Amazon will uns Roboter in die Wohnung schicken

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Amazon will uns Roboter in die Wohnung schicken

Kommentare zum Artikel: 8

Als ich klein war, habe ich mit Begeisterung „Die Jetsons“ gelesen. Eine glückliche Familie, die in der Zukunft lebt – und Roboter machen die ganze harte Arbeit. Zum Beispiel auch im Haushalt. Klar, dass ich das als kleiner technikbegeisterter Junge toll fand. Doch nun holt die Realität meine Erinnerungen ein: Amazon will uns Roboter in die Wohnung schicken, die freundlich dreinschauen – aber eben immer da sind.

Konkret: Amazon hat jetzt (28.09.2021) einige neue Alexa-Geräte präsentiert, für die Wohnung. Maschinen also, mit denen wir reden können. Die an Termine erinnern, Rezepte abrufen, Fragen beantworten und auch Video-Calls annehmen können.

Astro kann Teleskop-Kameras ausfahren und so alles sehen; Rechte: WDR/Schieb

Astro kann eine Teleskop-Kamera ausfahren und so alles sehen

Astro: Eine Alexa auf Rädern

Doch mit dem neuen Modell „Astro“ hat sich Amazon nun in eine völlig neue Geräteklasse vorgewagt: Astro ist der erste Alexa-Assistent, der sich frei in der Wohnung bewegen kann. Im Display erscheinen Augen und Mund, um dem Roboter ein menschliches Antlitz zu geben. Der soll 1.500 Euro kosten, Ende des Jahres auf den Markt kommen – aber erst mal nur in den USA.

Eine wichtige Aufgabe von Astro besteht in der Überwachung der Wohnung, etwa bei Abwesenheit der Bewohner. Dazu hat Amazon den Roboter mit einer Teleskop-Kamera ausgestattet. So kann der Roboter in praktisch jeden Winkel der Wohnung schauen, man könnte auch „spähen“ sagen.  Nichts bleibt unentdeckt. Um nach dem Rechten zu sehen.

Klar, natürlich weist Amazon darauf hin, dass Nutzer dem Roboter sagen können, welche Bereiche der Wohnung tabu sind. Außerdem lässt sich der Roboter so programmieren, dass er sich nur dann durchs Haus bewegt, wenn alle schlafen. Per Sprachbefehl lässt sich die Roll-Alexa auch in die Ecke schicken. „Astro, sitz!“

Mit Kameras und Sensoren jeden Winkel der Wohnung scannen; Rechte: WDR/Schieb

Mit Kameras und Sensoren jeden Winkel der Wohnung scannen

Komplettüberwachung samt Teleskop-Kamera

Der kindliche Junge in mir, geprägt durch die Jetsons, ist natürlich neugierig bis begeistert. Aber der kompetente Erwachsene in mir ist alarmiert. Denn Amazon macht nichts ohne Hintergedanken. Amazon baut keine Roboter, um praktische Geräte zu bauen. Alles folgt dem großen Amazon-Plan – und der lautet: Mach Dir alle User Untertan – und sammle so viele Daten wie Du nur kannst. Ohne Skrupel.

Von Staubsaugerrobotern anderer Hersteller wissen wir, dass sie Grundrisse der Wohnungen anfertigen – und diese Grundrisse in der Cloud landen. Astro hingegen ist der Silikon-gewordene Traum eines Jeff Bezos. Sein Hightech-Söldner kann dank Teleskop-Antenne in jeden Winkel der Wohnung schauen. Der Roboter wird jeden Zentimeter vermessen. Verschafft sich einen Eindruck davon, wann wer zu Hause ist. Wie laut es ist. Wie warm. Wer mit wem spricht. So ziemlich alles ist denkbar.

Auch für Roboter braucht es dringend Regeln

Ich finde, das klingt eher nach einem Albtraum als nach einem Traum. Würden wir nicht in einer Welt leben, in denen Konzerne wie Amazon oder Facebook rücksichtslos und gnadenlos jedes noch so kleine Detail unseres Lebens ausleuchten, müssten wir diese Zweifel jetzt nicht haben. Aber Amazon ist eben Amazon. Deswegen wird es ein Astro ganz sicher nicht in meine Wohnung schaffen. Ehrlich gesagt hoffe ich sogar, in sehr wenige.

Ein weiteres Thema übrigens, um das sich eine neue Bundesregierung auch kümmern muss: Die Allmachtsphantasien der US-Konzerne – und wie die Datenschnüffelei gestoppt werden kann.

Amazon baut jetzt auch Roboter – und die rollen durch die Wohnung

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

8 Kommentare

  1. Und nachdem der rollende Assistent, der auf Hunde-Befehle („sitz!“) hört, die ganze Wohnung vermessen und ausgespäht hat, so dass Amazon genau „weiß“, welches Möbel- oder Technikteil in die Jahre gekommen ist und ausgetauscht werden könnte oder welches Gadget nahtlos zur bestehenden Einrichtung und Lebensweise passt – und Amazon die stolzen Astro-Besitzer ganz subtil mit Produktvorschlägen versorgt – dann, ja dann, kommt es zum ersten Mini-Roboter-Aufstand und Astro antwortet auf einen Befehl mit „Jaaa, gleich“.
    Wenn es nicht wieder um so sensible Dinge […] ginge, könnte ich mich jetzt lachend über den Boden rollen. So quasi als direkter Wettbewerber zu Astro.

  2. Wenn ich mich dann endlich an den digitalen Diener gewöhnt habe, wird dieser mehr Rechte fordern, laufend kommen irgendwelche updates, damit ich jedesmal neu lernen muss, mich mit ihm zu unterhalten, sein Hersteller wird ihn nur noch vermieten und der Staat für den Einsatz Steuern verlangen. Und das, was ich wirklich brauche, macht er nicht oder nur unter Widerstreben.

  3. Roger König am

    Ich warte auf die nächste Generation mit Greifer am Teleskoparm.
    Dann könnte man via APP dem Teil sagen das es etwas holen soll.
    Ist für körperlich eingeschränkte Menschen (z.B. Gipsbein) sicher eine gute Alltagshilfe.
    Ob das Teil dann auch erkennt das die Bierglas leer ist und eine neues Bier aus dem Kühlschrank holt? Schafft jeder kölsche Köbes ganz locker.

  4. Carsten Mohr am

    „Maschinen also, mit denen wir reden können.“ DAS will ich sehen, außer, wenn es Gespräche sind wie sie meine Eltern mit mir als 5-Jährigen führten, nachdem ich was angestellt habe. Denn dann sind es eher Monologe als Gespräche.
    Reden kann man mit denen nicht. Zwecklos und, bei dem Stand und Festhalten an der Technik auch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

  5. R. Fleischer am

    Für Menschen mit Handicap oder vielleicht auch für ganz Einsame, mag das Teil recht nützlich sein und die ein oder andere Erleichterung im Alltagsleben bringen. Was das Aus-„Spähen“ angeht, ist Google keinen Deut besser und die Totalüberwachung in den hässlichen Teslas schon gar nicht.

    • H. Schwab am

      Ich wollte zuerst widersprechen, denn Amazon ist jetzt einen Schritt weiter als Google. Andererseits hat Google ja mit Ring die Videokamera an vielen Haustüren, mit Cloudservice…

      • H. Schwab am

        Ich muß mir widersprechen, hätte vorher die allwissende Wikipedia konsultieren sollen.
        Googles Türöffner heißt Nest, Ring wurde für ne Milliarde von Amazon gekauft…

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