Berechtigte Kritik am geplanten „Instagram für Kinder“

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Berechtigte Kritik am geplanten „Instagram für Kinder“

Kommentare zum Artikel: 7

Der Künstler Andy Warhol hat es vorausgesehen: Künftig wird jeder für 15 Minuten berühmt sein. Netzwerke wie Instagram oder TikTok sind der Versuch, diese 15 Minuten Ruhm immer wieder zu ergattern. Mit spektakulären Aufnahmen, mit Stunts, mit Lip-Sync-Gesang und vielen anderen Dingen.

Man mag davon halten, was man möchte. Doch Netzwerke wie Instagram gehören zweifellos heute für die meisten zum Lifestyle dazu – ganz besonders für junge Menschen, die damit groß werden. Verantwortungsbewusste Eltern stellen sich die Frage, ab welchem Alter sie ihren Kindern den Zugang zu diesen Netzwerken gewähren wollen.

Facebook und Instagram

Facebook plant ein Instagram für Kinder unter 13

Der Druck nimmt möglicherweise zu. Denn geht es nach Mark Zuckerberg – selbst Vater -, kann es zumindest mit Instagram gar nicht früh genug los gehen. Offiziell ist Instagram ab 13 Jahren erlaubt (auch bei uns in Deutschland). Doch es gibt Überlegungen, eine Kids-Version von Instagram zu starten.

Facebook bezeichnet die kindgerechte Version von Instagram als „Safe Space“. Doch Kinderschützer warnen: Gleich 100 Einzelpersonen und Gruppen fordern Facebook in einem offenen Brief auf, die Pläne für ein Kids-Instagram fallenzulassen.

Denn: „Der unerbittliche Fokus der Plattform auf das Aussehen, die Selbstdarstellung und die Vermarktung stellt eine Herausforderung für die Privatsphäre und das Wohlbefinden von Jugendlichen dar“, befürchten die Unterzeichner des Schreibens.

Kids am Tablet; Rechte, WDR/Schieb

Facebook will einfach nur wachsen – koste es, was es wolle

Und das ist noch vorsichtig formuliert. Solange Schulen keinen angemessenen Unterricht anbieten, um junge Menschen kompetent zu machen, ist das einfach zu gefährlich. Natürlich: Auch die Eltern spielen eine große Rolle. Aber viele sind auch nicht kompetent.

Was Facebook vorhat, ist doch klar: Eine perfekte Plattform für Werbung, die sich speziell an Kinder richtet. Doch leider achtet der Gesetzgeber überhaupt nicht darauf, welche Werbung und vor allem wie viel Werbung Kinder in der Onlinewelt zu sehen bekommen.

Das ist schon grundsätzlich ein Problem – und wird noch größer, wenn nun schon die ganz Kleinen gezielt in die Netzwerke gezogen werden. Facebook will wachsen. Mehr User, egal wie alt – und die sollen in der Zuckerberg-Wolke möglichst viel Zeit verbringen. Je früher, desto besser.

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Medienkompetenz ist nicht nur Sache der Eltern

Ein Schulterzuckendes „Das gehört heute halt dazu“ oder „Das sollen die Eltern richten“ ist meiner Ansicht nach völlig verantwortungslos. Denn natürlich braucht es dringend Regeln, die deutlich machen, was wir als Gesellschaft zulassen wollen und was nicht. Und falls doch, zu welchen Regeln.

Facebook sagt: „Die Realität ist, dass Kinder online sind.“ Ja. Die Realität ist auch, dass Kinder kein Gemüse mögen und viele am liebsten schon mit 12 Auto fahren würden.

https://vimeo.com/304782016

Viele Eltern missachten die Rechte ihrer Kinder

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Jens Friedler am

    Grauenhaft!
    Der Druck erhöht sich. Und grad bei Kindern, da gibt es noch keine guten Filter. Die darf man nicht von diesem **** übernehmen lassen. Man sollte da wirklich gegen vorgehen.
    Auch werden Pädophile sicher dankbar Accounts aufmachen, sprich – wie überall – der Missbrauch wird passieren. Und da die KI als Wärter haben und sich darauf verlassen anstelle von Pädagtogen oder Eltern? Nein nein nein.

    Die Bildungspolitik hat leider versagt und da will Suckerborg einspringen. Nee, danke.
    Absolut zu hoffen, dass da der Widerstand groß genug ist, um dies zu verhindern. Ansonsten bliebe „Jugendschutz“ nur noch ein Wort, eine Floskel, so ähnlich wie bei „Datenschutz ist uns wichtig“.

