Büro für die Hosentasche: Vor 25 Jahren kam der Nokia Communicator heraus

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Büro für die Hosentasche: Vor 25 Jahren kam der Nokia Communicator heraus

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Wir wollen jederzeit erreichbar sein, telefonieren, simsen, Nachrichten austauschen, online gehen und Apps benutzen – oder Fotos machen und anschauen. Das Smartphone von heute ist ein Multifunktionsgerät, das eher an die Kommunikatoren von „Raumschiff Enterprise“ erinnert als an ein Telefon.

Nokia Communicator: Klein und mit ausklappbarer Tastatur, Rechte: WDR/Schieb

Nokia Communicator: Klein und mit ausklappbarer Tastatur

Erst smarte Handys, dann Smartphones

Das Smartphone, wie wir es heute kennen, gibt es erst seit 2007: Damals stellte Apple-Gründer Steve Jobs das erste iPhone-Modell vor. Handy, Kalender, Notizbuch und Apps – und alles per Fingertippen bedienbar, nicht mehr über Tastatur.

Das erste Mobiltelefon, das als Vorstufe der smarten Geräte von heute verstanden werden könnte, ist der Nokia Communicator 9000. Vor ziemlich genau 25 Jahren kam dieses rund 400 Gramm schwere Multifunktionsgerät auf den Markt – und begeisterte technikverliebte Menschen in aller Welt. Ein Gerät, nicht aus dem Silicon Valley oder China – sondern aus Finnland.

Auch ich hatte damals einen Communicator. Zum ersten Mal konnte man mit einem Mobiltelefon nicht nur telefonieren und SMS austauschen, sondern auch bequem unterwegs E-Mails verschicken und empfangen und sogar – im beschränkten Maße – im Web surfen (es gab extra für diesen Zweck gebaute WAP-Seiten). Und Faxe versenden!

Das erste iPhone kam erst 2007 auf den Markt; Rechte: WDR/Schieb

Das erste iPhone kam erst 2007 auf den Markt

Ein Brikett zum Mitnehmen

Ein aufklappbares Brikett mit Stummel-Antenne vermittelte erstmals einen Hauch von Büro unterwegs. Die aufklappbare Tastatur war zwar winzig, aber damit ließen sich sehr wohl E-Mails verfassen. Genutzt haben das damals eher Business-Leute – und absolute Technikfanatiker.

Aus heutiger Sicht wirkt es beinahe albern, dass Menschen für derart wenige Funktionen 2.700 Mark (etwa 1.400 Euro) auf den Tisch geblättert haben. Aber man muss sich diesen Durchbruch vorstellen: ein Büro für die Hosentasche gab es bis dahin nicht.

Denn viele Menschen hatten immer zwei Geräte dabei: ein Mobiltelefon – und einen sogenannten „Personal Digital Assistant“, kurz PDA. So wurden Geräte genannt, in denen man Termine eintragen und Kontakte einpflegen konnte. Eine Art Notizbuch, elektronischer Terminkalender und Adressbuch in einem – aber eben als separates Gerät. Der Nokia Communicator 9000 war das erste Gerät, das diese Funktionen elegant in einem vereinte.

Keine Apps, aber auch keine Spionage

Apps, wie wir sie heute kennen, gab es damals im Nokia Communicator nicht mal ansatzweise.

Es gab aber auch kein Spam, keine Hackangriffe oder Schnüffelattacken. Auch kein Facebook oder Google, die alles mitbekommen hätten, was Communicator-User damals mit ihrem Gerät gemacht haben. Das Gerät war kostspielig – aber es gehörte einem wenigstens.

Leider hat Nokia Geräte mit Touchscreens anfangs belächelt – und den Anschluss verloren. Aber der Nokia Communicator 9000 ist unvergessen.

