Google verbessert den Jugendschutz – ein wenig

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Google verbessert den Jugendschutz – ein wenig

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Es ist kein Geheimnis: Kinder und Jugendliche lieben das Internet – und nutzen vor allem Soziale Netzwerke. Vernünftiger Jugendschutz spielt im Netz allerdings keine besonders große Rolle: Die Kids können sich praktisch überall anmelden, bei ihrem Alter schummeln – und niemand schützt sie wirklich effektiv vor Werbung, unpassenden Inhalten oder Kontaktaufnahme durch Erwachsene.

Schon die ganz Kleinen nutzen Youtube; Rechte: WDR/Schieb

Schon die ganz Kleinen nutzen Youtube – und sollen besser geschützt werden

Google verbessert Jugendschutz

Immer wieder mal unternehmen die großen Anbieter etwas, um den Jugendschutz zu verbessern. Sie sind dann mächtig stolz darauf – dabei ist verschlechtern kaum möglich. Jetzt ist es mal wieder so weit: Google erklärt in einem Blogeintrag, wie der Konzern den Jugendschutz bei Google und Youtube verbessert.

Eine Maßnahme: Kinder, Jugendliche und Eltern haben jetzt die Möglichkeit, einfacher Kinderfotos aus dem Such-Index nehmen zu lassen. Entdecken sie ein Bild, das besser nicht im Netz zu sehen sein soll, können Eltern und Kinder eine spezielle Formularseite von Google aufrufen und das Entfernen aus dem Such-Index beantragen.

Google entfernt es dann aus dem Index. Die Aufnahme erscheint dann nicht mehr in den Suchtreffern – ist aber nicht aus dem Netz verschwunden. Das kann Google nicht bewirken. Dafür müssen sich Eltern an den jeweiligen Anbieter wenden (Plattform, Blog, Webseite), wo das Foto erscheint – und um Entfernen bitten.

YouTube Kids: Soll eigentlich sicher sein - ist es aber nicht; Rechte: WDR/Schieb

YouTube Kids: Soll eigentlich sicher sein – ist es aber nicht

Kleine Verbesserungen bei Youtube

Auch bei Youtube habe Google einige Verbesserungen angekündigt: Der Upload von Videos soll bei Jugendlichen unter 16 automatisch als „privat“ erfolgen. Junge User sollen Hinweise erhalten, dass sie Pausen einlegen – und Schlafenszeiten beachten. Und auf Youtube Kids soll es weniger aggressive PR-Videos geben, die direkt zum Kauf anregen.

Löblich – aber am Ende nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Jugendschutz insgesamt muss unbedingt besser werden

Denn natürlich können Jugendliche ein Konto eröffnen (bei Youtube, bei Google, bei Instagram und Co.), ohne ihre Eltern zu fragen – die Altersverifikation ist ein Witz. Hier ist aber der Gesetzgeber gefordert. Er müsste glasklare Vorgaben machen: Anforderungen für den Jugendschutz im Netz. Es zwar einige, aber sie sind Wischiwaschi und werden vor allem von niemanden kontrolliert.

Es ist wohl nicht zu viel verlangt, Kinder und Jugendliche im Netz konsequent zu schützen. Ja, das macht Aufwand und ja, das bedeutet vielleicht hier und da auch Einschränkungen oder Erschwernisse für Erwachsene, etwa wenn Identität und Alter ernsthaft überprüft werden.

Aber es geht um Kinder und Jugendliche. Längst nicht alle haben kompetente und verantwortungsbewusste Eltern. Die Verantwortung allein auf die Eltern abzuwälzen, ist reine Ablenkung. Kinder müssen alle geschützt werden – und dazu gehört zweifellos auch guter Medienunterricht an allen Schulen.

Institutionen tun sich schwer mit Jugendschutz: Interview mit Tobias Schmid von der LfM NRW

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. Jugendschutz durch Provider geht nur über Zensur, besser wäre es, wenn die Internetprovider den Eltern einen optional kostenlosen Zugang zu einem Filter von bestimmten Internetadressen bieten würde. Wobei diese Filter mit einer VPN umgangen werden könnte, aber zumindest effektiver als was Google tut.