  2. Schon jetzt bedauernswert, die beiden kleinen, glückseligen Selfiemacher auf dem Foto: tomorrow’s consume and fashion victims! :(
    Aus Sicht der Reklamenetzwerke, kann man gar nicht früh genug mit der Heranzüchtung und Rekrutierung derart simpel gestrickter Gemüter beginnen. Lassen sich diese doch, quasi von Kind an, ganz hervorragend in jeden Trend dirigieren, dabei munter Daten spendend und nebenbei auch noch politisch regieren und manipulieren.
    Ziemlich traurige und böse Entwicklung; auch bei den Eltern. Ist aber auch viel bequemer, als den Kindern z.B. eine Geschichte vorzulesen…

  3. Kopfschüttel am

    Natürlich sind als erstes die Eltern in der Verantwortung. Oder wer drückt 10-Jährigen schon ein Smartphone in die Hand? Bestimmt nicht die Gesellschaft.
    Das erinnert mich an die Eltern, die sich über youtube content aufregen in dem geflucht wird. Statt dafür zu sorgen, dass andere Kanäle mit den Kleinen geschaut werden, erwarten diese „Eltern“, dass der Inhalt der Inhalt der Videos abgeändert wird (z.B. nicht das böse F-Wort benutzen) damit er familienfreundlich ist…..
    Über eine App für Kinder kann man streiten, aber ständig die Verantwortung auf andere ab zu wälzen ist auch ein Problem.
    Genauso mit zuckerhaltigen Lebensmitteln im Supermarkt. Oh, das böse Marketing. Warum erklärt Mutti nicht, wenn du ständig davon isst, kriegst du schlechte Zähne und wirst dick?
    Mit anderen Worten: Nur, weil es ein instagram für Kinder geben würde, heißt es nicht, dass ein Kind auch einfach so Zugang hat.

    • Das greift aber doch massiv zu kurz.
      Hatten wir als Kinder z.B. schon Zugang zu Ballerspielen auf Papas Computer? Ja. Wusste er das? Nicht unbedingt. Hat’s uns geschadet, das selbst zu entdecken? … nunja, manchen eventuell…
      Nein, wichtig war da die Erklärung und das gemeinsame Erleben. Allerdings helfen weder Verbote (die machten Sachen nur noch interessanter) noch ständiges Umkreiseln und Aufpassen (das führt entweder zu Verblödung oder zu Gegenreaktionen). Ein Nichtexistieren von fragwürdigen Inhalten und Angeboten dagegen schon. Was es nicht gibt, stellt kein Problem dar.
       
      Und was die Geschichte mit der Verfügbarkeit betrifft – wie soll man’s denn nun halten? Den Kindern früh Technik zu zeigen, damit sie sie besser verstehen (als man selbst) und in der modernen Welt klarkommen, unter dem Risiko, dass da auch weniger taugliche Inhalte zum Vorschein kommen? Oder heile Welt spielen und das Thema ausblenden, so dass die Kinder entweder nachher gar keine Ahnung haben und auch entsprechend behandelt werden, oder von den Freunden nur die weniger schönen verbotenen Ecken kennenlernen?
       
      Es ist also nicht ganz so einfach. Ideal ist es, wenn beides zusammen passt: Eltern, die halbwegs wissen, was sie mit dem Internet tun können und das in angemessener Dosierung steigend auf die Kinder loslassen, UND Abschalten bzw. gar nicht erst Aufschalten von Angeboten, die eher negative Entwicklung fördern. Weil aber nicht überall beides geht, ist es richtig, wenn zumindest beides so gut wie möglich versucht wird.
      (Was jetzt nicht heißt, dass ich für die Ausblendung von Flüchen oder ähnlichem bin; das wäre übervorsorglich. Lieber fluchen wie ein Kameltreiber und dafür den Frust nicht aufstauen.)

      • Carsten Mohr am

        Ich denke nicht, dass durch Zensur ein besserer Schutz erwirkt wird. Zumal Zensur grundsätzlich gefährlich ist. Würde man stattdessen mehr auf die Ausbildung (im Sinne von Erweitern) der sozialen Kompetenz durch frühzeitigen Unterricht in Sozialkunde, Geschichte und vielleicht auch neuen Fächern der Fachrichtung Gesellschaftslehre mit eingehenden Erläuterungen zu Gruppenmechanismen und ähnlichem. Wenn praktische Teile, wie z.B. Besuche in Altenheimen, Patenschaften und immer wieder alljährliche Aktionen rund um das Thema Soziologie stattfänden, würden sich unter uns sozial hochkompetente Menschen bilden und die Gesellschaft generationsweise nach vorne bringen. Ohne dem Mahnenden zeigefinger und dergleichen, aus der Vernunft heraus und dem gelebten.

        • Nein, Zensur sollte das nicht sein. Zensur wäre ja, wenn etwas da ist und man darfs nur nicht sehen/zeigen (oder nur ein eingeschränkter Personenkreis).
          Im aktuellen Fall wäre es eher ein Verbot. Das Angebot gibt es dann einfach nicht (weil’s außer dem Profit des Besitzers niemandem positiven Nutzen beschert). Und dann kann auch keiner Zensur schreien.

          • Jörg schieb am

            Ich weiß gar nicht, wieso eine Zensur die Butter aus gekämmt ist. Von Zensur war jedoch gar keine Rede. Es geht da drum, zu klären, ab welchem Alter Kinder und Jugendliche was nutzen dürfen und welche Beschränkungen es geben muss. Das ist keine Zensur, das nennt man Jugendschutz.

            Darüber hinaus gibt es Vorschriften, welche und wie viel Werbung Kinder und Jugendliche sehen dürfen. Im Fernsehen kann das auch gut kontrolliert werden. Im Internet ist es aber komplett unkontrolliert. Kinder und Jugendliche sehen schon in Spielen viel zu viel Werbung, und auch unpassende Werbung. Auf YouTube for Kids zum Beispiel gibt es häufig Werbung, die nicht für Kinderaugen gedacht sind. Und niemand kontrolliert, wie viel Werbung gezeigt wird. Das ist unzumutbar.

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