Digital Services Act: Plattformen sollen Daten teilen

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Digital Services Act: Plattformen sollen Daten teilen

Kommentare zum Artikel: 7

Am 3. November – also am morgigen Dienstag – wählen die USA ihren nächsten Präsidenten. Es darf als sicher gelten, dass im Anschluss wieder leidenschaftlich darüber gestritten wird, welche Rolle die sogenannten Sozialen Medien dabei gespielt haben.

Plattformen sollen Daten zur Verfügung stellen

Eigentlich ist nur klar, dass sie eine Rolle spielen – für genauere Aussagen fehlt es an belastbaren und zugänglichen Daten. Wenn sich Wissenschaftler oder Organisationen wie AlorithmWatch mit solchen Fragen beschäftigen, ist das mühsam. Denn sie können auch nur das sehen, was wir sehen. Dabei wäre es wichtig, mehr konkrete Daten zu haben: Welche Themen trenden? Wie viele Postings werden gelöscht? Welche Themen regen besonders zur Interaktion an? Wie viele Bots sind aktiv? Um nur einige Beispiele zu nennen.

Angesichts der enormen Bedeutung, die die sogenannten Sozialen Netzwerke heute bei der politischen Meinungsbildung haben, besteht ein begründetes öffentliches Interesse daran, wie die Algorithmen genau funktionieren. Doch da blockieren die Plattformen: Firmengeheimnis!

Das ist fatal. Ein Beispiel: Anfang des Jahres ist der Verdacht aufgekommen, die Algorithmen von Instagram würden Fotoaufnahmen bevorzugen, die möglichst viel nackte Haut zeigen. Facebook hat das dementiert. Thema erledigt. Wenn Forscher, Wissenschaftler und NGOs einen privilegierten Zugang zu den Daten hätten, könnten sie der Sache auf den Grund gehen.

Instagram bevorzugt nackte Haut; Rechte: WDR/Schieb

Bevorzugt Instagram wirklich Aufnahmen, die viel nackte Haut zeigen?

„Digital Services Act“ würde einiges verändern

Genau das fordern nun rund 50 führende Wissenschaftler und Organisationen rund um AlgorithmWatch – und haben gute Chancen, dass es so kommen könnte. Denn EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager plant einen „Digital Services Act„, der die großen IT-Konzerne und vor allem Plattformen an die Leine nehmen soll.

Unter anderem sieht die Initiative auch mehr Transparenz vor. Die Plattformen sollen gezwungen werden, bestimmte Daten mit der Öffentlichkeit zu teilen. Keine Geschäftsgeheimnisse, auch keine Algorithmen – wohl aber Daten, die im öffentlichen Interesse sind.

Die Öffentlichkeit hat einen Anspruch auf Transparenz

Das ist längst überfällig, wird Google, Facebook und Co. aber ganz sicher nicht gefallen. Und die gut bezahlten Lobbyisten in Brüssel wollen es sicher noch verhindern. Aber: Wenn wir alle – auch wir Journalisten – mehr belastbares Datenmaterial haben, so profitieren wir alle davon. Denn öffentlicher Diskurs sollte nicht in den Händen von kommerziellen US-Konzernen liegen. Vertrauen ist da nicht angebracht.

https://vimeo.com/377795406

Wir stark ist der Effekt von Filterblasen? Um das zu untersuchen, braucht es mehr Daten …

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Carsten Mohr am

    „Aber: Wenn wir alle – auch wir Journalisten – mehr belastbares Datenmaterial haben, so profitieren wir alle davon.“
    Herr Schieb, jetzt mal Hand auf’s Herz: das wäre doch der wahrgewordene feuchte Traum der Journalisten, oder?! Und sie (als Berufsgruppe) glauben an die eigene Objektivität? Mitnichten!
    Also besser nicht. Eine Behörden, wie die Staatsanwaltschaft, dann schon eher. Da wäre ich dabei, mit einer speziellen Truppe an nicht nur im Recht geschulten Richtern.

    • Hallo Herr Mohr, ich habe den Eindruck, da liegt ein Missverständnis vor.

      Es geht in keinster Weise darum, irgendwelche persönlichen Daten zu bekommen. Schlimm genug, dass Facebook diese hat. Es geht darum, die ohnehin öffentlichen Postings besser abrufen und auswerten zu können – und Statistiken über Likes, Empfehlungen, Antwortverhalten etc. Selbstverständlich ausschließlich statistische Daten.

      Ich sehe nicht, welchen Widerstand das bei Ihnen erzeugen sollte.

      • Carsten Mohr am

        Nun, wenn diese von Ihnen genannten aggregierten Daten allgemein bereitgestellt werden würden, wäre doch, weil ja gerade eben alle einzelnen Profile offenliegen und jedem der mathematischen Statistik Mächtigen sich erschließend, einjeder gläsern und durchleuchtbar.
        Gerade das sind die Daten, die gefährlich sind. Zumindest eine Akkreditierung zur Nutzung (auch nur dem „Anschauen“) der Daten sollte auf höherer Ebene gewährleistet sein.

        • Jörg schieb am

          Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Es geht um qualifizierte Zugänge (also nicht jedermann) und statistische Daten. Nicht individuelle.

          • Carsten Mohr am

            Wie Sie vorschlagen, wäre dann vertretbar. Nichtsdestotrotz, natürlich sind solcherlei Daten allein in der Hand von Facebook bzw. deren Gutdünken nicht gut aufgehoben. Soviel sollte auch richtig sein. Ich sähe eher ein generelles Erhebungsverbot als geeignetes Mittel. Dies müßte dann aber konsequent auf Teilnehmer aus Europa (EU) angewendet werden. Damit würde man zwar nicht viel gewinnen, aber sich zumindest nicht mit „schuldig“ machen.

  2. „… dass im Anschluss wieder leidenschaftlich darüber gestritten wird, welche Rolle die sogenannten Sozialen Medien dabei gespielt haben.“
    In Deutschland aber nur dann, falls Trump wiedergewählt wird; dann war es Putins sozialmediale Wahlkampfhilfe o.ä. Unlauteres. Falls Biden/ Frau Harris siegt, hat natürlich die „Demokratie“ gesiegt und die „Sozialen Medien“ haben diesmal alles richtig gemacht; zumindest nach deutschen Redaktionsauffassungen. So einfach ist die öffentliche Diskurs-Welt – oder auch nicht.
    Wer auch immer siegen mag, ich freue mich schon auf die endlose, deutsche Nachwahlberichterstattung mit all den bekannten Experten, Politologen, Atlantikbrücklern, Webdiagnostikern und sonstigen Wahrsagern im heiteren Talkshow-Karussell. Frohmut und Lächeln hinter der Maske im November-Lockdown („light“). ;-)

    • Nun, aktuell beschweren sich die Republikaner, sie würden durch Facebook und Co benachteiligt. Auch dieser Sache wird zweifellos nachgegangen. Ganz so einseitig wie Sie sehe ich das also nicht.

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