Dopamin, das aus dem Smartphone kommt

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Dopamin, das aus dem Smartphone kommt

Kommentare zum Artikel: 13

Der erste Griff nach dem Aufwachen? Bei den meisten neben das Bett. Zum Smartphone. Was hat sich getan in der Nacht? Irgendwelche wichtigen Nachrichten? E-Mails? Neue Fotos? Breaking News? Noch bevor wir unser Spiegelbild begrüßen, haben die meisten von uns einen Blick in die Online-Welt geworfen. Die einen mehr, die anderen weniger intensiv. Und so geht es den ganzen Tag weiter: Smartphone hier, Smartphone da.

Dopamin sorgt dafür, dass wir uns wohl fühlen; Rechte: WDR/Schieb

Dopamin sorgt dafür, dass wir uns wohl fühlen

3¼ Stunden am Tag am Smartphone – Tendenz: Steigend

80 Mal am Tag zum Smartphone zu greifen – das ist gar keine Seltenheit. Im Schnitt bekommt das Smartphone in Deutschland bereits 3¼ Stunden Aufmerksamkeit von seinem Besitzer. Im Schnitt! Das bedeutet: Es gibt viele Menschen, die auch vier, fünf, sechs Stunden mit dem Smartphone verbringen. Natürlich nicht nur daddelnd und chattend – aber auf das Display schauend. Nur: Wo beginnt es problematisch zu werden – eine Abhängigkeit?

Darüber haben Dennis Horn und ich uns in unserer neuesten Ausgabe des CosmoTech-Podcast mit der Neurowissenschaftlerin Maren Urner unterhalten, die unter anderem die Onlineplattform Perspective Daily gegründet hat.

Sie hat uns bestätigt: Wenn Gewohnheiten unseren Alltag bestimmen und sogar unser Leben beherrschen, kann von einer Sucht gesprochen werden. Und: App-Entwickler setzen gezielt und bewusst süchtig-machende Effekte und Tricks ein, um uns immer häufiger zum Smartphone greifen zu lassen. Ist etwas erst mal eine Gewohnheit, legen wir es nicht mehr so leicht ab.

Maren Urner warnt vor süchtig-machenden Effekten im Smartphone; Rechte: WDR/Schieb

Maren Urner warnt vor süchtig-machenden Effekten im Smartphone

App-Entwickler setzen gezielt süchtig-machende Tricks ein

Tricks wie das endlose Scrollen: Die Facebook oder Twitter Timeline geht nicht zu Ende. Selbst das dickste Buch ist irgendwann ausgelesen. Eine Timeline nicht. Damit kommt das Gehirn nicht klar: Es will immer mehr. Push-Nachrichten und Vibrieren fordert unsere Aufmerksamkeit. Knallbunte Farben sprechen unser Hirn an. Und dann wäre da noch das Glückshormon Dopamin: Das wird immer dann ausgeschüttet, wenn wir belohnt werden – mit Likes, Retweets, Antworten, Kommentaren, Freundschaftsanfragen, Auszeichnungen.

Es ist regelrecht pervers, wie ungeniert App-Entwickler – nicht nur bei Facebook, Snapchat und Instagram, sondern fast überall – diese Tricks anwenden. Mittlerweile haben sich einige Ex-Gründer und Ex-Entwickler angewidert von ihren (ehemaligen) Arbeitgebern abgewandt und das Center for Humane Technology gegründet. Hier informieren sie über die Tricks – und warnen davor.

In unserem CosmoTech-Podcast haben wir intensiv darüber gesprochen. Unser Vorschlag: Nicht unbedingt gesetzliche Vorschriften für jedes Detail. Aber die Vorschrift für das Einrichten von Ethik-Kommissionen, die klären, was ethisch vertretbar ist in einer Plattform, in einer Benutzeroberfläche. Damit Gewohnheiten nicht zur Sucht werden.

Denn das ist ein sehr schmaler Grat!

Cosmotech Podcast: Vorsicht, Suchtgefahr - macht uns das Smartphone abhängig?; Rechte: WDR

CosmoTech Podcast: Vorsicht, Suchtgefahr – macht uns das Smartphone abhängig?

