Facebook freut sich über all unsere Metadaten!

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Facebook freut sich über all unsere Metadaten!

Kommentare zum Artikel: 13

WhatsApp hat gerade die Marke von zwei Milliarden Nutzern weltweit geknackt. Mark Zuckerberg wird das freuen.

Dabei besteht gar kein Grund zur Freude, denn Facebook legt gerade die Messenger WhatsApp, Instagram und Facebook Messenger in einem Netzwerk zusammen. Schon bald sollen Instagram-Nutzer auch WhatsApp-Usern eine Nachricht schreiben können. Ebenso Usern im Facebook Messenger. Dann hat Facebook die Kontrolle über noch mehr Messenger-User.

Metadaten: Sie sind unsichtbar, aber sehr mächtig

Es fallen unentwegt Metadaten an

Mark Zuckerberg stellt gerne die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in den Vordergrund, die es in WhatsApp erfreulicherweise schon gibt – und schon bald auch in Instagram (da gibt es noch keine Verschlüsselung) und im Facebook Messenger (hier gibt es in einigen Bereichen noch keine Verschlüsselung) geben soll. Klare Botschaft: Mehr Sicherheit für die User. Ist das nicht fein? Es stimmt schon, dass selbst Facebook die Inhalte der Nachrichten dann nicht kennt. Aber diese Daten sind auch nicht so spannend für Facebook.

Viel spannender sind die Metadaten. Die fallen in allen Messengern an – und sind unverschlüsselt. Über diese Metadaten redet Mark Zuckerberg gewöhnlich nicht. Er nutzt sie nur. Metadaten sind besonders interessant für Facebook. Sie fallen klammheimlich an. Die Nutzer merken es gar nicht. Aber sie sind ungeheuer aussagekräftig – und wertvoll. Anhand der Metadaten erfährt der Konzern jede Menge über einen.

Jetzt aber mal Butter bei die Fische, damit wir nicht so abstrakt bleiben: Facebook kennt mein Bewegungsprofil. Wer WhatsApp immer “an” hat, liefert unentwegt Bewegungsdaten an Facebook. Facebook weiß, wo man wohnt, wo man gelegentlich übernachtet. Ob man ins WLAN geht (zu Hause, Freunde, Hotel) oder ob man das Funknetzwerk verwendet. Ein perfektes Bewegungsprofil entsteht. Das kennen Google und Co. zwar auch. Doch dank WhatsApp und Instagram hat Facebook gleich zwei Apps, die nahezu immer aktiv sind – und nahezu immer Daten liefern.

Interview mit Katharina Nocun: Datenschutzexpertin und Buchautorin

Bewegungsprofil und Psychogramm dank Metadaten

Facebook kennt auch mein soziales Umfeld. Die Namen und Rufnummern aller Personen, mit denen ich Nachrichten austausche (bei Instagram nur die Namen). Wann ich kommuniziere. Wie oft ich kommuniziere. Wie schnell ich reagiere. Wer nachts um 3 Uhr eine Nachricht verschickt, schreibt höchstwahrscheinlich gerade mit einem engen Freund/einer engen Freundin. Wer täglich 50 Nachrichten miteinander austauscht, steht sich sehr nah. Außerdem weiß WhatsApp auch, wann, wo und wie oft wir uns sehen (siehe: Bewegungsprofil).

Datenschutzexpertin Katharina Nocun schildert mir im Interview verschiedene Alltagssituationen, die aussagekräftige Metadaten abwerfen (siehe Interview im Video).

Auf diese Weise entsteht möglicherweise ein Psychoprofil, das in seiner Detailtiefe erschreckend ist. KI kann Verhaltensmuster errechnen, ja selbst den Gemüts- oder Beziehungsstatus ermitteln. Alles, ohne die Nutzer zu fragen, ohne sie zu informieren und ohne Einblicke in die gesammelten Daten zu geben. Das ist (ein) weiterer Grund, wieso Facebook die Menschen ähnlich gut kennt, wie Partner und die Familie.

Das Problem: Über Metadaten wird nie gesprochen. Facebook schweigt das Thema tot. Aber wir sind gut beraten, das Schlimmste zu befürchten: Nämlich, dass sich Facebook hemmungslos bedient und die Daten ausschlachtet. Facebook macht immer, was technisch machbar ist. Moral spielt keine Rolle. Business first.

Ich finde: Wir haben einen Anspruch darauf zu erfahren, welche Metadaten anfallen und welche Metadaten die Konzerne speichern – und welche Schlüsse sie daraus ziehen. Ohne anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Die EU sollte in diesem Punkt die DSGVO verschärfen: Komplette Transparenz – sofort.

