Klick-Scham: Warum wir umdenken müssen

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Klick-Scham: Warum wir umdenken müssen

Kommentare zum Artikel: 9

Das Internet: Für viele von uns ist es wie selbstverständlich vorhanden. Aber nur die wenigsten machen sich eine Vorstellung, welcher Aufwand betrieben werden muss – nicht nur personell, sondern vor allem technisch -, um ein reibungslos funktionierendes Internet anzubieten. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Das Smartphone hat keinen Auspuff oder Kamin. Die Rechenzenten sind weit weg. Saubere Sache also, diese Digitalisierung – oder?

Das Internet verbraucht eine Menge Energie; Rechte: WDR/Schieb

Das Internet verbraucht eine Menge Energie

So klimaschädlich wie der internationale Luftverkehr

Keineswegs. Internet und Digitalisierung sind ein erheblicher Faktor bei der Klimabelastung. Rund vier Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes gehen auf das Konto der Digitalisierung. So viel, wie der internationale Luftverkehr – also alles andere als Peanuts.

Eine alles andere als zu vernachlässigende Belastung also fürs Klima. Merkwürdig, dass niemand darüber spricht – und das in Zeiten, in der jede Plastiktüte kritisch beäugt wird, jeder Flug auf dem Prüfstand steht. Der Klimagipfel der Bundesregierung hat sich auch nicht mit dem Thema beschäftigt. Ein gigantischer Fehler, bedenkt man, dass sich der “Verbrauch” und damit der CO2-Ausstoß bis 2030 voraussichtlich sogar verdoppelt wird.

Jedes Rechenzentrum hat einen enormem CO2-Ausstoß; Rechte: WDR/Schieb

Jedes Rechenzentrum hat einen enormem CO2-Ausstoß

Politik müsste Rechenzentren und Anbieter in die Pflicht nehmen

“85% der in Rechenzentren Verantwortlichen wissen nicht einmal, wie hoch ihr Energieverbrauch ist”, sagt Carl-Otto Gensch vom Öko-Institut in Freiburg. Er hat Gespräche mit zahlreichen Verantwortlichen von Rechenzentren geführt und ausgewertet. Dieses Unwissen ist kein gutes Zeichen. Offensichtlich ist die Energie zu günstig. Deshalb macht sich offenbar niemand Gedanken, wie er/sie weniger klimaschädliche Gase produzieren könnte.

Gensch hat gute Vorschläge, wie sich das ändern ließe. Die öffentliche Hand könnte Bedingungen knüpfen an den Breitband-Ausbau – oder an die Vergabe von 5G-Lizenzen. Zum Beispiel mit Blick auf die Energieeffizienz von Rechenzentren oder die Langlebigkeit digitaler Geräte. Es fehlt außerdem an Zertifizierungen für umweltverträgliche IT. Doch niemand der Verantwortlichen verschwendet einen Gedanken daran.

Deshalb ist es wichtig, die Klimaschädlichkeit der Digitalisierung in unser aller Bewusstsein zu heben. Videos im Netz und Streaming sind besonders schädlich: 300 Mio. Tonnen CO2 sind dadurch im Jahr 2018 entstanden. So viel, wie das gesamte Land Spanien zu verantworten hat. Binge-Watching ist also alles andere als Öko.

https://vimeo.com/362802553

Carl-Otto Genscb vom Öko-Institut mahnt zum Umdenken

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. Ecosia liefert in letzter Zeit schlechte Ergebnisse, aber auch Google hat nachgelassen.
    Es wäre natürlich schön, wenn der WDR mit Vorbild vorangehen würde. Allerdings kann man vieles nur über die Mediathek streamen, statt kleinere Dateien herunterzuladen.

    Gebrauchte DVDs sind ökologischer als Streamen, bei neuen DVD weiß ich das nicht.

    (Warum werden eigentlich solche großen Multiplikationen verlangt? Kann man nicht mehr im Kopf rechnen.)

  2. Ich frage mich wo das hinführen soll. Natürlich ist die Art wie wir heute Leben umweltschädlich, aber sollen wir denn nun wirklich zurück in die Höhle und am besten alle mit 32 Sterben damit wir die Welt nicht weiter mit unserem Dasein belasten?

    • Off_Leiner am

      Was habe ich davon, 90 zu werden, aber nur noch im Schutzanzug und mit Atemmaske das Haus verlassen zu können – und wozu sollte ich dann noch das Haus verlassen ohne Grün, ohne Wald und mit verseuchten Meeren….?

