Geht ein 5G-Netzwerk auch ohne Huawei?

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Geht ein 5G-Netzwerk auch ohne Huawei?

Kommentare zum Artikel: 13

Das 5G-Netzwerk kommt. Für uns Verbraucher bedeutet das erst mal: Deutlich schnellere Datenübertragung. Aber auch nur, wenn wir früher oder später ein neues Smartphone-Modell kaufen, das auch 5G kann.

Nahezu alle bisher verkauften Geräte können nämlich kein 5G. Das zeigt schon: Es ist neue Technologie nötig, um den schnelleren Mobilfunkstandard nutzen zu können.

Huawei ist weltweiter Marktführer

Das gilt auch und besonders für die Apparatur “hinter den Kulissen”: Damit ein Mobilfunknetzwerk funktioniert, ist jede Menge moderne Technologie erforderlich.

Marktführer bei 5G ist der chinesische Hersteller Huawei. Ginge es nur darum, die beste Technologie zu verbauen, wäre die Wahl einfach: Huawei.

Spionage und Sabotage denkbar

Aber die Welt ist kompliziert(er). Huawei ist ein chinesischer Hersteller. Es ist allgemein bekannt und weitgehend unbestritten, dass chinesische Regierung und chinesische Wirtschaft alles andere als entkoppelt sind. Wenn die chinesische Regierung etwas will, dann passiert es auch.

Das macht zum Beispiel Spionage und Sabotage denkbar. Wie einfach wäre es, ein fremdes Land damit unter Druck zu setzen, dass ein einmal etabliertes Mobilfunknetz – bildlich gesprochen! – per Knopfdruck in Peking lahmgelegt werden könnte.

Wer 5G nutzen will, braucht moderne Smartphones; Rechte. WDR/Schieb

Wer 5G nutzen will, braucht moderne Smartphones

Daten rund um die Uhr abschöpfen

Schlimmer noch wäre unbemerkte Spionage. Als Laie kann man sich das nicht so einfach vorstellen. Aber es ist kaum möglich, so etwas mit 100%iger Sicherheit auszuschließen.

Niemand kann wirklich in die Geräte und vor allem Software reinschauen, die dann – im 5G-Netzwerk verbaut – rund um die Uhr Daten verarbeiten. Und womöglich unbemerkt interessante Daten abschöpft.

Aggressive Wirtschafts- und Außenpolitik

Chinas aggressive Wirtschafts- und Außenpolitik sprechen eine deutliche Sprache. Das Risiko der Spionage und Sabotage zu ignorieren, wäre fahrlässig. Das Risiko ist meiner Ansicht nach sehr real.

Großbritannien hat jetzt beschlossen: Huawei fliegt raus bei 5G. Das, was schon verbaut wurde, wird in den nächsten sieben Jahren ersetzt.

In den USA wettert Donald Trump seit Jahren gegen Huawei. Dort ist das Verbauen von Huawei mittlerweile aber wieder erlaubt.

Gleichzeitig gibt die USA Geld aus, damit in Brasilien keine Technologie von Huawei zum Einsatz kommt. Die USA spielen alles andere als fair und konsequent.

https://vimeo.com/290843123

Das Datentempo von LTE und Nachfolger 5G

EU muss eigene Technologie voranbringen

Was bleibt, ist ein enormes Risiko – und Problem. Das Dilemma haben wir dem Versagen der Politik zu verdanken. In Deutschland, in der EU. Sie sollte weniger von Digitalisierung reden, sondern mehr unternehmen.

In Nokia und Ericsson hatten wir Weltmarktführer für solche Technologie in Europa. Heute nicht mehr.

Der Digitalbereich muss besser politisch gefördert und begleitet werden. Es braucht auch hier mehr Unabhängigkeit – nicht nur von China, auch und vor allem von den USA.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

13 Kommentare

  1. Ralf Klein am

    Ob Huawei wirklich spioniert weiß ich nicht. Nur wenn die USA das sagt könnte was dran sein. Warum? Nun die wissen wie man das macht. Oder sind die sauer weil keine Spionage Schnittstellen für deren Geheimdienste drin sind? So als Gedanken.
    Unabhängig? Weltweit geht es immer mehr in Richtung Konzentration. Immer weniger teilen sich den Markt. Viele haben so große Gewinne das Konkurenten aufgekauft werden, oder man fusioniert. Eigentlich lebt der Kapitalismus von Konkurrenz. Oft scheint es das das mittlerweile nicht mehr ganz so läuft. Aus vielen Gründen.