 

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

13 Kommentare

  1. Mein Name am

    Ist ja nett und stimmt auch alles, aber so lange die Verantwortlichen im WDR “was kümmert mich mein Geschwätz von gestern” denken und in Radio und Fernsehen immer noch munter “diskutieren sie auf Facebook mit / teilen sie uns ihre Meinung auf Facebook mit” proklamiert wird, kommt mir das hier doch wie eine sehr scheinheilige Doppelmoral rüber.
    Werdet euch doch erstmal einig, ob ihr als Öffentlich-Rechtliche nicht vielleicht doch endlich mal _eine_ Haltung annehmen wollt – am besten die hier proklamierte!

    • Jörg Schieb am

      Wäre es Ihnen also lieber, in einer großen Anstalt wie dem WDR gäbe es nur eine Meinung/Haltung – und die würde “von oben” verordnet und angewiesen? Ich denke, dann gäbe es guten Grund zur Kritik. ;-)

      Ich nehme mir hier die Freiheit – und bekomme sie auch! -, kritisch auf Auswüchse der “Sozialen Medien” zu schauen. Und ich kann sagen, dass auch im WDR darüber diskutiert wird, wieviel SOM man will.

      • Mein Name am

        Nein, darum geht es nicht, und das wissen Sie ganz genau. Es geht um Stringenz im Umgang mit den Daten der Zuhörer und Zuschauer. Spätestens seit dem Cambridge-Analytica-Skandal zeugt es schlichtweg von unseriöser Doppelmoral, daß der WDR als Anstalt des öffentlichen Recht mit seiner Medien-Verantwortung weiterhin aktiv versucht, seine Kunden zu Facebook zu locken.
        Mir ist schon klar, daß andere Lösungen (z.B. ein ARD-weites Forum unter Kontrolle der ARD) Geld kosten, aber wenn man das nicht investieren will, dann muss man halt die Konsequenzen ziehen und sich – wie z.B. Der Spiegel – aus US-amerikanischen Datenkraken konsequent fernhalten. Ansonsten ist das Beharren auf einen Status als “die vierte Macht im Staat” nicht nur unglaubwürdig, sondern eben sogar unseriös.
        Aber das die ARD, und darin speziell der WDR, (anti)soziale Medien einfach nicht kann, hat man zur Weihnachtszeit eindrucksvoll vorgeführt bekommen.

        • DollyToll am

          Sehe ich genauso!
          Daher war/werde ich auch nicht den Gefallen der ARD tun, zu Fratzebuch und Co. zu gehen!

          So stehen eigentlich die Server-Farmen von Fratzebuch?

          Ob die KÄFF? bei der Gebührenerhöhung ein ARD-Forum eingepreist hat?

      • OFF_LEINER am

        Gar nicht zur Meinungsfreiheit, dafür aber zur Kritik von “Mein Name” paßt es, daß wieder einmal ein kritischer Kommentar von mir hier schlicht und sang- und klanglos verschwunden ist – anders als der selbsternannte und selbstherrliche Oberzensor Dennis Horn fehlt es diesmal freilich an einer Begründung für diese neuerliche Zensierung eines meiner Beiträge.
        Und so kann ich nur vermuten, daß der Grund wieder einmal der ist, daß der einstmals – LANG ist’s her…! – linksliberale WDR weglöscht und zensiert, was nicht in die digitalisierungsvergottende Welt der hauptamtlichen Digitalistan-Schreiber*innen paßt, insbesondere nicht in die Welt derjenigen unter ihnen, die selbst suchtkrank sind und diese Wahrheit nicht gern hören oder lesen – und das scheinen nicht eben wenige zu sein…

        • OFF_LEINER am

          Oh, sorry: ZU hastig geschrieben… :-(
          Richtig muß es oben heißen:
          “… anders als der selbsternannte und selbstherrliche Oberzensor Dennis Horn unterläßt der selbsternannte Zensor, die selbsternannte Zensorin (oder war es gar ein “Lösch-Bot”?) diesmal freilich jede Begründung für diese neuerliche Zensierung eines meiner Beiträge.”

  2. Mal angenommen, es würde komplett transparent und Nutzer wissen, “welche Metadaten anfallen und welche Metadaten die Konzerne speichern – und welche Schlüsse sie daraus ziehen”; ja und weiter, was dann? Dann hat man, auch ohne anwaltliche Hilfe, eine erstklassige Transparenz, wie FB mit Nutzerdaten Kohle verdient. Toll!
    Speicherung, per DS-GVO, von Metadaten komplett verbieten oder eben nur mit opt-in. Dann aber, wäre sowohl der Laden als auch das Geschäftsmodell tot.
    Macht hat heutzutage, wer die meisten Daten, in tiefster Ausprägung hat und gewinnbringend, manipulativ oder investigativ für sich optimal zu nutzen weiß; gilt für Regierungen und Konzerne gleichermaßen.
    Aber eigentlich auch egal, interessiert die Hardcore-Nutzer sowieso nicht.

