Digitaler Impfnachweis: Nun doch ohne Blockchain – aber in der App

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Digitaler Impfnachweis: Nun doch ohne Blockchain – aber in der App

Kommentare zum Artikel: 5

Die Zahl der in Deutschland geimpften Menschen steigt. Zwar bislang nicht im wünschenswerten Tempo, doch aller Voraussicht nach nimmt die Impfkampagne nun immerhin Fahrt auf. Deshalb stellt sich nun immer drängender die Frage: Wie sollen Menschen nachweisen können, dass sie bereits geimpft sind? Denn es wird zukünftig immer häufiger Situationen geben, wo das eine Rolle spielt – etwa auf Reisen.

Jede vollständige Impfung muss nachgewiesen werden; Rechte: WDR/Schieb

Jede vollständige Impfung muss nachgewiesen werden

Doch nicht in der Blockchain

Während es im Ausland längst Lösungen gibt, die gut funktionieren, wird in Deutschland noch darüber nachgedacht – und gestritten -, wie so eine Lösung aussehen soll. Noch vor einigen Wochen war zum Beispiel geplant, den durch IBM, Bechtle und Ubirch entwickelten “Digitalen Impfnachweis” auf der Blockchain aufzusetzen.

Eine moderne Methode der dezentralen Datenspeicherung, die sich allerdings für diese Aufgabe nicht wirklich optimal eignet. Darüber habe ich bereits hier in Digitalistan und auch in Angeklickt berichtet.

Wie aus Regierungskreisen zu erfahren ist, ändert sich das: Der Digitale Impfnachweis verzichtet nun auf Blockchain. Stattdessen kommt eine zentrale Lösung zum Einsatz, die sich in diesem konkreten Fall auch besser eignet (und umweltschonenender ist, da die Blockchain-Technologie bislang sehr energieaufwändig ist).

Der Impfnachweis landet wahlweise im Handx - oder auf Papier; Rechte: WDR/Schieb

Der Impfnachweis landet wahlweise im Handy – oder auf Papier

Digitaler Nachweis der Impfung

Wer sich impfen lässt, ob beim Arzt oder im Impfzentrum, bekommt die erfolgreiche Impfung bestätigt. Mit einem QR-Code, der sich ausdrucken oder auch mit dem Handy abfotografieren oder einscannen lässt. Der QR-Code (ein digitales Zertifikat) lässt sich an Kontrollstellen mit speziellen Apps auslesen und wird dann aktiv online überprüft. Bei Bedarf ist ein zusätzliches Ausweisen mit einem Personalausweis erforderlich, damit niemand ein fremdes Zertifikat herzeigt.

Der Code der Impfnachweis-App sowie der Prüf-App soll als OpenSource zur Verfügung gestellt werden. Das ist gut, denn wie sich bei der Corona Warn App gezeigt hat, schafft das Vertrauen. Weiterer Vorteil: Sowohl der Nachweis als auch der Prüfprozess lässt sich in andere und bestehende Anwendungen integrieren.

Impfnachweis wird in die Corona Warn App integriert

Insbesondere ist geplant, den Impfnachweis auch in die Corona Warn App zu integrieren. Die Warn-App bekommt also noch eine weitere, nützliche Funktion hinzu.

Auch soll der Impfnachweis europaweit kompatibel sein. Klingt so weit alles vernünftig. Bis zum Sommer soll das System stehen, also rechtzeitig vor der Ferienzeit, die – hoffentlich – eine Reisetätigkeit zulässt.

So gut es ist, dass IBM, Ubirch und Bechtle da eine Lösung aufgesetzt haben: Dass die Bundesregierung nicht sehr viel früher eine Lösung angestoßen hat, ist nicht weniger als ein Versagen. Während in anderen Ländern – etwa in Asien oder Israel – bereits längst entsprechende Lösungen im Einsatz waren, hatte die deutsche Regierung nicht mal eine Lösung auf den Weg gebracht.

Angeklickt: So funktioniert der Digitale Impfnachweis

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Zitat: “und umweltschonenender ist, da die Blockchain-Technologie bislang sehr energieaufwändig ist”

    Hinweis: Nicht die Blockchain-Technologie ist energieaufwändig sondern die Bitcoin-Technologie, welche bei der zugrunde liegenden Blockchain auf Proof-of-Work setzt.