  2. Immer mit der Ruhe; die Preußen schießen behäbig und deshalb bitte von den Digitalisierungsbemühungen nicht allzuviel erwarten. Der feine Unterschied liegt im “Machen”: für ein Flughafenprojekt, wie den “BER”, würden die Chinesen, die Amis oder sogar die Russen maximal 2 Jahre Bauzeit benötigen; und nicht fast 20, wie in Deutschland. Selbst die Schweizer legten in rd. 17 Jahren mal eben 57 Kilometer Tunnel durch die Alpen. Aber (Peterchens Mondfahrt) Altmeier visioniert schon vollmundig über deutsche Weltraumbahnhöfe; vielleicht anno 2100?
    Dafür bekommt Brandenburg ja bald ein U$-Teslawerk auf allerhöchstem Digital- und Automatisierungsniveau…inmitten eines Wasserschutzgebietes. Egal, es gibt wieder 10000 medial bejubelte Arbeitsplätze, die bei Daimler, BMW, VW & Co. -ausgleichsweise- mit dem Faktor n*10000 abgebaut werden bzw. wurden.
    Elon Musk arbeitet auch schon an einem Hirn(i)-Chip für den ganz harten Kern bemitleidenswerter Selbstoptimierungsfetischisten, der angeblich sogar Demenz heilen bzw. vorbeugen und später sogar für telepathische Kommunikation genutzt werden kann. Ob dafür 5G noch ausreicht? ;)

  3. Nokia, Ericsson, Alcatel, Siemens auf europäischer Seite. Motorola, Nortel, Lucent auf Nordamerikanischer Seite.
    Die Telekommunikationsindustrie war einst blühend.
    Staatlich unterstützte Kredite auf chinesischer Seite, Telekommunikationsunternehmen mit billig Mentalität, rein kaufmännisch geführte Anbieter von der Infrastruktur (i.e. Ericsson & co) welche Stellen nach belieben weltweit verschieben und auch völlig desinteressierte Politiker führten zum Untergang.
    Doch auch die Öffentlichkeit nimmt kaum Notiz.
    Wer weiß z.B. das just in Frankreich Nokia wieder Stellen im 4stelligen Bereich abbauen möchte? Wer weiß, das in den Jahren davor, auch in Deutschland tausende und abertausende Stellen abgebaut wurden.

    Es braucht also nicht nur eine Kehrtwende in der Politik. Es braucht auch Telekom & Co, welche Equipment aus Europa wertschätzen. Es braucht Unternehmen, welche Mitarbeiter in Europa wertschätzen. Es braucht eine Öffentlichkeit welche nicht nur Kenntnis von Stellenabbau nimmt, wenn es Warenhäuser betrifft.

    • Diese Namen sind mir auch eingefallen. Sogar AEG. Aber da ist auch (lang) nichts mehr. Die deutschen und europäischen Mobilfunkunternehmen sind gegen China genauso aus dem Rennen gegangen wie Ende der 70er die HiFi-Unternehmen gegen die Japaner. Trends verschlafen, Preise gehalten. Da bin sogar ich von Nokia weg, obwohl ich 2001 bis 2016 rund 60% (8 von 13) wirklich gute Geräte von denen nutzte (die ersten Farbteile um 2005, und ausgerechnet die Touch-Dinger – die waren keine guten). Und habe nun? TCL… China.

      Bosch würd mir noch einfallen. Die hatten selbst mal GSM-Geräte im Verkauf, und sind in Sachen Infotainment immer noch mit dabei – da sollte sich was aufbauen lassen. Aber das kostet halt etwas mehr.

      Aber es muss ja nicht mal zwingend ein EU-Anbieter sein. Was machen eigentlich die Japaner und Koreaner? Da gibt’s doch auch genug Technik und die konnten das mal. Sony, Samsung? Seid ihr noch da?

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