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

13 Kommentare

  1. Die Strukturformel vom Dopamin ist nicht ganz korrent. Die Hydroxy-Gruppe ist auf der anderen meta Seite.

  2. Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepaßt an eine zutiefst kranke Gesellschaft zu sein.

    Über dieses Zitat sollte man einmal nachdenken und für sich entscheiden, ob man sich wirklich zum Sklaven der Datenkraken, Hersteller und Netzbetreiber machen muss, oder ob man sein eigener Herr bleibt und sich keinem Gruppenzwang unterwirft.

  3. OFF_LEINER am

    Ich bin erleichtert, daß sich wenigstens bei einem Digitalistan-Autor – Jörg Schieb – die Erkenntnis Bahn gebrochen zu haben scheint, daß wir es bei vielen Ausprägungen der Digitalisierung mit ganz massiven SUCHTproblemen zu tun bekommen haben und nicht mit einem Digitalisierungshype, sondern mit einem regelrechten DigitalisierungsWAHN, der immer mehr Menschen in die SUCHT treibt und noch mehr Schäden anrichtet, als da sind ÜBERWACHUNG, MANIPULATION, DEMOKRATIE- und RECHTSSTAATSGEFÄHRDUNG und ZERSTÖRUNG NATÜRLICHER MENSCHLICHER KOMMUNIKATION.
    Dabei ist es m.E. unwichtig, ob etwa die weiter um sich greifende SmartphoneSUCHT nach – noch – gültigen medizinischer oder ICD-Definition als “Sucht” angesehen wird oder – noch! – nicht:
    Wie jeder und jede, die noch bei Sinnen sind, mit eben diesen Sinnen wahrnehmen kann, weil er und sie eben noch woanders hinschauen und – hören und -fühlen als in Richtung Suchtphone, sind immer mehr Menschen ABHÄNGIG und, schlimmer, machen bereits ihre Kinder genau so abhängig – da is es doch egal, ob man es SUCHT oder – “nur” – ABHÄNGIGKEIT nennt – oder…?
    Mir jedenfalls wird ein solches SUCHTPHONE, mit dem ich mir obendrein die eigene Stasi-Zentrale in die Tasche stecken würde, nach wie vor nicht und niemals ins Haus kommen.
    Und zu den vermeintlichen Vorteilen sage ich nach wie vor:
    Die sind das, was der Zucker bei den Alkopops ist:
    Dieser Zucker soll nämlich den Alkohohl übertünchen und so Menschen in die Alkohohlabhängigkeit locken – weswegen der Gesetzgeber seinerzeit eingeschritten ist.
    Warum er das nicht auch bei Suchtphones tut?
    Meine Vermutung: Weil die sog. “Verantwortlichen” längst selbst tief im Smarphonesuchtsumpf stecken….
    Jörg Schieb aber kann man nur ermuntern, weiter gegen den Strom der Digitalisierungs- und Smartphonesucht zu schwimmen – wer weiß? – vielleicht vermag er sogar Dennis Horn die Augen zu öffnen:
    Das ist der, von dem P. Gedoehns unten schreibt, daß der stets meine – für Süchtige! – unbequemen Kommentare zu löschen pflegt…

  4. Die einzige Technologie die sich praktisch von Anfang an über Jahrzehnte schädlich ausgewirkt hat, ist der Fernseher. Schwachsinn, Gewalt, Propaganda, Hass, vorgelebtes schlechtes Benehmen in endlos Schleife. Die neuen Technologien bei denen der User von sich aus den Content den er betrachten will auswählen kann, werden eine lange Zeit benötigen, bis Sie den Schaden repariert haben der durch das Fernsehen verursacht wurde.

    Das Smartphone ist nur einer von vielen Wegen auf das Internet zuzugreifen und sich auszutauschen und zu informieren. Und davor haben die ÖR und die Massenmedien eine panische Angst. Deshalb sind auch fast überall die Kommentarspalten geschlossen. Ansonsten könnt Ihr nicht mehr einfach so unkommentiert lügen oder Halbwissen verbreiten. Nein die Kommentarspalten sind nicht geschlossen wegen “Rechten und Hasskommentaren” Die sind geschlossen weil Euch sonst bei den meisten Artikeln nach fünf MInuten der Blödsinn den Ihr der Bevölkerung verkaufen wollt wiederlegt wird.

