Eine private Cloud einrichten – das geht

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Eine private Cloud einrichten – das geht

Kommentare zum Artikel: 13

Die meisten von uns sind beim Thema Cloud-Speicher hin- und hergerissen: Auf der einen Seite ist es unbestreitbar ungemein praktisch, Dokumente oder Fotos in der Cloud abzulegen – und jederzeit und von überall darauf zugreifen zu können.

Auf der anderen Seite beschleicht viele von uns aber auch ein mulmiges Gefühl: Sind die Daten bei Google, Microsoft, Amazon, Apple, Dropbox und Co. wirklich so gut aufgehoben? Will man seine Daten unbedingt den großen Konzernen anvertrauen?

Mit allen Geräten auf die Private Cloud zugreifen; Rechte: WDR/Schieb

Mit allen Geräten auf die Private Cloud zugreifen

Private Cloud: Alles unter Kontrolle

Doch es gibt Alternativen. Eine ist, die persönlichen Dokumente zu Hause oder im Büro auf einer eigenen Festplatte zu speichern. Wer geschickt ist, kann die externe Festplatte an den eigenen Router anschließen – und so dann auch aus dem Internet darauf zuzugreifen. Nur ist das nicht sonderlich komfortabel und darüber hinaus auch nicht besonders sicher, denn schnell haben Laien die falschen Einstellungen gewählt – und dann könnten die sensiblen Dokumente in fremde Hände geraten.

Doch es gibt noch einen anderen Weg. Eine geschickte Kombination aus Festplatte zu Hause und Cloud. Cubbit bietet die Vorteile einer Cloud – und ist trotzdem privat. Die Lösung kommt aus Italien und setzt auf Peer-to-Peer-Networking. Ein dynamischer Verbund von Rechnern im Netzwerk, die permanent untereinander Daten austauschen. Aus diesem bewährten Konzept haben die Italiener eine Cloud-Lösung gemacht.

Es funktioniert so: Man kauft einmal Hardware, einen kleinen schwarzen Kasten. 512 GB Speicherplatz für 289 EUR, 1 TB für 349 EUR. Das Gerät wird direkt mit dem Router(!) verbunden, per Kabel – schon ist man Mitglied in der Cubbit-Cloud. Eine dezentrale Cloud ohne monatliche Gebühren.

Kopien der eigenen Dateien werden in der Cloud gespeichert; Rechte. WDR/Schieb

Kopien der eigenen Dateien werden in der Cloud gespeichert

Automatische Backups

Nach der Installation ist erst mal alles, wie man es von anderen Cloud-Diensten auch kennt: Wer mag, legt seine Dateien, Dokumente und Fotos in der Cloud ab. Hier aber in der privaten Cloud. Zu Hause erfolgt der Zugriff blitzschnell, da die Daten ja in dem kleinen Gerät gespeichert sind, das am Router hängt.

Doch auch unterwegs stehen alle Daten zur Verfügung. Wer mag, kann einzelne Dokumente auch weitergeben, mit Hilfe eines Links. Etwa, damit Kollegen auf Dokumente zugreifen können, die in der privaten Cloud gespeichert sind. Es stehen alle Funktionen zur Verfügung, die man von traditionellen Cloud-Diensten kennt.

Der Trick ist: Dem Nutzer steht nur die Hälfte der gekauften Speicherkapazität zur Verfügung. Die andere Hälfte ist für andere Nutzer der Cloud reserviert. Diese Daten sieht man aber nicht, denn sie sind sicher verschlüsselt. Die eigenen Daten werden auf dieselbe Art und Weise auf den Boxen anderer User im Netzwerk gespeichert. Ebenfalls verschlüsselt – verteilt auf viele Boxen.

Mit der Private Cloud Strom sparen

Kluges Konzept. Auf diese Weise hat man zum Beispiel immer ein vollständiges Backup aller Daten – und kann gleichzeitig von überall auf seine Daten zugreifen.

Darüber hinaus lässt sich eine Menge Energie sparen: Das dezentrale Cloud-System von Cubbit verbraucht laut Hersteller 90% weniger Energie als ein klassisches Rechenzentrum. Weil ungenutzte Ressourcen wie Bandbreiten von DSL-Anschlüssen genutzt werden.

https://vimeo.com/572577261

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

13 Kommentare

  1. Eine dezentrale Cloud ohne monatliche Gebühren … nun ja!
    Ich hätte eher gesagt eine dezentrale Cloud mit *versteckten* monatlichen Kosten!

