KI hat Beethovens 10. Symphonie vollendet

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KI hat Beethovens 10. Symphonie vollendet

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Ludwig van Beethoven war quasi der Popstar seiner Zeit. Wenn er an der einen Symphonie gearbeitet hat, war die nächste auch schon im Entstehen. Und so kommt es, dass die neunte Symphonie als ein Meisterwerk gilt, die zehnte aber nicht – weil sie nicht fertig wurde. Hier konnte der Meister nur wenige Noten zu Papier bringen, die im Geburtshaus Beethovens in Bonn liegen und dort auch angeschaut werden können. Beethoven war vor der Vollendung gestorben.

Wäre es nicht reizvoll, hat sich die Telekom gedacht – die ihren Hauptsitz ebenfalls in Bonn hat –, diese zehnte Symphonie mithilfe von KI sozusagen „zum Leben“ zu erwecken?

Die Noten der Symphonie liegen im Beethoven-Haus; Rechte: WDR

Die Noten der Symphonie liegen im Beethoven-Haus

Wenn der Computer zum Taktstock greift

Genau das ist passiert: Vor zwei Jahren hat Dr. Matthias Röder, geschäftsführender Direktor des Herbert von Karajan Instituts in Salzburg und bekennender KI-Fan, die ungewöhnliche Herausforderung angenommen. Er hat ein Team von Musikwissenschaftlern und Programmierern zusammengebracht – und die unvollendete zehnte Symphonie nun vollendet.

Das Ergebnis kann sich hören lassen. Seit heute (08.10.2021) gibt es die fertiggestellte Symphonie auf CD zu kaufen und morgen (09.10.2021) wird sie zum ersten Mal von einem Orchester öffentlich gespielt. Bei einer Uraufführung des Beethoven Orchesters unter der Leitung von Dirk Kaftan in Bonn. Eigentlich sollte es schon im vergangenen Jahr so weit sein: als Ehrung an den Meister, im Beethoven-Jahr. Aber wegen Corona hat sich alles verzögert.

Dr. Matthias Röder hat das Projekt geleitet; Rechte: WDR/Schieb

Dr. Matthias Röder hat das Projekt geleitet

Teamwork aus KI und Musikexperten

Das Expertenteam hat die KI mit Musik der damaligen Zeit trainiert: Jede Menge Musikstücke von Beethoven, Mozart und Haydn – und Werke anderer Künstler, die Beethoven gefallen haben. Eine Spezialität von KI ist es, Muster zu erkennen. Und so konnte die KI lernen, nach welchen „Regeln“ Musik früher entstanden ist. Auf diese Weise wurde die KI „trainiert“.

Dann hat das Team der KI die bereits vorliegenden Noten „gezeigt“. Die KI hat dann Vorschläge entwickelt, wie die Symphonie weitergehen könnte. Note für Note. Es ist eine Art Ping-Pong-Spiel zwischen Mensch und Maschine entstanden: Die KI hat auf Basis der vorhandenen Daten Vorschläge unterbreitet, das Expertenteam wählte die besten Vorschläge aus und hat die KI darauf basierend weitermachen lassen.

Es ist also nicht so, dass die KI quasi auf Knopfdruck eine fertige Symphonie ausgespuckt hat, sondern im Teamwork mit den beteiligten Menschen.

Die ersten Minuten als Hörprobe

KI kann nicht kreativ sein

Am Ende kommt aber natürlich kein echter Beethoven dabei heraus. Nur Beethoven kann Beethoven. Die KI kann bestenfalls versuchen, den Stil von Beethoven nachzuahmen. Und zwar so gut, dass wir es als echt empfinden. Aber das Ergebnis ist trotzdem wie Beethoven, sagen Fachleute.

Viele fragen sich jetzt: Kann KI kreativ sein, neue Werke erschaffen? Meiner Überzeugung nach niemals. Denn kreativ kann nur sein, wer sich seiner Existenz und ihrer Endlichkeit bewusst ist. Bei Menschen ist das so, bei Maschinen nicht. Wir sollten also nicht dem Irrglauben verfallen, das Ergebnis des wirklich interessanten Projekts sei Kreativität. Es ist eine Simulation davon – und nur dank des beherzten Eingreifens von Musikern möglich gewesen.

Interview mit Projektleiter Dr. Matthias Röder

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Eine spannende Diskussion, die Frage – kann KI die menschliche Kreativität ersetzen. Ich glaube, das der Prozess der Kreativität das entscheidende ist. Hierauf nimmt das Erleben, das soziale Umfeld des Menschen Einfluss und macht die menschliche Kreativität aus.

    • Wobei man über „echt“ und „unecht“ auch wieder philosophieren kann.

      Ferner gibt es ernstzunehmende Stimmen, welche auch den Menschen im Prinzip für einen komplexen biochemischen „Computer“ halten, welchen die Evolution per try & error über die Jahrmilliarden geschaffen hat.

      Das man das als Mensch natürlich nicht so gerne hört und erst einmal per se verneint ist verständlich. Verhaltensforschungen legen jedenfalls nahe, das vieles vorhersagbarer ist als wir es uns wünschen.

  2. Zitat: „Bei Menschen ist das so, bei Maschinen nicht. “

    Noch nicht, denn alles was die Natur geschaffen hat, kann auch künstlich geschaffen werden. Da ist eine KI, mit einem Bewusstsein mit Kreativität keine Ausnahme.

    Die Theorie dahinter ist schlüssig. Die Frage ist nur wann und ob wir Menschen es schaffen, schaffen wollen. (Quelle: Superintelligence, Bostrom )

    • „denn alles was die Natur geschaffen hat, kann auch künstlich geschaffen werden.“
      Dann würde ich, als herausfordernde Einstiegsaufgabe, die Erstellung eines KI-Doubles von Frank Zappa anregen wollen. ;)
      Auf eine KI, die versucht, mir irgendwann z.B. Leidenschaft, Liebe, Herzblut oder auch nur simpelste „Gänsehautmomente“ glaubhaft/gefühlsecht zu vermitteln, bin ich jetzt schon gespannt.

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