Facebook: Zu wenig gegen Hass unternommen – wider besseres Wissens

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Facebook: Zu wenig gegen Hass unternommen – wider besseres Wissens

Kommentare zum Artikel: 9

Facebook will das Spaß-Netzwerk sein, das gute Laune verbreitet – und Menschen miteinander verbindet. Keine Frage: Facebook, Instagram und WhatsApp können das – aber eben nicht nur. Offensichtlich sogar immer weniger.

Wie immer deutlicher wird, zahlen wir alle einen hohen Preis dafür, dass Facebook „kostenlos“ ist. Denn ein Konzern, der einzig und allein der Gewinnmaximierung verpflichtet ist, hat eben entschieden andere Interessen im Fokus als das Gemeinwohl.

Dafür sind nun weitere Belege aufgetaucht: Wie gleich mehrere US-Medien am Wochenende unter Berufung auf interne Dokumente berichten, hat es in Indien in jüngster Vergangenheit einen fatalen Zusammenhang zwischen Gewaltaufrufen und Gewalt gegeben. Der Vorwurf: Facebook habe es trotz alarmierender Hinweise eigener (!) Analysten versäumt, Falschinformationen und Hassnachrichten auf den indischen Plattformen einzudämmen.

Außerdem sei man sich bei Facebook bewusst gewesen, dass die schwache Moderation der Plattformen anfällig für Missbrauch ist.

In einem Netwerk kann sich schnell Wut gegen eine Person oder Personengruppe richten; Rechte: WDR/Schieb

Schnell kann sich Wut gegen eine Person oder Personengruppe richten

Frances Haugen sagt im britischen Parlament aus

Harter Tobak! Heute (25.10.2021) ist die Ex-Facebook-Mitarbeiterin Frances im britischen Parlament aufgetreten. Währenddessen erweitert das „Wall Street Journal“ (WSJ) seine Berichterstattung – und es wird immer schlimmer. Mittlerweile hat auch ein europäisches Medienkonsortium, darunter SZ, NDR und WDR, die vorliegenden Dokumente ausgewertet.

Danach weiß Facebook nur zu gut, welche fatalen Konsequenzen seine Algorithmen haben können. Die Algorithmen präsentieren auch harmlosen Menschen besorgniserregende Inhalte – und die KI hat die Sache mit der Abwehr von Hass und Hetze nicht im Griff. All das weiß Facebook – unternimmt aber nicht genug dagegen. Revenue first. Nichts ist wichtiger als Umsatz. Im Zweifel habe sich Facebook immer für den Umsatz entschieden, lautet der Vorwurf von Frances Haugen.

Besonders schlimm ist es außerhalb der USA, sagen die Studien – denn dort kommen weniger „Moderatoren“ zum Einsatz.  Problematisch sind demnach insbesondere Inhalte in arabischer Sprache.

Whistleblowerin Frances Haugen kritisiert Facebook öffentlich; Rechte: WDR/Schieb

Frances Haugen sagt vor dem britischen Parlament aus

Hat Facebook indirekt religiöse Konflikte angefacht?

Aber nicht nur da: In den Monaten nach Dezember 2019 erschütterten religiöse Proteste Indien. Laut Wall Street Journal sind Hass und Hetze in Facebooks Netzwerken regelrecht explodiert. Besonders auf WhatsApp. Bei gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Hindus und Muslimen in Indien sind viele Menschen gestorben.