    Richtig ist natürlich, dass man hier – offensichtlich – nur 1x zahlt … für 1TB eben diese 350€. Für den Betrieb braucht eine Cell aber Strom – der Hersteller spricht von ca. 7 Watt, bei einem Strompreis von 0,30€/kWh sind das ca. 20€ im Jahr. Dazu kommen noch die Kosten für den Internetanschluss.
    Was man auch nicht übersehen sollte ist, dass man hier das Risiko für den Hardwareausfall auch selber trägt: Eine Cell hat zwar 4 Jahre Garantie, danach muss bei einem Ausfall der Cell aber eine neue Cell angeschafft werden, also wieder 350€. Die Cells sind zudem auch nicht sonderlich robust – die Foren sind voll davon, dass die Cell schon „dead on arrival“ war …
    Zu den Kosten gehört außerdem ein echtes „Backup“ dazu. In der Grundausstattung werden die Daten von einem Sync-Ordner auf der lokalen Platte 1:1 in die Cubbit-Cloud synchronisiert. Wenn ein Crytp-Trojaner deine Platte verschlüsselt, sind deine Daten in der Cubbit-Cloud also auch sehr schnell verschlüsselt … Also braucht es eigentlich, ein sicheres Backup, was andere Anbieter z.B. automatisch dabei haben. Also kommen zu den Kosten nochmals ca. 50€ dazu.

    Geht man von einer Lebenserwartung von 5 Jahren aus, dann ergeben sich folgende jährliche Kosten: Ca. 100€/Jahr für 1TB … das sind dann an sich die Gebühren für diese Cloudlösung!

    Vergleicht man das mit z.B. pCloud – dort gibt es 2TB für einmalig 350€ … Backup ist hier z.B. dabei! Einziger „Wermutstropfen“ – die Daten liegen in einem Rechenzentrum und sind nicht auf zich Fragmente in der Welt verstreut … dafür kann man halt auch mit voller Bandbreite drauf zugreifen.

  2. Jan Brunshaupt am

    Es bleibt die Frage, ob dieses Schwarmsystem nachhaltig ist. Sicherlich kann man davon ausgehen, dass ein Speicher im Bereich der DSGVO wie Strato, web,de oder Magenta Cloud mehr Backups fährt und krisensicherer ist. Und hier kann man ggf. Verschlüsselungssoftware verwenden.
    Letztendlich arbeitet aber z.B. Apple daran, die Fotos unverschlüsselt auf dem Gerät zu scannen. Echte Sicherheit gibt es somit nur, wenn man sich von den üblichen Betriebssystemen verabschiedet und irgendein abgesichertes Linux verwendet. Sonst ist der sichere Schwarmspeicher nutzlos.

  3. Holger Baxmann am

    Es erinnert schon ein wenig an Pyramidenspiele – wenn ich 4TB ‚zur Verfügung‘ habe, aber nur z.B. 1TB in meiner Kiste, und die anderen auch. Wo kommen dann die fehlenden 3TB her ..?!
    Verschlüsselung. Was ist mit der Schlüsselrückgewinnung, wenn einer der Schlüssel kompromitiert wird? Wie werden die (evtl.neuen) Schlüssel verteilt?
    Haftung. Bei welchem Gerichtsstand kann ich meine Garantie für vier Jahre einfordern und was würde mich dies kosten?

    Halbgegorene Marketecture …

    „Storage that grows with you
    Never worry about running out of storage space again – plug in external hard drives to expand up to 4TB and give access to up to 4 accounts. This is a personal cloud storage device that grows with you and your family.
    Visit our roadmap for more information.“

    • Christian am

      Wenn sie sich eine Cell mit z.B. 1 TB kaufen, dann ist da tatsächlich (mind.) eine 2 TB Platte drin! Wenn sie ihre 1 TB Cell auf 4 TB aufrüsten wollen, dann müssen sie tatsächlich eine 6 (!) TB Platte anhängen, da sie ja nur die Hälfte selber nutzen können …

      Die Firma sitzt in Bologna Italien :)

  4. Christian am

    Der Artikel ist inhaltlich nicht ganz korrekt: „Zu Hause erfolgt der Zugriff blitzschnell, da die Daten ja in dem kleinen Gerät gespeichert sind, das am Router hängt.“
    Das stimmt so nicht!

    Tatsächlich hat man über „sein“ Gerät überhaupt keine Kontrolle – letztlich hängt das nur am Strom und Netz und tut, was auch immer es tut! Die eigenen Daten werden auch nicht (nur) auf dem eigenen Gerät gespeichert, sondern in der Cloud, also in anderen Cells, die weltweit verteilt sein können!

    Zuhause wird es nur aus dem Grund schnell, weil man auf seinem PC einen Sync-Ordner definieren muss, von dem aus die Daten dann durch eine Desktopanwendung des Herstellers in die Cloud synchronisiert werden. Dieser Sync-Order ist auf der lokalen Festplatte des eigenen Rechners … und steht logischerweise lokal zur Verfügung (aber halt auch nur am eigenen Rechner!)

