Internet zu langsam? Dann weniger zahlen…

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Internet zu langsam? Dann weniger zahlen…

Kommentare zum Artikel: 5

Wer kennt das nicht: In der Mediathek oder bei Netflix braucht ewig, bis die Serienepisode startet – und der Download des dringenden Updates dauert länger als ein ausgiebiges Mittagessen. Und in der Videokonferenz sind alle Kollegen total unscharf – weil die Bilder Pixelmatsche sind. Um es kurz zu machen: Das Internet ist mal wieder zu langsam.

Wichtig: Um das echte Datentempo zu messen, muss eine Verbindung per LAN her; Rechte: WDR/Schieb

Wichtig: Echtes Datentempo lässt sich nur per LAN messen

Neue Regeln stärken die Rechte von Verbrauchern

Die gute Nachricht: Der Gesetzgeber hat zum 1. Dezember die Rechte von Verbrauchern gestärkt. Wer feststellt, dass sein DSL-, Kabel- oder Glasfaser-Anschluss deutlich langsamer ist als versprochen, kann die monatliche Zahlung an den Provider kürzen. Verbraucher haben also erstmals ein echtes Druckmittel in der Hand. Allerdings muss die Messung präzise erfolgen – und auch mehrfach.

Der Anspruch auf Minderung besteht laut Gesetz bei „erheblichen, kontinuierlichen oder regelmäßig wiederkehrenden Abweichungen“. Also nicht, wenn einmal am Abend Netflix etwas länger braucht als sonst. Die Vertragszahlung ist laut Gesetz „in dem Verhältnis herabzusetzen, in welchem die tatsächliche Leistung von der vertraglich vereinbarten Leistung abweicht“. Bedeutet: Bekommt man nur die Hälfte der versprochenen Leistung, zahlt man nur die Hälfte des Preises.

Datentempo richtig messen

Nur: Wie messe ich mein Datentempo?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das eigene Datentempo zu ermitteln. Entweder, man stellt mit seinem Browser eine Verbindung zu einer Webseite her, die das Tempo misst – etwa dem Speed Check von Google.

Doch es gibt noch viele andere Speed-Checker im Netz. Einfach „Speedtest“ bei Google eingeben und eine Webseite aussuchen. Oder man benutzt eine spezielle App für sein Smartphone oder besser noch für seinen Rechner. Optimal ist die Breitbandmessung der Bundesnetzagentur unter breitbandmessung.de.

Hier lassen sich Apps laden, die besonders gut funktionieren. Wichtig ist: Wenn möglich, den Desktop-PC per LAN-Kabel mit dem Router direkt verbinden, denn nur das bietet wirklich und garantiert optimales Datentempo. Wenn das nicht geht, dann auch per WLAN – und dafür sorgen, dass eine optimale WLAN-Verbindung besteht. Doch per WLAN wird praktisch nie das optimale Datentempo geboten.

Nur Glasfaser bietet extrem hohes Tempo bei Down- und Upload; Rechte: WDR/Schieb

Nur Glasfaser bietet extrem hohes Tempo bei Down- und Upload

Exakte Messungen nötig

Der Desktop-PC sollte idealerweise nicht allzu weit vom Router entfernt sein. Denn sonst misst man das maximale WLAN-Datentempo, das ist aber nicht das optimale Datentempo im Router. Bei einer schlechten WLAN-Verbindung könnte der Router schneller sein als das gemessene Datentempo. Doch für das WLAN-Signal ist der Provider nicht zuständig.

Wichtig: Kunden müssen mehrere Messungen vornehmen. Zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Tagen. Zweitens ist es erforderlich, die offizielle App für den Desktop der Bundesnetzagentur zu verwenden.

Nur hier ist sichergestellt, dass auch wirklich das tatsächliche Datentempo optimal gemessen wird. Außerdem hilft die App dabei, die nötigen mehreren Messungen durchzuführen und mit statistischen Daten der Anbieter zu vergleichen. Kommt es zu Diskrepanzen, können Kunden die hier offiziell hinterlegten Messwerte nutzen, um sich zu beschweren.

Die App wird allerdings gerade von der Bundesnetzagentur überarbeitet, um diese Anforderungen optimal zu erfüllen. Sie soll am 13. Dezember (also in einer Woche) an den Start gehen.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Das ist wieder so ein Ding: Gut gemeint aber schwierig in der Umsetzung in meinen Augen. Die meisten werden das Ganze auf jeden Fall mit W-Lan messen und nicht mit LAN Kabel. Dann kommen noch die angesprochenen Hardware Probleme hinzu und Endkunden, die nichts anderen zu tun haben als sich über 5Mbit langsamere Leitungen zu beschweren :-)

  2. „Der Desktop-PC sollte idealerweise nicht allzu weit vom Router entfernt sein. Denn sonst misst man das maximale WLAN-Datentempo,“

    stimmt so nicht! nur wenn der desktop pc per wlan angebunden ist.

  3. Was ist die versprochene Leistung ?

    Ich erinnere mich an Produktinformationsblätter, welche genaueres beinhalten.

    Ein Beispiel Magenta-Zuhause L, 100Mbit/s maximal, 54Mbit/s minimal (bei VDSL).

    Wenn man jetzt also, gemäß Gesetz und Regeln der Bundesnetzagentur 50Mbit/s misst, dann kürzt man also nicht um 50% sondern ca. 10%. Korrekt ? Oder was ist die maßgebliche „versprochene“ Leistung ?

  4. Carsten Mohr am

    Ich kenne das auch. Einer meiner PCs ist „nur“ ein I3 mit 3,x GHz und offensichtlich zu langsam, Webseiten schnell zu öffnen. Selbst kaum zu rendernde Inhalte, wie von Google, dauern manchmal 5 bis 10 Sekunden. Ein anderer, fast ganz moderner PC (weil ist dann doch nicht Windows 11 Fähig trotz 12/24 Kernen und sagenhaften 128GB-RAM) öffnet die Seiten in sekundenschnelle. Vielfach ist es tatsächlich nicht der Internetanschluß selbst, sondern entweder das Sichtgerät oder die Website, die langsam ist. Websites werden immer „schwerer“ durch die ganzen Frameworks und Gimmiks, auch die Tracker sind echte Bandbreiten- und Zeitfresser.
    Dennoch, ich glaube nicht, das sich Telekom und Co. jetzt wahnsinnig Sorgen machen.

    • Auch Internet-Security-Suites, Download-Beschleuniger, eigentlich alles was sich zwischen Anwendung und physischem Netzwerk hängt ist manchmal die Ursache für eine langsame Verbindung.

      Oder auch schön die Powerline-Verbindung, die die nahe DSL-Verbindung stört, da beides auf den gleichen Frequenzen arbeitet. Und, und, und, … .

      Viel Potential für Konflikte zwischen Kunden, welche sich absolut nicht dafür interessieren ob die Ursache bei Ihnen oder dem Provider liegt und den Providern, welche auch nur begrenzt Geduld mit den Kunden haben.

      Nichts desto trotz ein richtiger Schritt, denn 1Gbit/s versprechen, dann das Kabelsegment bis zum geht nicht mehr überbuchen und am Ende netto nur ein paar zehn Mbit/s liefern ist der falsche Weg.

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