Corona Warn App: Doch besser tracken statt tracen?

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Corona Warn App: Doch besser tracken statt tracen?

Kommentare zum Artikel: 11

Knapp 20 Millionen Downloads hat die deutsche Corona Warn App. Es dürfte gerne mehr sein, aber immerhin fast jeder oder jede vierte Deutsche hat sich die App angeschaut – und die meisten davon auch im Einsatz. Beachtlich. Trotzdem beklagt Markus Söder, die Warn App sei bislang ein “zahnloser Tiger”. Und er hat durchaus recht damit. Denn die App könnte viel mehr – wenn wir sie ließen.

Sollten wir nicht mehr Technik einsetzen? Thema bei Anne Will

Das geht noch was: Corona Warn App aufrüsten?

In der jüngsten Anne-Will-Sendung wurde der Aspekt erfreulicherweise auch diskutiert: Der Philosophie-Professor und frühere SPD-Politiker Julian Nida-Rümelin wies nachdrücklich darauf hin, dass wir als moderne Gesellschaft stärker die Technik einsetzen müssten, um den Herausforderungen zu begegnen – und sprach explizit die Corona Warn App an, die mehr können sollte.

Stimmt völlig. Schieben wir mal für einen Moment alle Bedenken beiseite, die den Datenschutz betreffen – denn nur so lässt sich denken, was technisch machbar wäre. Dann könnte eine Corona Warn App sehr wohl Kontakte tracken. Wen habe ich wann wo getroffen bzw. wem bin ich begegnet? An die meisten Personen kann ich mich nämlich gar nicht erinnern, weil ich sie nicht kenne. Begegnungen in der Öffentlichkeit halt.

Die Corona Warn App steht in den Startlöchern; Rechte: WDR/Schieb

Elementar sind die Kontakte – aber die kennt keine(r)

Wenn diese Begegnungen automatisch an das Gesundheitsamt übermittelt werden könnten, ließe sich die anspruchsvolle und mühsame Arbeit der Kontaktverfolgung enorm vereinfachen und – viel wichtiger! – beschleunigen. Das wäre extrem wichtig, denn viele Gesundheitsämter melden schon jetzt Überlastung.

Schalten wir die Datenschutzbedenken wieder ein. Natürlich wollen es viele nicht, dass eine Warn-App mehr kann, als sie derzeit kann. Denn dann könnte der Staat ja die Bewegungen aller kontrollieren. Könnte. Aber müsste nicht. Entsprechende Gesetze könnten das penibel regeln und jeden Missbrauch ahnden. Außerdem könnte so etwas auch freiwillig sein – auch das würde mehr Daten liefern. Wird aber nicht gemacht. Aus Prinzip.

15 Jahre Google Maps, Rechte: WDR/Schieb

Wann bin ich wo gewesen, und wen habe ich getroffen? Google weiß es genau…

Facebook und Google können aushelfen

Vielleicht ein falsches Prinzip? Denn: Welches Interesse sollten Gesundheitsämter etwa an außerehelichen Beziehungen haben, fragten sich auch die Gäste bei Anne Will? Und – noch wichtiger: Facebook und Google werden solche Daten vollkommen bedenkenlos abgeliefert, obwohl die dadurch immer mächtiger und reicher werden und die Daten vollkommen ungeniert gebrauchen und missbrauchen. Das ist zweierlei Maß.

Keine Frage: Es muss dringend etwas passieren. Die Warn-App muss besser an die Gesundheitsämter angedockt werden. Es braucht mehr Daten. Warum nicht die Timeline von Google Maps importieren und verarbeiten, natürlich auf freiwilliger Basis? Denn wer Google Maps nutzt, der trackt sehr wahrscheinlich sowieso, wo er in den letzten 14 Tagen gewesen ist.

Es gibt viele Möglichkeiten – sie müssen nur genutzt werden. Um weitere Lockdown(s) zu verhindern.

https://vimeo.com/469866468

Corona Warn App Version 1.5: Neue Funktionen – aber reicht das?

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Kommentare

  1. Your expertise and kindness in taking care of all things was priceless. I’m not sure what I would’ve done if I had not encountered such a subject like this. I can at this point look forward to my future. Thanks

  2. Johann Moritz am

    “Welches Interesse sollten Gesundheitsämter etwa an außerehelichen Beziehungen haben, fragten sich auch die Gäste bei Anne Will?”

    Das Gesundheitsamt als Institution vielleicht nicht. Der Nachbar, der dort arbeitet, vielleicht schon. Zu oft gab es schon die Nachricht, daß ein Behördenmitarbeiter die behördliche Datenbank für private Zwecke genutzt hat, und ich habe es auch schon selbst erlebt (nicht mit außerehelichen Beziehungen, aber anderen Vorkommnissen).

  3. Bei mir bringt das herzlich wenig, da mein Telefon meistens irgendwo ohne mich rumliegt. Ich habe auch nicht vor, das zu ändern.
    Davon aber abgesehen: bei den Kollegen gab es schon Meldungen mit geringem Risiko, und das Datum der Meldung wird angezeigt. Nachts um 1. Das kann aber nicht der Zeitpunkt der bedenklichen Begegnung gewesen sein, und wenn man nicht mal den erhält, ist es schwer bis komplett unmöglich nachzuvollziehen, wen man seither alles getroffen und besucht hat und eventuell vorwarnen sollte.
    Also wenn schon kein Tracking, dann doch wenigstens das. Sonst ist das teure System wirklich witzlos.