    Daten die nicht in diesem Sync-Ordner sind (weil sie z.B. über eine Web App hochgeladen aber noch nicht runtergeladen wurden) können entsprechend nicht bzw. nur extrem langsam zugegriffen werden.

  5. Interessante Idee, aber wenn der Nutzer mit meinem Back-Up auf der Platte „offline“ geht, habe ich wohl Pech gehabt.
    Die Daten nur Zuhause zu horten, ist aber auch keine Lösung. Falls es brennt oder mein Haus plötzlich unter Wasser steht, hat sich das mit der Cloud Zuhause auch gegessen.

    • Christian am

      Nein. Deine Daten werden nach dem Salomon Reed Verfahren auf N+K Fragmente aufgeteilt und auf den Cells anderer Nutzer gespeichert … im Prinzip können „K“ Cells offline gehen und du kommst immer noch an deine Daten. Wie groß N und K sind erfährt man leider nicht – bei der Konkurrenz ist N+K aber im Bereich von 30.

  6. Ich kenne noch ein anderes Konzept für eine WIRKLICH PRIVATE Cloud, und das geht so:
    Man kauft einmal Hardware, einen kleinen schwarzen Kasten, in dem sich z.B. ein Raspberry Pi befindet. Den schließt man an seinem Router an. Am Raspberry Pi schließt man beliebige Massenspeicher an und installiert auf der SD-Karte des Pi eine Linux-Distribution mit Webserver und z.B. die Nextcloud … bei Bedarf noch eine Lösung für dynamisches DNS (damit man seine Cloud nicht nur per IP im Netz wiederfindet), sofern das nicht der Router schon macht …

    Mal ganz ehrlich … ob ich meine Daten (angeblich SICHER verschlüsselt) bei einem großen Anbieter ablege oder bei vielen kleinen (unbekannten) Usern, kommt meiner Meinung nach auf dasselbe heraus: meine Daten sind nicht mehr ausschließlich unter meiner Kontrolle !

    Nicht, dass ich darauf warte … aber es kommt der Tag, an dem Sicherheitslücken in den aktuellen Verschlüsselungsverfahren bekannt werden oder die Rechenkapazität von Prozessoren ausreicht, um Kodierungen zu Entschlüsseln … spätestens dann liegen meine privaten Daten samt den verteilten Backups offen.

    Bei allem Respekt … ist Ihr Artikel als Werbung zu verstehen oder soll er wirklich „Digital Naives“ (kein Schreibfehler) zum selbständigen Denken und Handeln anregen ?

    Natürlich kann man einen Pi mit Apache/Nginx und Nextcloud auch falsch konfigurieren und seine Daten somit gefährden … aber das hat ja jeder User wenigstens selbst in der Hand.

    • Diese skizzierte Lösung ist zweifellos sehr gut. Hat aber zwei Haken: a) Längst nicht jeder beherrscht die Technik so, dass er sich eine solche Lösung selbst basteln bzw. zusammenstellen kann. b) Die von mir vorgestellte Lösung hat deshalb besonderen Charme, weil automatisch auch ein Backup erstellt wird, das ohne aufwändige Konfiguration 24/7 als Crowd-Cloud zur Verfügung steht. Die 256-Bit-AES-Verschlüsselung gilt nach heutigen Maßstäben als sicher. Klar: Das gilt zweifellos nicht für die Ewigkeit. Aber auch Hardware zu Hause ist nicht zu 100% vor Angriffen und damit Zugriffen sicher.

      • Ich nutze die HiDrive Cloud von Strato in Berlin. Entspricht der DSGvO nach europäischem Recht und wird in Deutschland gehostet. Da sehe ich kein Problem bezüglich dem Datenschutz. Sicherung übrigens 24/7 im deutschen Rechenzentrum.

        • Cloud-Speicher in europäischen Rechenzentren ist sicher immer eine gute Alternative. Keine Frage. Ich wollte nur eine Lösung vorstellen für Menschen, die sich noch besser fühlen, wenn es eine Private Cloud ist. Jede Lösung hat ihre Stärken und Schwächen.

      • Marc Schenk am

        Wäre es da nicht einfacher, für dasselbe Geld einen weißen Kasten, aka Synology oder ähnliche Anbieter, zu kaufen und dort dasselbe zu machen? Selber Preis, private Cloud und alle Daten und Kontrolle und ebenso Zugriff von überall?

        Ich meine, das Konzept klingt nicht unspannend, aber was passiert, wenn der Anbieter Cubbit Pleite geht? Kein Zugriff mehr von außen, Daten weg? Dann doch lieber wirklich privat.

        • Jörg schieb am

          Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Aber dann hat man seine Daten ja immer noch auf seiner HD.

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