Coin Master: Kinder abzocken in bunt

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Coin Master: Kinder abzocken in bunt

Kommentare zum Artikel: 8

Kinder und Jugendliche hängen häufig an ihrem Smartphone. Tief versunken in irgendwelche Videos, Apps oder Games. Sieht man leider auch häufig im Urlaub. Aber wer will es ihnen verdenken: Ihre Vorbilder – die Erwachsenen – machen es ganz genauso. Allerdings sind Kinder besonders anfällig. Lassen sich leicht manipulieren. Sind nur beschränkt entscheidungsfähig…

Coin Master: Ständig sollen die Spieler die Slot-Machine bedienen; Rechte: WDR/Schieb

Coin Master: Ständig sollen die Spieler die Slot-Machine bedienen.

Von Bohlen empfohlen: Slot Machine für Kids

Eigentlich ausreichend gute Gründe, Kinder und Jugendliche besonders gut zu schützen. Vor Apps, die süchtig machen können. Vor Werbung, die perfide und manipulativ ist. Vor Promis wie Dieter BohlenDaniela Katzenberger und Bianca “Bibi” Heinicke, die ihre Bekanntheit und das Restvertrauen in sie eiskalt und ungeniert dafür missbrauchen, um für ein paar lausige Euro das Spielsuchtverhalten zu fördern.

Doch genau das passiert – andauernd. Aktuell wird über die Game-App “Coin Master” diskutiert. Ein Spiel, das optisch eindeutig auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten ist – und/oder auf Erwachsene mit einem ausgesprochen kindlichen Gemüt. Eine knallbunte Welt, bonbonfarbene Figuren – und ein Sound wie aus dem Kaugummiautomaten.

Sollen Kinder und Jugendliche an Schilen mit Tablets und Notebooks arbeiten?; Rechte: WDR/Schieb

Kinder und Jugendliche spielen für ihr Leben gerne – aber keiner schützt sie.

Was spielen Kids? Niemand kümmert es

Die Spieler sollen ein eigenes Dorf aufbauen – und brauchen dafür Goldstücke. Nicht sonderlich originell. Es gibt geschätzt Trilliarden vergleichbare Game-Apps. Doch “Coin Master” ist anders. Dreister. Schon nach fünf Sekunden erscheint eine Art Slot-Machine auf dem Display. Die Kids müssen ständig dran ziehen, um Gewinne ausgeschüttet zu bekommen. Und wieder. Und wieder. Und wieder… Das macht süchtig… Denn der einzige Spielzweck ist: Irgendwas “gewinnen”.

Das klappt am Anfang auch gut. Später aber nicht mehr. Dann müssen Extras gekauft werden. Die sogenannten In-App-Käufe kosten mal 2,29 Euro – mal 19,99 Euro. Das summiert sich. Das ist schon für Erwachsene schlimm, für Kinder aber unzumutbar. Die Kids werden getrimmt – auf Glücksspiel. Das ist derart eindeutig, dass ich mich frage: Wieso schaut niemand hin? Wieso schützt niemand unsere Kinder vor solchem Quatsch?

https://vimeo.com/243307849

Verstörende Videos auf YouTube: Es gibt viele Risiken für Kids.

Totalversagen der Regierung: Kein Schutz

Die Landesanstalt für Medien NRW schaut sich “Coin Master” nun genauer an. Aber nicht das Spiel selbst. Auch nicht die Tatsache, dass so viele Kinder es spielen. Sondern lediglich, inwiefern  Kinder und Jugendliche Werbung für das Spiel zu sehen bekommen – und diese sie möglicherweise zum Kaufen anregt.

Ich finde es skandalös, dass Kinder und Jugendliche praktisch überhaupt nicht geschützt werden. Sie können praktisch alles laden. Niemand zwingt die Anbieter, auf Jugendschutz zu achten. Niemand prüft, welche Werbung den Kids gezeigt wird – und wie viel. Es ist unerträglich.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

8 Kommentare

  1. Leider kann der ganze Zirkus um (ewiges) Wachstum und Wohlstand nur dann am Laufen gehalten werden, wenn wir immer mehr Geld für immer größeren Scheiß ausgeben – das ist leider ebenso wahr wie zynisch. Deswegen wird der Konsument auch vor keiner Form von unseriösen Ausgaben wirkungsvoll geschützt – oder eben erst dann, wenn der Druck der Öffentlichkeit den handelnden Politikern wirklich überhaupt keine Wahl mehr lässt. Das galt bereits für Telefonabzocke unter williger Mithilfe der Telekom, für Haustürgeschäfte jeder Art, für das Treiben von Banken und Versicherungen, und nun eben auch für sämtliche Untiefen des Internets.