    • Klaus Lohmann am

      Sorry, aber die meistens Likes und höchsten Clickraten erzielen *auch im Netz* weiterhin “Schwachsinn, Gewalt, Propaganda, Hass, vorgelebtes schlechtes Benehmen” und natürlich Porn. Da wird auch nichts durch “User-Content” korrigiert, im Gegenteil. Ihre alberne Verschwörungstheorie gehört übrigens zum “Schund” dazu.

      • Herr Lohmann, vielleicht lesen Sie einfach mal das “FRAMING-MANUAL –
        Unser gemeinsamer, freier Rundfunk A R D”. Via Suchmaschine leicht zu finden. Vorsicht, manchmal tut’s richtig weh vor lauter Selbstherrlichkeit und wurde daher nicht ohne Grund von echten, unabhängigen Qualitätsjournalisten zerrissen.
        Die Pauschalkeulen “Schund” und “Verschwörungstheorie” scheinen mir etwas flach, um Andersdenkende wegzubügeln; zeugt eher von eigener argumentativer Schwäche, aber entspricht durchaus dem gegenargumentativen Vokabular des aktuellen, sog. “Mainstreams” (siehe auch “derailing”, “ad hominem”, “whataboutism” etc.). ;-)

  5. Was mich bei diesem Thema mal besonders “erschüttert” hatte, war ein Artikel aus Südkorea: Erhöhte Unfallquote, weil die Leute durch ihr Smartphone im Verkehr abgelenkt waren. Lösung: Nicht etwa ein Verbot oder so, nein -> Schilder aufstellen, die vor diesen Smombies warnen! Alle anderen müssen also Rücksicht nehmen… in Reutlingen steht übrigens auch schon so ein Schild.

  6. Eigenständigkeit könnte man auch anders zeigen als in einer Smartphoneablehnung, bestenfalls sogar in einer generellen Haltung, und nicht nur im Detail. Auch ein möglicher Gedanke…

  7. Danke für den guten Artikel. Lebe selbst ohne Smartphone (kann deshalb das “wir” im Text nicht immer nachvollziehen). Bin mir wohl bewusst, dass ich zu einer Minderheit gehöre. Kenne mindestens noch drei Bekannte, die auch keins haben.

    Problem: Mein Sohn fragte gestern, wann er “ein Handy” bekäme. Er ist gerade acht Jahre alt. Wie soll ich ihm bloß die Gefahren erklären, wenn die meisten Erwachsenen diese noch nicht mal verstehen.

    • Klaus Lohmann am

      Dann schenken Sie ihm doch ein “Handy” (alte Nokia-Knochen gibt’s auch als “mint-gebraucht”) und erklären ihm möglichst konkret, warum Sie ihm (noch) kein Smartphone schenken. Um die selbstständige Aneignung von Wissen über Gefahren mobiler digitaler Kommunikation kommt heute aber Niemand mehr herum – das war allerdings “damals” z.B. bei Motorrädern oder Autos genau so der Fall.

  8. P. Gedoehns am

    Ein guter Artikel der u.a. das beschreibt, was ein anderer Mitschreiber immer wieder auf den Punkt gebracht hat und dessen Kommentare wiederholt gelöscht wurden.
    Bis heute denke ich nicht ansatzweise daran, ein Smartphone oder Suchtphone, wie es der o.g. Schreiber nannte, zu kaufen und diesen Datensammler und wahrscheinlich gesundheitsschädlichen Dauerstrahler neben das Bett zu legen, um morgens zu schauen, wer welche Sinnlosigkeiten gepostet hat.
    Hier noch ein Zitat von Jiddu Krishnamurti:
    Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepaßt an eine zutiefst kranke Gesellschaft zu sein.

    Über dieses Zitat sollte man einmal nachdenken und für sich entscheiden, ob man sich wirklich zum Sklaven der Datenkraken, Hersteller und Netzbetreiber machen muss, oder ob man sein eigener Herr bleibt und sich keinem Gruppenzwang unterwirft.

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