  3. P. Gedoehns am

    Jetzt nervt dieser Klimawahn sogar schon in Digistalistan, erfreulicherweise aber ohne die allseits bekannte Ikone. Beim Klicken an meinem PC schäme ich mich nun wirklich nicht und wenn es im US-Staat Utah ein gigantisches klimatisiertes Zentrum zur Datenspeicherung gibt, ist das nicht meine Schuld. Wenn diese Hysterie so fortgeführt wird und alles als klimaschädlich dargestellt wird um es mit dem wahren Ziel CO2-Steuer teurer zu machen, werden wir bald ganz andere Demonstrationen erleben, als die der Klimajünger und ihren grünen Vorbetern.
    Zwar besitze ich weder Fernseher noch Smartphone, allerdings möchte ich mich auch nicht per Pferd und Wagen fortbewegen oder Rauchzeichen geben müssen. Stimmt, Rauchzeichen geht auch nicht, wegen dem Klima. ;-)

    • Jörg Schieb am

      Es geht nicht im Pferd und Wagen – oder “zurück in die Steinzeit”. Ich denke, es ist immer richtig und gut, die Fakten zu kennen. Und damit auch die Konsequenzen des eigenen Handelns. Der eine sagt “Ist mir alles egal” — der andere, vor allem wenn er/sie die Verantwortung für nachfolgende Generationen (und übrigens auch die Tierwelt) übernehmen möchte, denkt nach.

      Es geht doch erst mal ums Verstehen. Und dann ums Justieren. Wie im Beitrag zu lesen, geht es vor allem darum, in einer der größtem Wachstumsbranchen den Aspekt Nachhaltigkeit mit einzuweben. Das halte ich für verantwortungsvoll.

      • P. Gedoehns am

        Natürlich finde ich es aufgrund der Ressourcenverschwendung bedenklich, in immer kürzeren Abständen Smartphones und Fernseher, aber auch andere Gegenstände zu kaufen, wovon ich mich ohnehin distanziere. Dennoch ist es erfahrungsgemäß so, dass man unter dem Vorwand Umwelt, Klima alles teurer macht.
        Parallelen sehe ich ich zu dem Thema, um das es hier geht. Wird Youtube aufgrund einer sagen wir “Klimaabgabe” bald kostenpflichtig, sodass der Tarif des Netzbetreibers nur die technische Möglichkeit beeinhaltet und man Zusatzoptionen kaufen muss? Ich habe beispielsweise die unzähligen Cookies, Tracker und Pop Ups nicht erfunden, die Rechnerleistung und Ernergie kosten. Davon profitieren andere Leute, vielfach in Kalifornien, nicht der normale Bürger. Beispiele könnte man reichlich aufführen.

        • Off_Leiner am

          Hier sind wir in Teilen einmal nicht einer Meinung:
          Pferd und Wagen wären allemal besser als die jedenfalls in Deutschland immer noch übermächtige Auto-Sucht, die uns jährlich Tausende Tote, Hunderttausende Versehrte und vergiftete Böden und Atemluft “beschert”, und die, was den Suchtfaktor und das Suchtpotential angeht, der sowohl von Ihnen als auch von mir zu Recht attackierten Smartphonesucht und dem Digitalwahn in nichts nachsteht, welch letztere zwei für noch mehr Ressourcenvernichtung verantwortllich sind – wie bei der Autosucht: Für nichts und wieder nichts außer eben der Suchtbefriedigung.
          Also: Bitte zurück zu Pferd und Wagen und wenn auch nicht Rauchzeichen, vielleicht wenigstens zum normalen Telephon und zu normalem Schriftverkehr…

    • Richtig erkannt, Herr/Frau Gedoehns! Gott (oder wer auch immer) bewahre und schütze uns vor jener schwarz-grünen GroKo, die in aktuellen “Umfrageergebnissen” geradezu herbeigesehnt bzw. dem Wähler geschickt in dessen Wahlkreuzhand gelegt wird. Das wäre der Untergang des Industriestandortes.

      • Nicht wirklich. Industrie lebt davon sich zu verändern und Fortschritt zu erbringen. Nokia ist weg vom Fenster, denn wer will schon große Displays mit Touchscreen.
        Deinstrualisierung erfolgt dort, wo man natürliche Entwicklung bremst. Strom könnte zum Beispiel noch günstiger sein, wenn die Energiewende nicht verlangsamt und erschwert würde.

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