kanzleramt ist, selbst nach 16 Jahren Merkel, erneut in greifbarer
Nähe. Wenn nur nichts mehr schiefläuft. Und sich nicht doch eine Ampelkoalition gegen die
Union formiert.

Da kann es also nicht schaden, der FDP schöne Augen zu machen. Nur zur Sicherheit.
Sollten die Grünen versuchen, gemeinsam mit SPD und Liberalen gegen Laschets Leute
eine Regierung zu bilden, ist es gut, vorbereitet zu sein.

Bilder machen Politik. Sie haben hohe Symbolkraft und prägen unsere Erinnerung. Bilder
erzählen Geschichten und senden Botschaften. Die Bilder vom gemeinsamen Fest am Rhein
werden sich die Beteiligten aufbewahren. Um sich irgendwann, vielleicht im Herbst, an das
erneuerte Eheversprechen zu erinnern. Aber um der Realität die Ehre zu geben: Auch in
Deutschland wird mehr als jede dritte Ehe geschieden. Trotz schönster Liturgie.

Über den Autor

Jochen Trum ist Leiter der landespolitischen Redaktion des WDR.

4 Kommentare

  1. Betroffener am

    Wie wäre es denn, wenn ihr einmal alle Fehler und schlechte Gesetze an denen die Grünen beteiligt waren, zur Sprache bringen würdet?

    Z.B.

    Die verlorenen Arbeitsplätze
    Die hohen unnötig verursachten Kosten
    Unnötige Gängeleien
    Verödung der Innenstädte
    Familienfeindliche Politik
    Vernichtung von Familiengeführten Geschäften
    u.s.w.

  2. Jack O Brian am

    Na ja , geräuschlos ist anders. Seit zwei Jahren keine gemeinsame Regierungserklärung. Massive Unzufriedenheit der FDP-Parlamentarier mit Laschet. Permanenter Druck auf die FDP-Schulministerin. Da gab es auch schon mal die Idee aus der Koalition auszuscheren, wenn man denn im Landtag den FDP-Kollegen zuhört.

  3. Maximilian am

    Ich will dieses mal ganz anders anfangen wie meine vorrigen Schreiber.
    Bei WDR5 wurde diskutiert über Schulen und über Filteranlagen die
    dort installiert werden sollten.Wer soll die installieren wenn keiner mehr
    Bock hat diesen (schlechtbezahlten) Job auszuführen.Das schlecht bezahlte
    Handwerk geht kapputt.Überall warten viele Leute dringend auf Handwerker aber
    sie bekommen keine.Überhaupt im Gesundheitssystem geht es auch Berg ab aber
    diese meistens nur wegen schlechtbezahlte Pflegejobs.Viele Jobs werden schlecht
    bezahlt ob es im Handel ist oder Transport und dort werden auch sehr viele Leute
    gesucht.Dort ist nichts zu hohlen und das weiß auch die heutige Jugend oder auch
    anders gesagt,“solche Arbeit mache ich nicht und Andere taugen nichts“!Es gibt keine Mitte und kein Mittelmaß.Die Einzigsten die dieses machen sind Migranten eventuell aber kaum Deutschen.
    Was sagt der Dr.Vater zur Tochter?“Wenn du diesen Malerlehrling noch weiter tolle
    Blicke zu wirfst dann enterb ich Dich,nimm den Sohn vom Rechtsanwalt“! Das
    weiß auch heute jeder(deutscher) Jugendliche das es so läuft.
    Alle sind auf Aufstieg programmiert und es wir immer krasser un schlimmer.
    Dieses Problem sollte sich mal die FDP diese Mindestlohn Verweigerer im Statut
    einverleiben.
    Liebe CDU die FDP ist die Partei die nur an einen Gott glaub das ist der Euro.
    Das sind neben der AfD die Antichristen und das schreibe ich als Christ.

  4. Maximilian am

    Ich möchte gerne wissen wieviel(deutsche) Jugendliche Bock haben Maler,Bäcker oder
    ähnliche „Jobs“ zu machen?
    Wir brauchen keine Maler und keine Bäcker,wir kaufen einfach nur das Brot.

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