Ein Zusammenhang zwischen den Gewaltaufrufen auf den Plattformen und der tatsächlichen Gewalt lässt sich unmöglich leugnen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. Es ist immer das gleiche Problem. Unter schwammigen Aussagen wie „Hass und Hetze“ kann jeder rein packen was er will und es packt jeder rein was er will. Es sieht so aus als hätte man so etwas wie „Hass und Hetze“ extra erfunden um hier mehr Zensur durchzusetzen. Da stolpert man zwangsläufig mehr oder weniger hart in die Kollision mit der Meinungsfreiheit.
    .
    Zitat:
    „Ein Zusammenhang zwischen den Gewaltaufrufen auf den Plattformen und der tatsächlichen Gewalt lässt sich unmöglich leugnen.“
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    Natürlich nicht und daher gibt es bei uns im Strafgesetzbuch § 111, Öffentliche Aufforderung zu Straftaten mit einer recht rüden Strafandrohung und im indischen Gesetzbuch wird etwas ähnliches stehen. Das kann ja sein, dass facebook zu wenig gegen rechtswidrige Inhalte nach den Gesetzen des jeweiligen Landes macht. Das ist ja auch in der Regel unbestritten, wenn wir mal außen vor lassen was Länder wie zum Beispiel China oder viele andere Länder als rechtswidrig ansehen. Auslegungsfragen können wir jetzt auch mal außen vor gelassen.
    .
    So wie die Berichterstattung aussieht geht aber das was Frances Haugen fordert weit über strafrechtliche Inhalte hinaus und dann ist und bleibt das Zensur. „Moderatoren“ klingt nach der positiven Beschreibung eines Zensors, wenn von der Meinungsfreiheit gedeckte Inhalte gelöscht werden sollen.

  2. Carsten Mohr am

    Ich komme aus einer Zeit, da gab es den schönen Spruch: Stell Dir vor, es ist Krieg – und keiner geht hin!
    Ich will damit sagen, es haben die Menschen auf FB doch selbst in der Hand, ob und was man hypt. Natürlich sind die Algorithmen stumpf und längst nicht so differenziert, wie einem Glauben gemacht wird. Klickt man einmal was an, klebt das wie ein Stück … an einem und die Schrott-Nachrichten sind wie Fliegen, die dem unablässig folgen.
    Wer hier einfach zensieren möchte, setzt sich zu Recht der Kritik aus. Das Hypen ansich müßte verboten werden. Demagogieren nennt man das, glaube ich.

    • „Das Hypen ansich müßte verboten werden. Demagogieren nennt man das, glaube ich.“
      Yep, das erlebt gerade ein junger Fußballprofi am eigenen Leib; in gewohnt perfekt-harmonischen Zusammenspiel aus Politik und verbundenen Medienhäusern. :(

    • Die Kritik am „einfach zensieren“ teile ich.

      Das Hypen aber grundsätzlich zu verbieten trifft dann Gut und Böse was man auch immer wo einordnet. Man sollte sich schon für eine Sache einsetzen können, sei es zum Beispiel für
      – Klimaschutz oder Gelbe Westen
      – Willkommenskultur oder Schutz vor kriminellen Ausländern
      – Querdenker oder Corona Hysterie

  3. Mungo Park am

    unten auf der WDR-Seite:

    WDR aktuell bei Twitter
    WDR bei Facebook
    WDR bei Instagram
    WDR Youtube-Channel

    Ich fand das schon immer unseriös und eine Anbiederung an den Zeitgeist.

    Und der verzweifelte Versuch junge Hörer zu gewinnen.

  4. Ehrliche Frage: Kann es sich der WDR wirklich nicht leisten, auf Facebook zu verzichten? Argumente gegen Facebook stehen ja oben…

  5. Slartibartfast am

    Der WDR nutzt aktiv die Reichweite von Twitter/Facebook. Leider ist diese Plattform hinsichtlich des Datenschutzes nicht weniger bedenklich, als weitere kommerzielle Netzwerke, die von Unternehmen »beherrscht« bzw. kontrolliert werden.

    Nur zur Anregung: Parallel zum Twitter und/oder Facebook-Account (Link auf Twitter und/oder Facebook-Account) sollte der WDR über einen Account im Mastodon-Netzwerk (Teil des Fediverse) nachdenken. Mastodon ist ein dezentrales Netzwerk, das es seinen Nutzern erlaubt untereinander zu kommunizieren – ähnlich wie Twitter.

    Offenen bzw. freien Netzwerken wie Mastodon fehlt es noch immer an Medien, öffentlichen Institutionen und Politikern, die mit gutem Beispiel vorangehen und die Alternativen unterstützen.Es überrascht, wie viele Menschen bereits jetzt schon auf Mastodon aktiv sind, denen das Thema Datenschutz, Autonomie und Freiheit wirklich am Herzen liegt. Mit einem Parallelbetrieb zu Twitter/Facebook würden Sie nicht nur Ihre Reichweite steigern, sondern dazu beitragen, dass Menschen datenschutzfreundliche Alternativen auch wahrnehmen und nutzen.

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