Facebook verzückt die Werbeindustrie – und Nutzer zahlen dreifach

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Facebook verzückt die Werbeindustrie – und Nutzer zahlen dreifach

Kommentare zum Artikel: 4

Wer verstehen möchte, wieso Facebook eigentlich so ungeheuer erfolgreich ist – zumindest wirtschaftlich -, sollte mal einen anderen Blick auf das Netzwerk werfen als üblich. Die meisten denken, sie kennen Facebook – weil sie es selbst benutzen. Weil sie die Facebook-App installiert haben und vielleicht sogar in einigen Gruppen unterwegs sind. Ja, auch das ist Facebook – aber eben nur der öffentlich sichtbare Teil. Die Fassade.

Mark Zuckerberg hat den Bogen überspannt; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg hat das effektivste Werbenetzwerk der Welt entwickelt

Facebook verstehen? Ab in den Maschinenraum!

Wer Facebook wirklich kennen lernen will, der sollte sich mal in die “unteren Etagen” begeben. Dort, wo es laut ist und turbulent zugeht – so wie im Maschinenraum eines Schiffes. Oder in der Küche eines feinen Restaurants. Dort sieht es auch anders aus als an Deck oder im feinen Speisesaal.

Ich rede von dem Ort, in dem Facebook wirklich sein Geld macht. Dort, wo Kunden Anzeigen schalten können. Wer ohne Kenntnis darüber ist, wie Werbeanzeigen in der Onlinewelt funktionieren, sieht beim virtuellen Betreten der Regiezentrale für Werbeanzeigen nur viele bunte Lichter und versteht kein Wort.

Wer hingegen etwas vom Werbegeschäft versteht, gerät regelrecht ins Entzücken. Warum? Weil es keine andere Plattform auf dem Planeten gibt, auf dem einem Werbetreibenden derart viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen, potenzielle Kunden anzusprechen.

Facebook Ads: So detailliert wie nirgendwo sonst einzustellen; Rechte: WDR/Schieb

Facebook Ads: So detailliert wie nirgendwo sonst einzustellen

Äußerst effektive Tools zum Schalten von Anzeigen

Früher konnte man im Spiegel oder in der FAZ schalten, vielleicht noch zwischen Feuilleton und Sportteil wählen. Heute sind Werbeanzeigen Präzisionsarbeit. Demografische Selektion: Zwischen 22 und 31, weiblich, angestellt und sportlich? Kein Problem. Selektion nach Interessen? Es stehen Tausende von möglichen Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung (Sport, Netflix, Käse, eBike, Reisen, Schuhe, Netzpolitik, Rasenmähen…).

Natürlich ist es auch möglich, gezielt Personen anzusprechen, die schon mal eine Anzeige gesehen haben. Die auf eine Webseite waren, aber nichts bestellt. Die sich ein Video angeschaut haben. Nur zu 10 Prozent. Oder zu 20 Prozent. Oder zwei Mal.

Selbstverständlich lassen sich all diese Auswahlkriterien noch elegant miteinander kombinieren – ob auf Facebook und/oder Instagram steht auch noch zur Auswahl.

Ich habe mir von Marketingprofis vor kurzem vorschwärmen lassen, die Hunderttausende Euro pro Woche (!) für Kampagnen ausgeben, wie gut die Werbung funktioniert. Es ist kein Gerücht: Facebook kennt seine User/innen wirklich aus dem Eff-Eff. Die zielgerichtete Werbung ist nicht nur möglich, sie funktioniert.

#StopHateForProfit Aktion: Unternehmen stoppen Werbung auf Facebook

Facebook-Nutzer zahlen gleich dreifach für den Service

Das bedeutet am Ende aber auch: Alle, die Facebook benutzen, zahlen gleich dreifach dafür. Einmal mit Zeit und Aufmerksamkeit (weil man sich mehr auf der Plattform anschaut, als man möchte), dann mit persönlichen Daten – und am Ende aber auch in Euro.

Denn in jedem Produkt, das online verkauft wird, stecken heute erhebliche Anteile an Marketingkosten. Und diese Marketingkosten muss am Ende jeder bezahlen – ob er online einkauft oder nicht. Denn die Kosten werden auf alle umgelegt.

Komisch, da beschwert sich niemand.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

4 Kommentare

  1. Wir selbst in der Agentur (Werbeagentur) sind im letzten Jahr auch erfolgreich auf den Zug “Facebook-Advertising” aufgesprungen und ich kann es auch jedem KMU empfehlen. Aktuell betreuen wir in diesem Bereich auch mehrere Kunden erfolgreich.

  2. Es geht auch vllt nicht NUR um den Preis, den On- wie Offliner für ein Produkt hinblättern sollen.
    Findet ein Produkt ab einem bestimmten Preis nicht mehr den gewünschten reißenden Absatz, wird vermutlich an den Herstellungskosten und damit meist auch an der Qualität gespart.
    Dann wird der Wasseranteil bei einer Margarine erhöht, so dass sie schon vor dem Aufstreichen vom Messer fällt, die Lebensdauer elektrischer Geräte wird immer kürzer oder der Geschmack verarbeiteter Lebensmittel wird ausschließlich über künstliche Aromen erzeugt.

  3. Carsten Mohr am

    Nun, das Geschäftsmodell ist wirklich einträglich. Und das nicht nur für Facebook, sondern auch für die erfolgreich werbenden. Win-Win-Situation.
    Warum aber Amazon immer noch meint, nachdem ich irgendetwas gekauft habe, mich dann erst recht mit Werbung für ähnliche Produkte zuzuwerfen, ist mir ein Rätzel. Wieviele Duschvorhänge braucht ein Mensch? Nun ja, die wollen wahrscheinlich nur von ihrer KI ablenken ;-)

    • Es ist sogar eine Win-Win-Win-Situation.
      Der Werbetreibende freut sich, weil seine Ausgaben zu neuen Käufern und damit Einnahmen führt.
      Der Werbeplattformer freut sich, weil er die (Benutzer-)Daten aus dem Betrieb seiner Plattform gezielt nutzen kann und damit Einnahmen durch die Werbetreibenden generiert.
      Und der Benutzer… freut sich, weil in seiner Filterblase nicht nur seine Lieblingsverschwörungstheorien auftauchen, sondern auch die Produkte, die er toll findet und dann vielleicht sogar kauft.*
       
      Also tut Facebook doch nur Gutes, indem es den Kapitalismus am Laufen hält und damit unser aller Wohlstand sichert ;)
       
      (* = Im Ernst, ich überlege manchmal, warum ich eigentlich die “personalisierten Anzeigen” immer abschalte. Es kommt ja trotzdem Werbung. Aber dann welche für BHs, Damenmode mit Übergröße, Fernreisen nach weiß der Kuckuck, Browserspiele, Streaming, Sportgeräte und -ausrüstung, vegane Essenstrends, … diese Themen gehen mir sonstwo vorbei, und wirkt außerdem eventuell relativ seltsam auf zufällige Betrachter! Dann doch lieber Werbung, die vielleicht sogar interessant ist. – Nicht dass ich das Produkt dann auch kaufe – und falls es mich doch anmacht, ist mir ggf. die Konkurrenz ohne den Werbekostenaufschlag lieber…)

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