Moderne Smartphones können eine Menge – sie gehören uns aber nicht mehr

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Carsten Mohr am

    Einem Bekannten habe ich damals einen HP Omnigo 700LX besorgt. Das Gerät hatte HP zusammen mit Nokia entwickelt und darauf wurde das Nokia-Handy gesteckt und fertig war das Smartphone. Das war kurz bevor Nokia seinen 9000er herausbrachte. Natürlich waren das 2 Geräte zusammengesetzt und der 9000er war leichter. Aber das HP Monster hatte die Runde eingeläutet, würde ich vorsichtig behaupten.

  2. Zu den Zeiten als der Communicator „en vogue“ war, galt Nokia als die HighTech Handyfirma. Mit Marktanteilen und Gewinnen, welche jeden Gedanken unterbanden das diese große Firma innerhalb kürzester Zeit zusammenbrechen könnte.

    Jetzt wissen wir es besser.

    Das macht aber auch Mut, dass es eine Zeit nach Apple, Facebook oder Google geben könnte. Heute unvorstellbar natürlich.

    Vielleicht wissen wir es ja auch in ca. elf Jahren besser :-) und feiern 25 Jahre iPhone. Einem Produkt, welches nicht mehr am Markt ist, aber welchem immer noch ein gewisser Mythos umgibt.

    • Nokia war auch wirklich Hightech. So war z.B die Sprachverstaendlichkeit bei diesen Telefonen wesentlich besser. Auch die Anbindung per Bluetooth an mein Autoradio hat viel besser funktioniert als bei Android Jahre spaeter.
      Allerdings hat mein erstes Handy das man als Smartphone (Email, Internetbrowser) bezeichnen koennte, ein E61 auch um die 600Euro gekostet wenn es nicht ueber den Handyvertrag querfinanziert war. Mein erstes Smartphone mit Android (Samsung Note1) lag bei 330Euro. Damit lag Nokia in Preisregionen die sich die meisten Leute gar nicht vorstellen konnten fuer ein Handy auszugeben.
      Da ist es schon interessant das manche Menschen heute 1000Euro und mehr fuer so ein Teil ausgeben obwohl es letztlich alles nur noch gleich aussehende rechteckige Geraete mit TouchLCD sind die sich nur noch in belanglosen Details unterscheiden.

  3. Ich bin damals von dem Teil fasziniert gewesen. Ein gehörloser Kollege aus dem Botendienst hat das über seine Behinderung bezahlt bekommen, damit er auch mit anderen kommunizieren konnte. Ein Mindestmaß an Kontrolle hatte man damals auch schon, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie heutzutage. Vor allem gab es deutlich weniger Werbung. Nokia hat ja mit dem Windowshandy von Microsoft schließlich doch den Zugang zum Touchscreen gefunden. Leider waren die Redmonder nicht clever genug, daß Modell zeitgemäß auszubauen, heute ist das Gerät deshalb nach langem Hängen und Würgen wieder verschwunden, bedauerlicherweise ! Es hätte ja sooo schön sein können…

  4. Ich glaub der entscheidende Punkt war, bei Nokias war immer ein gewisser Aufwand notwendig bis man nach dem Kauf eines Geraetes damit im Internet war. Man konnte alles machen, aber nichts ging sofort.
    Bei Android waren sofort alle Daten im Netz und man musste/muss denselben Aufwand treiben um zu verhindern des einem jeder Drecksladen aushorcht. Die meisten Menschen sind entweder zu ungebildet um das zu erkennen oder es ist ihnen schlicht egal. Da war dann natuerlich Symbian ein Problem, weil man erst lernen und denken musste. Und wo kommen wir hin wenn Menschen zum denken angehalten werden?

    Womit ich jetzt nicht sagen will das Nokia die bessere Firma war. Aber die Firma war noch in dem Bewusstsein gross geworden das jedes uebertragen Bit im Netz Geld kostet. Das hat dem Laden eine gewisse Zurueckhaltung auferlegt.

    Olaf

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