  2. Ziemlich am Thema bzw. Problemfeld vorbei geschrieben, sorry. Herr Schieb, Sie haben so viel Erfahrung und so viel gesehen und dann so ein Kinder-Abzock-Quatsch? Okay, der Text ist zumindest diskursfördernd. Eine Replik ist leider zu lang fürs Kommentarfeld, hoffe, es ist erlaubt, den Link ins Feld “Ihre Webseite” einzutragen. Die App ist zweifelsohne gefährdend, aber wohl eher für Oma auf Facebook. Und davon abgesehen, warum gibt es hier keine Auseinandersetzung mit den wirklichen Gefahren? Etwa zum viel zu fettigem Chicken Dinner bei PUBG (eventuell auch zum Waffen-Realismus) oder dem Battle Pass von Fortnite?

    • Jörg Schieb am

      CoinMaster ist halt aktuell ein Thema – weil die Landesanstalt für Medien sich das Werbeverhalten genauer anschaut. Darum hier im Blog. Keine Frage: CoinMaster zockt vor allem Erwachsene ab. Das ist (leider) nicht ungesetzlich – aber ebenso verwerflich.

      Nur ist es leider so, dass sich auch viele Kinder und Jugendliche das Spiel anschauen. Und hier sehe ich eine extreme Gefahr, weil sie an den Casino-Effekt gewöhnt werden. Es stört mich enorm, dass der Gesetzgeber ungerührt zusieht, dass es praktisch keinen ernstzunehmenden Jugendschutz im Netz gibt. Es finden keine Alterskontrollen statt. Alle können alles laden. Immer alles auf die Eltern zu schieben, ist lahm – und unverantwortlich. Nicht zuletzt, weil viele Eltern überfordert sind und leider auch viele Kinder mit unverantwortlichen Eltern “gestraft” sind.

      Es will mir nicht einleuchten, wieso Kinder und Jugendliche im Netz mit jeder Form von Werbung zugeballert werden dürfen – und in jedem Umfang.

      • Wir sind uns darin einig, dass die Werbung der “Influenza” kränklich ist. Ob die Alterskontrollen der Stores ausreichen, darüber kann man streiten. Coin Master ist aber definitiv ein sehr schlechtes Beispiel für Kinderabzocke. Casino-Apps sind zumindest ein Trend, auch was den im Beitrag genannten MontanaBlack angeht. Und es wird mehr kommen: Playtika z.B. hat bekanntlich das Berliner Studio Wooga gekauft, welche ja noch “relativ” anspruchsvolle Puzzle machte.

  3. Bevor ein falscher Eindruck entsteht “Coin Master” ist meiner Ansicht nach nur die Spitze des Eisberges.
    “Lootboxen”, andere Internet-Spiele wo der Schwierigkeitsgrad immer mehr unmerklich ansteigt bis man nur noch durch Ausgabe von Geld weiterkommt, Trading-Card-Games, die Gewöhnung daran das man vieles mit seinen privatesten Daten bezahlt oder die Gefangennahme in ein geschlossenes System wie z.B. bei Apple. Die Methoden sind oft subtil und selbst für Erwachsene unmerklich. Kinder haben da gar keine Chance.

    Immer in Gedanken behalten und sich als erstes fragen was ist das Geschäftsmodell? Es gibt, auch im Internet, nur sehr selten etwas wirklich Umsonst.

    • Jörg Schieb am

      Absolut richtig. Wir werden uns auch um die anderen Themen kümmern. Im Vordergrund stand jetzt diese besonders bedenkliche Ausbreitung von CoinMaster unter Minderhährigen.

  4. Eva Hoferichter am

    Hallo Herr Schieb,
    Danke, daß Sie immer auf Mißstände im Internet auch speziell hier Kinderspiele aufmerksam machen! Ich finde es so gut, daß es diese öffentliche Seite gibt und Sie mit Ihrer Kenntnis, Erfahrung und Wissen unterstreichen was falsch läuft und damit Eltern nochmal unterstützt. Es ist schon schwer genug gegen Kinderwünsche anzukommen und diese immer wieder abwehren zu müssen.
    Sie sprechen udn schreiben mir aus der Seele …. weiter so und DANKE.

    Mit freundlichen Grüßen
    Eva Hoferichter aus Köln

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