  2. Alter weißer Mann am

    Jugendschutz wird völlig überschätzt.
    Vor der Pubertät interessieren sich Kids nicht für so etwas, wenn sie mal aus Neugier auf Wanderschaft gehen ist das schnell vorbei. Mit Beginn der Pubertät sei ihnen der Spaß gegönnt. Als die Grünen in der Anfangszeit von Pädophilen und in der Richtung gedanklich zweifelhaften Ideologien unterwandert waren ging das bestimmt zu weit. Heute schlägt das aber Pendel zu weit in die andere Richtung. Nicht wenige Sexualforscher bestätigen diese These aber Wissenschaftler gelten nur als seriös, wenn bereits gefällte Vorurteile bestätigt werden. Jedenfalls ist das so ziemlich das letzte was ich Grünen wie zum Beispiel Daniel Cohn-Bendit vorwerfen würde; die Story kann man sich bei Wiki ansehen.
    Als Oldie wurde ich auf der Straße aufgeklärt und musste mir meine schweinischen Bilder aus dem Müll fischen. Wenn das unkeusche Zeug über Verwandte oder Bekannte kam war das auch nicht unbedingt besser und schon gar nicht sicherer. Dr. Sommer in der Bravo war dann schon Fortschritt, aus heutiger Sicht wirkt das wie Comedy.
    Kurz, man kommt ohnehin nicht aus den Problemen raus; Name, Email oder Geburtsdatum gehört zu den persönlichen Daten die niemanden etwas angehen. Eine Ausweiskopie über das Netz (@Durchwinker) betrachte ich als Phishing-Angriff, egal von wem und warum.
    Das Ganze hier ist alter Wein in noch viel älteren alten Schläuchen.
    Bei Wikipedia kann man sich dazu auch das „Zugangserschwerungsgesetz“ von Zensursula (Kombi aus Ursula von der Leyen und Zensur) ansehen: „Das 2010 in Kraft getretene Gesetz wurde de facto nicht angewendet und im Dezember 2011 vorzeitig aufgehoben.“
    Gegen einen Familienfilter ist aber trotzdem nichts einzuwenden wenn man möchte. Das Thema ist damit nur anders eingeordnet.

  3. Das ist praktisch der Rückfall in die 1990er Jahre, der hier gefordert wird. ich war völlig von meinen Eltern abhängig in jeder Kommunikation, solange ich dort gewohnt habe, weil alles über das elterliche Telefon ging. Wenn man den „Jugendschutz“ konsequent umsetzt, bedeutet das, dass faktisch unter 16-jährige nichts mehr im Netz dürfen und diese wieder eine Jugend führen wie in der Vor-Internetzeit, von jeder eigenständigen Kommunikation abgeschlossen. Letztlich wird das Netz zu einer Art Fernsehen 2.0, in dem Kommissionen Inhalte festlegen. Wird eine Person unter 16 festgestellt, gibt es dann gar kein richtiges Internet mehr, sondern nur noch eine Auswahl pädagogisch geeigneter Seiten, über die eine Kommission entschieden hat. Für 16- und 17-jährige gibt es einen beschränkten Inhalt des normalen Netzes.

    Will man diese Zukunft wirklich? Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten bieten viele Chancen – leider werden in den Medien nur die Risiken diskutiert.

  4. Carsten Mohr am

    Ich denke mal, der erste große Ansatz beginnt schon zuhause durch die Eltern. Bzw. hat zubeginnen. Es gibt, wollen wir das Internet frei zugänglich halten, keine wirkliche Alternative außer ID-Card-Scanner mit Verschlüsselung, die dann wieder gehackt werden und die umtriebigeren gleich sich jeder Kontrolle entziehen. Eltern haben ihre Kinder zu schützen. Wenn es denen schon „zuviel“ ist, ja dann: Nacht Mattes.

    • Richtig. Wenn ich sehe, was selbst ein stolzer Papa aus meinem Bekanntenkreis, den ich eigentlich immer für einen vernünftigen Menschen gehalten habe, für einen dümmlichen Video- und Fotoschrott von sich und seinen Kindern in die Welt hinaus postet und, als „Vorbild“, selbstverständlich auch seine Kinder posten lässt, dann ist natürlich Hopfen und Malz verloren und ein „guter Medienunterricht“ vergebliche Müh‘, wenn die eigenen Eltern schon vertrottelte Social Media-Narzisten sind. „Nacht Mattes“ passt! ;-)

    • Jörg Schieb am

      Nun, wie ich schon erwähnte: Der Gesetzgeber hat die Pflicht, ganz besonders die Schwächsten der Gesellschaft — und dazu gehören in der Regel die Kinder — effektiv zu schützen, auch und ganz besonders, wenn die Eltern versagen (auch dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe).

      Konsequenter Medienunterricht an Schulen wäre ein Anfang.

      Wenn eine Location erst ab 18 betreten werden darf, gibt es auch eine Kontrolle – es ist nicht allein Sache der Eltern, zu verhindern, dass Kinder Dinge tun, die sie nicht tun sollten oder dürfen.

      Ich will damit die Verantwortung der Eltern nicht kleinreden. Keineswegs! Aber alles die Eltern machen zu lassen, ist auch kein Ausweg.

  5. Durchwinker am

    Die Altersbestätigung ist ein Witz? Erzählen Sie das denn zig Nutzern mal, die ihren Ausweis für Google einscannen mussten, um zu beweisen, dass sie wirklich 18 Jahre alt sind.

      • Durchwinker am

        Wenn man Videos anschaut, die 18+ eingestuft sind auf YouTube (also meist nichts Weltbewegendes, weil das ist ja sowieso verboten, aber eben Inhalte, die nicht mehr 100%ig jugendfrei empfunden werden und da gibt es genug, wird schließlich viel überempfindlich bewertet teilweise), wird man früher oder später aufgefordert sich mit Ausweis auszuweisen, alternativ geht wohl auch MasterCard, von der dann ein Betrag abgebucht wird als Überprüfung.

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