Misserfolgsserie: Twitter stellt Fleets ein

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Misserfolgsserie: Twitter stellt Fleets ein

Kommentare zum Artikel: 3

Twitter kommt mir mittlerweile ein bisschen so vor wie jemand, der einmal eine gute Idee hatte – und danach nie wieder einen vergleichbaren Erfolg. Wir verdanken Twitter den Hashtag. Was für ein Gewinn für die Netzwelt. Aber seitdem ist nichts Bemerkenswertes mehr bei Twitter passiert. Schade.

Tweets lassen sich jetzt auch in einem Fleet teilen; Rechte: WDR/Schieb

Tweets lassen sich auch in einem Fleet teilen – will aber kaum jemand

Fleets sind ein Flop auf Twitter

Selbst die plumpen Kopien überzeugen die User nicht. Vor knapp acht Monaten hat Twitter die Fleets eingeführt. Im Grunde ein Instagram-Story-Klon: ein Container für flüchtige Gedanken, spontane Schnappschüsse oder Adhoc-Diskussionen. Die allerdings nach 24 Stunden wieder verschwinden (wie einst bei Snapchat).

Auf anderen Plattformen funktionieren diese Formate – auf Twitter sind sie ein Flop. Möglicherweise deswegen, weil Twitter-Nutzer andere Dinge an Twitter schätzen: die kurzen, kompakten Nachrichten. Nicht überfrachtet, nicht so marktschreierisch wie oft  auf Facebook – und auch nicht ganz so selbstverliebt und albern wie auf TikTok.

Twitter Fleets: Nachrichten sollen nur 24h sichtbar sein - hat aber nicht geklappt; Rechte: WDR/Schieb

Nur 1,4 Mio. Deutsche nutzen Twitter täglich

So funktioniert Twitter – aber deswegen wächst Twitter auch nicht sonderlich. 200 Millionen aktive User pro Tag – das ist im Vergleich zu Facebook, Instagram, Youtube oder TikTok nahezu unbedeutend. In Deutschland sind es aktuellen Zahlen zufolge nur 1,4 Millionen User täglich. Trotzdem wird andauernd Twitter zitiert.

Das liegt daran, dass vor allem Politiker, Journalisten und Community-Mitglieder bei Twitter sind. Eine Bubble. Was hier wie ein Sturm wirkt, ist in Wahrheit nicht mal ein Windhauch. Eine Spaß-Plattform ist Twitter nicht – und wird sie auch nie werden. Aber genau deswegen sind Angebote wie Stories oder Fleets zur Erfolglosigkeit verdammt.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Vielleicht sollte Twitter nicht weiter versuchen, Konzepte zu kopieren, die in anderen Netzwerken funktionieren. Sie funktionieren dort nämlich, weil es eben andere Netzwerke sind. Wollen wir wirklich auch auf Twitter LipSync-Videos, Schminktipps oder Prank-Videos sehen? Nein: Denn wenn wir das wollen, wissen wir, wo wir sie finden.

Es wäre zweifellos klüger, die unbestreitbaren Vorteile von Twitter und den Charme weiter auszubauen – und sich damit abzufinden, nicht das größte Netzwerk der Welt zu werden. LinkedIn ist es auch gelungen, seinen Platz zu finden – und darin erfolgreich zu sein. Twitter kann das auch. Also bitte: Finger weg in Zukunft von Dingen, die gar nicht zu Twitter passen.

Twitter Fleets: Nach 24h verschwinden die Nachrichten, nach acht Monaten der gesamte Dienst

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Durchwinker am

    Ehrlich, ich fand die Fleets sogar ganz praktisch. Problem war für mich einfach, dass es die Sache nicht für Desktop im Web gab. Und extra ans Handy gehen für die Fleets, das war mir dann auch zu viel.

  2. Lieber Jörg,

    vielen Dank für deinen spannenden Artikel. Es ist sehr interessant, welcher wandel auch im Bereich der Sozialen Medien stattfindet. Es bleibt spannend, in welche Richtung weitere Änderung vorgenommen werden.

    Beste Grüße
    Winfried

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