    Es gibt auch andere Proof-of Methoden jede mit Nach- und Vorteilen, z.B. dass diese nicht energieaufwändig sind.

  2. Da sich die Viren dauernd aendern wird man gegen die genauso wenig Immun wie gegen Grippeviren und genauso wie jedes Jahr ein paar Tausend Leute an einer Grippe sterben werden das in Zukunft jedes Jahr ein paar Tausend Leute an Corona sein. Bloed ist halt nur das es in der Anfangszeit auch mal 100tausend sein koennen, an solche Zahlen gewoehnt man sich nicht so schnell.
    Nebenbei gesagt, dank der Coronamassnahmen werden derzeit auch erheblich weniger Menschen an der echten Grippe sterben als in normalen Jahren. Lassen wir die in Zukunft wieder sterben oder laufen wir bis zum juengsten Tag mit Maske rum?

  3. Willi Analogistan am

    Es gibt viel zu viel Unsinn „in Verbindung mit Corona“. Da warte ich doch lieber ab bis sich das Ganze von selbst erledigt hat. Egal ob Impfung und oder Durchseuchung, wenn man das nicht künstlich in die Länge zieht sind wir irgendwann immun gegen diese Viren; allerdings kommen irgendwann auch andere Viren und hoffentlich bleibt genug Kritikbereitschaft um für das nächste mal zu lernen.
    Bei Maskenpflicht am Strand habe ich ohnehin wenig Lust auf Reisen, statt Restaurantbesuch habe ich mich an Fertiggerichte gewöhnt und in der Zwischenzeit hat man sich auch an kaputte Klamotten oder Wohungseinrichtung gewöhnt.
    Ob Papier oder digital, so oder so habe ich wenig Lust Kontaktdaten zu hinterlassen weil es auch wenig bis gar nichts bringt. Ob Impfen oder Schnelltest, wichtiger wäre der Abstand und gute Hygienekonzepte haben sich viele überlegt. Es ist völlig egal ob jemand in der Schlange an der Kasse infektiös ist oder nicht, wenn durch Abstand die Viren mich nicht erreichen und durch Luftaustausch die Aerosole nicht in ausreichender Menge ankommen können.
    Der digitale Impfausweis geht also schon im Kern völlig an mir vorbei, völlig egal wie gestaltet und wenn ich den Personalausweis aus der Tasche holen muss kann ich auch gleich den guten alten Impfpass aus Papier dazu legen. Allerdings will ich auch niemanden irgendwas ausreden nur spiele ich eben nicht mit.

    • Der “Unsinn” zeigt sich z.B. doch vielmehr darin, dass das EU-Mitgliedsland Dänemark den Astra-Impfstoff dauerhaft stoppt, während dieser in anderen EU-Mitgliedsländern munter weiterempfohlen und -verimpft wird. Schafft man so Vertrauen in die EU-Impfkampagne (“an einem Strang ziehen”) und deren Koordination? In allem, was aktuell -ob analog oder digital- getan wird, setzt man nahezu ausschließlich auf das Prinzip “Hoffnung”: hoffentlich wirken die Impfstoffe gegen die Vielzahl bekannt werdender Mutationen und deren Weiteransteckung, hoffentlich erreichen wir die Herdenimmunität, hoffentlich wirkt die “Notbremse”, hoffentlich fällt die Zahl der Intensivpatienten, hoffentlich hilft der digitale Impfpass, hoffentlich kommt keine vierte Welle, etc.. Man trampelt seit über einem Jahr auf der Stelle, klammert sich an jeden Strohhalm und hofft. Innerhalb dieser Gesamtsituation, auch noch auf auf eine unbeschwerte Sommerurlaubsreise 2021 zu hoffen, halte ich aktuell für utopisch.

  4. Es gibt eigentlich schon immer funktionierende Loesungen zum Nachweiss einer Impfung, naemlich den gelben internationalen Impfausweiss. Sie koennen ja mal probieren nach Bolivien ohne eine gueltige Gelbfieberimpfung einzureisen und lernen dann die rostige Nadel am Zoll kennen. :-)
    Nichts gegen Digital, aber das Problem ist weder neu noch gibt es dafuer bisher keine Loesung!

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