  4. Das dusselige ist, dass schon wieder Vertrauen verspielt wurde.
    Kontaktlisten im Restaurant nur zur Verfolgung der Infektionsketten, Ehrenwort.
    Nur wenige Wochen später wird bekannt das sich die Polizei ungeniert bedient.

    Da nützt es wenig wenn dann auch gesetzlich festgeschrieben wird das solche Daten nur zum Zweck der Pandemiebekämpfung benutzt werden darf.

    Es stimmt aber schon, dass manche Leute welche schon jetzt in der App ein Risiko sehen, völlig sinnfrei Ihr Privateleben bei Facebook und Google abladen.
    Manchmal kommt das Argument “sind ja Unternehmen”! So, so, dann einfach mal nach “Cloud Act” ecosien.

  5. Unwichtig am

    Noch was. Wer jetzt denkt “Oh, ein Corona Leugner” der liegt so was von falsch.
    Wenn alle Menschen auf der Welt sich nur 3 oder vielleicht 4 Wochen so verhalten würden wie ich…….dann gebe es kein Corona mehr. Außer es ist mittlerweile bei Tieren zur Seuche geworden, aber dann hätten wir eh verloren.

  6. Unwichtig am

    Ich habe die Corona App noch nie gesehen, will sie auch nicht. Denke auch nicht das wirklich soooo viele diese auch jetzt noch nutzen.
    20 Mi Downloads hört sich viel an, aber die meisten wollten “doch nur mal gucken”.
    Handygeneration halt.

    Na klar könnte man so eine Software noch erweitern, wer weiß wirklich was sie jetzt schon kann, und da gebe ich Herrn Schieb Recht: Bei Facebook und den ganzen anderen Mist lassen die Social-Media-Fanatiker ja auch ihre ganzen Daten da…Kostenlos und ohne Nachzudenken. Bei einer App vom Staat wird aber rumgeheult, geheule von Leuten die überhaupt keine Ahnung zu haben scheinen.
    Habe Bekannte die nutzen gleichzeitig mehrere Social-Plattformen aber ignorieren z.B. Epic-Games, oder Windows weil die Sammeln ja Daten von meinem Rechner.
    Gleichzeitig werden aber freiwillig private Fotos und was es heute zu Essen gibt nach FaceTwittInsta hochgeladen. Dass die Welt mittlerweile verblödet ist, merkt man ja schon seit Jahren. Aber je mehr Menschen es gibt, desto schlimmer wird das auch.

  7. Ich hatte jetzt schon 2 Fälle in meinem direkten Kreis und kann nur sagen, dass die App noch nicht einmal angeschlagen hat. Bei einem Fall, bei dem auch alle vom Gesundheitsamt kontaktiert wurden, gab es lediglich eine unbedenkliche Begegnung, welche bei einem Kollegen einige Büros weiter angezeigt wurde. Das zeigt mir, dass es aktuell relativ sinnlos ist, die App aktiv zu nutzen.
    Auch nutzen nicht alle Ärzte und Labore die App. Bei meinem letzten Test musste ich 5 Tage auf das Ergebnis warten und die App wurde nicht mal erwähnt. Das Gesundheitsamt hat mich dann nach 10 Tagen kontaktiert. Da es nicht das Gesundheitsamt meines Wohnorts war, konnten sie meine Daten aber auch nur weitergeben. Das Gesundheitsamt aus meiner Region hat sich hingegen noch nie bei mir gemeldet. Insgesamt eine eher schlechtes Ergebnis und ich gehe nicht davon aus, dass es sich Richtung Winter bessert.

  8. Thema Datenschutz: …. Entsprechende Gesetze könnten das penibel regeln und jeden Missbrauch ahnen…. steht in dem Beitrag !!. Da muß ich aber herzhaft lachen. In welcher Fantasiewelt lebt er, der Herr Schieb ? Das mit dem Datenschutz hat weder bei der Maut
    noch bei den Gästelisten in der Gastronomie geklappt.

    • Das sind wohl kaum Argumente dagegen. Denn mögliche Fehler lassen sich korrigieren. Vor allem aber steht im krassen Widerspruch, dass die Menschen völlig unbekümmert tonnenenweise Daten bei Vermarktern abliefern, und es ihnen egal ist, wenn die Daten dort missbraucht und zu Geld gemacht werden. Dienen sie aber einem guten Zweck, scheint der Gedanke tabu. Komisch.

  9. Michael Pöting am

    Die Corona-Warn-App ist allein deswegen ein zahnloser Tiger, weil nicht alle Labore die Ergebnisse an die App zurücksenden. Wie soll ich über die App meine Begegnungen benachrichtigen, wenn auch Tage nach dem Test kein Ergebnis vorliegt. Vorgeschlagener Workaround der Entwickler: Die kostenlose Rufnummer anrufen, und sollte der Test positiv gewesen sein, bekommt man eine TAN genannt, mit der man den in der App gescannten Test als Positiv markieren kann. Warum einfach, wenn‘s auch umständlich geht?

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