Facebook sieht, was Du magst

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Facebook sieht, was Du magst

Kommentare zum Artikel: 9

Big Brother? Für die Leute im Silicon Valley eine diskret erheiternde Bettlektüre. Denn die Realität hat George Orwells Phantasie längst überholt. Facebook zum Beispiel denkt sich ständig neue Sachen aus, wie wir – die “User” genannten Datenquellen – immer besser ausspioniert werden können. Keine Regung, die unentdeckt und vor allem unausgewertet bleibt. Motto: Alles lässt sich vergolden. Jüngstes Beispiel: Facebook schaut sich künftig womöglich unsere Fotos genauer an – und will erkennen, welche Marken wir nutzen.

Facebook will Marken in Fotos und Videos erkennen; Rechte: WDR/Schieb

Facebook will Marken in Fotos und Videos erkennen

Neues Patent: Facebook weiß, was Du trinkst

Facebook hat ein Patent eingereicht, das “Computer-Vision Content Detection for Sponsored Stories” überschrieben ist. Der Eingriff in unsere Privatsphäre ist erheblich: KI-Software soll sich Fotos anschauen, die wir hochladen oder teilen, und darauf nach bekannten Marken Ausschau halten. Die Cola in der Hand, der Champagner im Kühler, die Marke der Bluse, das Modell des Autos im Hintergrund … wird alles gescannt und erkannt – wenn möglich.

Facebook will wissen, ob wir eher ein Starbucks- oder Woyton-Typ sind. Ob wir Coca, Pepsi oder Fritz Cola trinken. Oder welche Klamotten wir tragen. Alles wichtige Infos: Jede auf einem Foto entdeckte Marke ist wie ein “Gefällt mir” auf die entsprechende Fan-Seite. Markenzustimmung ohne Mausklick oder Fingertippen. Einfach durch festgehaltene Momente. Facebook will den Marken offenbar mitteilen, wen sie gezielt und womöglich besonders effektiv ansprechen können. Seht her: Der Schieb hat schon mal Eure Brause getrunken – jetzt aber…

https://vimeo.com/339501531

Aufgepasst, was Ihr zeigt: Facebook erkennt künftig Marken in Fotos und Videos

Der Plan: vollautomatische Produkt-Stories

Facebook will unsere Fotos und Videos ausschlachten. Facebook, ein Unternehmen, das allen Ernstes behauptet, Privatsphäre sei wichtig. Von wegen: Mark Zuckerbergs Unternehmen belegt jeden Tag eindrucksvoll aufs Neue, wie engagiert – und leider auch effektiv! – es Privatsphäre bekämpft.

Das neue Patent ist nur ein weiterer Beleg. Facebook kann also nicht nur Gesichter in Fotos und Videos erkennen, sondern erkennt nun auch noch die Situation, in der wir uns befinden – und mit welchen Produkten und Marken wir uns umgeben.

Und – schwupps -, schon landet das Foto von der Party am Rhein als Promotion im Feed des Herstellers. Außerdem bekommt unsere Akte – und die aller Freunde – einen weiteren Reiter: “Trinkt Cola von BrauseGlück”. Wenn das nicht spooky ist. Allerhöchste Zeit, dass die DSGVO erweitert wird. Denn derartige Schnüffeleien in der Privatsphäre sollten in keinem Fall legal sein.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. Mir macht die Entwicklung große Angst.
    Ich kann das nicht besser umschreiben: Ich will keine Diktatur auf digitaler Basis, die mich nicht ständig irgendwie und überall “bewertet”.
    Das muss beendet werden.
    Soll ich mich deshalb aber in eine Höhle verkriechen?
    Oder soll eine digitale Mauer – nach chin. Vorbild – rund um Europa gebaut werden?
    Ich weiß, dass ich das eigentlich auch nicht will.
    Andererseits: Auch die Medien haben hier Verantwortung:
    Was ist, z.B., mit der Bewertung der EP-Resolution 2018/2645(RSP)?
    Z.B. wird dort das US-Überwachungssystem “UPSTREAM” dort namentlich benannt.

    Und jetzt kommen noch die Abfragen zu den sozialen Netzwerken, wenn man ein US-Visum haben möchte.

    Einige Stichworte:
    “Digitalisierung Made in EU”: Ja – sofort!
    “Open-Source”: Ja – sofort!

  2. Ich handele falsch, weil ich denke das es nicht möglich ist richtig zu handeln ?

    Seltsames Argument.

    Wenn ich konkret Kenntnis davon habe das irgendwer anderes ähnliches treibt, dann kann ich auch diese Unternehmen meiden, um so besser.

    Am Ende ist es eine persönliche Güterabwägung, ist der Dienst von X mir wirklich so wertvoll oder überwiegen Bedenken bezüglich meiner Privatsphäre?

    Beide Entscheidungen sind ok. Nur zu sagen ich musste mich für Facebook entscheiden, weil meine Daten eh anderweitig im Umlauf sind ist eine Ansicht, über welche man gelinde gesagt in stiller Stunde noch einmal nachdenken sollte.

    • hmpf, in der Eile auf falsches Antworten geklickt, eigentlich sollte das hier eine Antwort auf “nadjas” Kommentar sein und dort eingerückt erscheinen.

    • Nun, offiziell ist das noch nicht — aber da die Technologie Facebook gehört und Instagram zu Facebook gehört und auf Instagram besonders viele Fotos gezeigt werden, würde ich von JA ausgehen. :)

  3. Off_Leiner am

    Beängstigend. Gruselig.
    Aber: VERMEIDBAR!
    Wer oder was, bitte, zwingt Menschen denn, Accounts bei Facebook oder einem anderen dieser asozialen Netzwerke anzumelden oder zu behalten?
    Und der wachsenden Zahl der wirklich und unpolemisch so zu bezeichnenden pathologischen SUCHTKRANKEN sei zugerufen:
    Auch aus DIESER Sucht kann man aussteigen wie aus jeder anderen auch.
    Und: Es lohnt sich! Man gewinnt seine Freiheit wieder! NUR MUT!
    Ihr müßt es zwar SELBST tun, aber NICHT ALLEIN: Die Zahl der Hilfeangebote wächst!

  4. Das Problem ist doch folgendes: Die User die bei Facebook sind müssen die Regeln akzeptieren. Und ehrlich gesagt: alles was analysierbar ist, wird auch analysierbar werden. Irgendwo wird einen Programmierer geben der keine moralische Hemmschwelle hat und es durchziehen wird. Die Möglichkeiten gibt es heute schon.

    Im übrigen: Es gibt bereits Agenturen die das was Facebook da machen möchte, schon aktiv betrieben!

    • R. Fleischer am

      Ja. FB ist nichts anderes, als das Paybackkartensystem, halt nur sehr viel umfassender, aussagekräftiger und dazu noch als “soziales” Netzwerk getarnt. Wer seine Fotos da veröffentlicht, weiß doch, worauf er sich einlässt. Steht alles in den AGB, so auch bei Payback.

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