Einfach mal Retro-Surfen – so wie in den 90ern

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Einfach mal Retro-Surfen – so wie in den 90ern

Kommentare zum Artikel: 5

Moderne Webseiten sehen irgendwie alle gleich aus: Auf Glanz poliert, immer mit denselben Styles – fast schon uniform. Das zumindest meint Richard Bettridge, der auch beklagt, dass es kaum noch Amateur-Seiten gibt.

Das stimmt: Früher hat sich jeder seine eigene Webseite zusammengebastelt. Heute erledigen das Baukastensysteme oder fertige Templates für WordPress und andere Systeme, die Webseiten ins Netz bringen – und alles soll immer möglichst professionell aussehen.

In den 80er Jahren war alles anders; Rechte: WDR/Schieb

In den 90er Jahren war alles anders – nicht nur die Geräte, auch das Web

TheOldNet: Webseiten wie damals – und von damals

Viele – vor allem jüngere Menschen – können sich gar nicht (mehr) vorstellen, wie die ersten Webseiten ausgesehen haben. Sie hatten wirklich nichts gemein mit den Webangeboten von heute: Pixelige Grafiken, alberne Texte – und unbeholfene Gestaltung. Das Motto damals: Hauptsache, wir sind im Netz.

Aber wie sahen Webseiten früher aus? Bettridge hat deshalb ein Projekt gestartet, das sich TheOldNet nennt. Die Seite ist gestaltet wie in den 80er Jahren. Doch es wird noch besser: Wer mag, kann sich prominente Webseiten oder auch Blogs anschauen, wie sie früher ausgesehen haben. Dazu einfach die Webadresse eingeben – und das Jahr auswählen (1994 bis 2010).

TheOldNet kramt dann im offiziellen „Internet Archive„: Ein kleiner Juwel im Netz. Denn das Portal scannt seit 1996 Webseiten – und merkt sie sich im sorgsam kuratierten Online-Archiv. Laut eigenen Angaben sind auf diese Weise rund 590 Milliarden Webseiten archiviert worden. Es ist zum Beispiel kein Problem, sich meine Webseite schieb.de anzuschauen, wie sie 2001 ausgehen hat – hier entlang.

Die „Wayback Machine“ vom Internet Archiv macht’s möglich.

Die WDR-Homepage von 1997 ansteuern? Kein Problem... ; Rechte: WDR/Schieb

Die WDR-Homepage von 1997 ansteuern? Kein Problem…

Abtauchen per App ebenfalls möglich

Wer daran Gefallen findet, kann auch ganz ins Gestern abtauchen: Durch das Installieren einer entsprechenden Browser-Erweiterung lässt sich jede Webseite über das Archiv laden – ohne TheOldNet ansteuern zu müssen. Einfach im Browser Adresse eingeben – und Zieljahr auswählen. Fertig. Der Betreiber der Seite erklärt hier, welche Einstellungen dafür nötig sind.

Wer sich derart für Webseiten in der Optik von damals begeistern kann, dem steht auch eine TheOldNet-App zur Verfügung – für iOS und Android. Ideal, um damit Wartezeiten zu überbrücken – oder einfach ein bisschen nostalgisch im Netz zu surfen.

So sieht das aus, wenn man mit „The Old Net“ im Web surft…

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. In der guten alten Zeit tickte noch der Gebührenzähler für die Telefonverbindung.
    Ich kann mich gut erinnern wie ich anfangs das Java-Modul in Netscape einfach nicht zum Laufen brachte, heute werden Java-Scripte in den meisten Fällen von mir geblockt. Tracker kannte ich zumindest nicht, Kekse erschienen unschuldig und waren es wohl auch zu der Zeit.
    Über „Pixelige Grafiken, alberne Texte – und unbeholfene Gestaltung“ werde ich mich bestimmt nicht beschweren. Zum Vergleich kann man heute mal die Seite vom Sender Phoenix über „anonym öffnen“ der Suchmaschine MetaGer aufrufen; da ist einfach nur Müll, völlig unbrauchbar. Der WDR sieht damit auch nicht viel besser aus. Bei der Tagesschau fehlen ein paar Bilder aber die Nachrichten kommen an. Nur Digistalistan sieht sauber aus.
    Aber das Netz erfüllte seinen Zweck.
    Informationen wurden transportiert und viel mehr erwarte ich heute auch nicht. Auch die Werbung funktionierte, es dauerte nur eine Weile bis die Bildchen über das Kupferkabel kamen.

  2. Was für ein geiler Artikel !!!!
    Ich bin im Jahr 1994 auf ein völlig neues Sprachkonstrukt namens „HTML“ gestoßen (vorher gab’s halt nur die berühmte ANSI-BBS – per Peer-to-Peer – Ferngespräch, 6 DM [D-Mark] pro Stunde). Habe mir direkt am nächsten Tag ein HTML-Buch gekauft.
    Habe in den folgenden Jahren für meine Sportvereine, später Kindergarten meiner Kinder, die ersten Seiten geschrieben (natürlich pro-bono)
    Gerne würde ich noch mal meine allererste persönliche Seite sehen – die war bei „fortunecity“ gehostet, ich weiß nicht, wer die von Euch noch kennt.
    Heute bin ich Web-Software-Entwickler und Ausbilder – und meine Jungs (und leider viel zu wenig Mädchen) – lieben alle möglichen Frameworks o.ä.
    Da werden Scripte einfach im Internet kopiert – die zu verstehen ist überbewertet.
    Archive.org kenne und liebe ich natürlich auch – wobei ich dies eher dazu nutze, um gute alte DOS-Applikationen wiederzufinden (hab dazu auch schon mal einen Kommentar in einem anderen Artikel geschrieben)

    Danke Jörg

  3. Es wird immer schwerer Leute zu finden, die sich mit HTML auskennen. Viele der jüngeren Leute konsumieren nur noch. Sie nutzen Ihr Handy, verstehen aber nicht die Technik dahinter. Wer etwas werden will, sollte sich mit dem PC und mit HTML beschäftigen. Damals wie heute.

  4. Carsten Mohr am

    Nun, ich denke mal, die Webbaukästen finden eben wegen der leichten Wartbarkeit der Inhalte soviel gefallen. Dazu bieten sie auf allen Plattformen ein ansprechendes, zeitgemäßes Bild. Stichwort „Responsives Design“.
    Trotzdem, das Archiv ist schon eine coole Sache, insbesondere eigene „Unfälle“ von Früher nochmal zu sehen.

  5. Durchwinker am

    Aufgrund des Web Archives (bzw. der Waybackmachine) kenne ich das zwar alles schon längst, aber interessant für Neueinsteiger ist es nichtsdestotrotz. Auch wenn man das damals gar nicht auf dem Schirm hatte (oder noch nicht geboren war) ist es trotzdem interessant zu sehen, wie sich das Internet so entwickelt hat.

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