    • Wer sich übrigens in dem Gedanken sonnt doch Abstand zu Whats-App, Facebook, Smartphones und anderem zu halten, dem sei gesagt das auch das Metadaten sind.

      Man bekommt irgendwann nicht den benötigten Kredit, Handwerker lehnen Aufträge ab, Termine bei Anwälten sind kaum zu bekommen. Noch Zukunftsvision vielleicht, doch in ein paar Jahren kann der Grund dann doch sein das man eben nicht an dem ganzen Daten-Ecosystem teilnimmt, bzw. dem kritisch gegenübersteht.

      Obwohl ein paar Jahre ? War da nicht etwas vor einiger Zeit mit der Schufa und einem negativen Rating, wenn man seine Daten einsieht …

  3. OFF_LEINER am

    “Facebook freut sich über all unsere Metadaten!”
    “Unsere”?!
    Wieso schreiben Sie immer “unsere” und “wir” – gerade so, als gebe es überhaupt keine Menschen mehr auf der Welt, die suchtfrei und unabhängig leben, frei von all’ den asozialen Medien, gleich, ob Facebook, WhatsApp, Instagram, Facebook Messenger, Twitter oder wie die Komplicen auch alle heißen mögen?

    Jedenfalls: MEINE “Metadaten” bekommt weder dieses Facebook noch irgendein anderer dieser Datengangsterkonzerne.
    Denn ich bin nicht bei diesem Facebook und auch bei keinem seiner Spießgesellen “Nutzer”, und werde das auch zeit meines Lebens NIE werden: NIE!

    Wobei der Begriff “Nutzer” natürlich in die Irre führt:
    Denn es sind ja in Wahrheit nicht “Nutzer”, sondern BENUTZTE, also OPFER der Machenschaften der asozialen Medien – aber, suchtkrank, wie sie sind, bekommen sie das entweder gar nicht mit oder sie bekommen es mit und bleiben trotzdem dabei – eben weil Süchtige nicht aufhören KÖNNEN – okay, das bedarf der Relativierung:
    Denn es gibt zunehmend Leute, die den Ausstieg aus der Droge Suchtphone schaffen:
    Und die, die den Ausstieg schaffen, stellen den Gangsterkonzernen auch überhaupt keine Daten mehr zur Verfügung – ob Meta oder nicht.
    Und die, die aussteigen, bekommen wieder mit, was das echte, lebendige, wirkliche Leben ist: DAS findet nämlich ausschließlich außerhalb der Cyberwelt statt, und vor allem außerhalb des Suchtphones und der asozialen Medien.

    • Jörg Schieb am

      Das halte ich hier ehrlich gesagt für Erbsenzählerei. Angesichts von 2 Mrd Usern lässt sich wohl mit Fug und Recht umgangssprachlich von “unseren” Daten sprechen – und ich bitte um Verzeihung, wenn Personen, die sich da bewusst ausklinken, sprachlich mit einbezogen werden.

      • OFF_LEINER am

        Lieber Herr Schieb:
        Es leben 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde.
        Also ist die gewaltige Mehrheit NICHT bei diesem Facebook.
        Folglich betreibe ich keineswegs “Erbsenzählerei”.
        Das zum Einen.
        Zum Anderen möchte ich, und möchten sicher auch viele Millionen anderer, “cleaner” Menschen ausdrücklich NICHT in einem Atemzug genannt und in einen Topf geworfen mit 2 Milliarden smartphone- und onlinesuchtkranker Opfer der organisierten Manipulations-, Ausspionier- und Überwachungskriminalität , von der die asozialen Medien wie dieses Facebook betrieben wird, ohne daß ihr irgendwer endlich mal in den Arm fallen und Einhalt gebieten würde
        Insofern ist Ihre Entschuldigung mehr als angebracht – und auch zu respektieren, was ich auch tue, nicht zuletzt in Würdigung Ihrer Verdienste als einer der wenigen wenigstens ein bißchen kritisch auf den Digitalwahn schauenden Journalisten.

    • Tim Neubert am

      Ich wollte eine Anmerkung geben. Es gibt die Menschen mit Account bei Facebook und die Menschen ohne Account bei FB. Aber im Grunde sind wir alle dort. Ja, es ist sehr mies, dass auch die ohne Account dort sind, aber ich kann es leider auch nicht ändern.
      Bei denen ohne Account sind die sogenannten Schattenprofile gemeint. Weil, wenn sich jemand doch entschließen sollte, sind die Daten schon zum Teil vorhanden.

  4. Das klingt ja alles nicht so doll.

    Frage: wann beendet der WDR, bzw. auch alle anderen Rundfunkanstalten ihr Engagement bei WhatsApp und Facebook?

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