Haste mal ‘n Libra?

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Haste mal ‘n Libra?

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Facebook will mal wieder die Welt verbessern. Diesmal mit einer eigenen Währung: Libra genannt. 2020 soll es schon so weit sein – dann sollen wir alle, wenn wir wollen, mit Libra bezahlen können. Und weil Facebook stets am Gemeinwohl interessiert ist, stellt der Konzern auf der Projektseite ein Ziel in den Vordergrund: Die rund 1,7 Milliarden Menschen weltweit ohne Bankkonto mit einer digitalen Währung auszustatten.

Dennis Horn, Jörg Schieb und Sebastian Kirsch bei der Aufzeichnung des Podcast; Rechte: WDR/Schieb

Was kann der Libra und was nicht? Dennis Horn, Jörg Schieb und Sebastian Kirsch im Gespräch

Es braucht ein Konto, um an Libra zu kommen

Ist das nicht rührend von Mark Zuckerberg? Er will den Menschen helfen… Allerdings ist unklar, wie die 1,7 Milliarden Menschen ohne Bankkonto ihre jeweilige Landeswährung in Libra wechseln sollen. Denn dafür braucht es ein Bankkonto – oder wenigstens ein Mobilfunkkonto.

Geldautomaten soll es jedenfalls nicht geben, erklärt das Libra-Konsortium. Dem Unternehmen wie eBay, Uber, Mastercard oder Vodafone angehören – die auch nicht unbedingt im Verdacht stehen, sich für Menschen ohne Bankkonto zu interessieren.

Es gibt also eine Menge Fragezeichen. Deshalb haben wir uns im neuen Cosmotech-Podcast (Folge 6) ausführlich mit dem Thema beschäftigt – und mit Sebastian Kirsch von der Wirtschaftswoche einen waschechten Experten in Geldfragen ins Studio geholt. Von ihm haben wir dann auch erfahren, dass Facebook – trotz aller Versprechen! – natürlich insbesondere an den Daten der Nutzer interessiert ist. Denn das ist nun mal das Geschäftsmodell von Facebook – und daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

Die neuste Ausgabe des CosmoTech Podcast: Was bringt uns der Libra?

Facebook schweigt und das Bundesfinanzministerium hat keinen Plan

Gerne hätten wir auch mit Facebook darüber gesprochen. Aber die wollten nicht.

Aber was sagt der Staat dazu? Auch das wollten wir wissen, denn das US-Parlament hat unverzüglich einen Brief an Zuckerberg und Sandberg geschickt – mit der Aufforderung, die Arbeit an Libra einzustellen! Das ist mal eine Haltung. Unser Bundesfinanzministerium aber – und damit unsere Regierung -, legt lieber die Hände in den Schoss und schreibt uns:

Zu geschäftspolitischen Entscheidungen einzelner Unternehmen äußern wir uns grundsätzlich nicht und bewerten daher die Entscheidung von Facebook nicht.

Grundsätzlich gilt, dass die Auswirkungen von Libra stark von der Akzeptanz und dem Verbreitungsgrad nach dessen angekündigter Einführung 2020 abhängen werden. Diese sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar. Natürlich gilt es, negative Auswirkungen zu vermeiden. Deshalb beobachten wir (mit BaFin und BBk) die Entwicklung genau.  Die BaFin klärt derzeit, inwieweit die Begebung von Libra in Deutschland erlaubnispflichtig wäre. Bisher ist nicht bekannt, unter welchem Regulierungsrahmen der Libra begeben werden soll. Zu den geld- und währungspolitischen Fragen bedarf es einer Antwort vor allem der Notenbanken.

Eine Komplettkapitulation. Danke Herr Bundesfinanzminister Scholz, dass Sie sich null um die Sache kümmern.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Spannendes Thema. Geld ist da nur der letzte teil der Abgabe staatlicher Hoheitsaufgaben in private Hände als Teil der Neoliberalen Öffnung seit den 80er/90er Jahren.

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