Na hör’ mal: Gestreamte Musik in höherer Qualität

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Na hör’ mal: Gestreamte Musik in höherer Qualität

Kommentare zum Artikel: 21

MP3 ist ein Segen: Durch die Erfindung (übrigens eines Deutschen) kann Musik datentechnisch so gut “verpackt” werden, dass Musik und Sprache vergleichsweise wenig Speicherplatz verbrauchen – aber trotzdem gut klingen. Erst durch MP3 konnte Musik den Siegeszug im Netz antreten. Erst illegal – dann legal.

Musik, die Streamingdienste heute so verteilen, beruht noch weitgehend auf diesem Konzept: Die Musik kommt nicht in Top-Qualität an, sondern in nur in guter Qualität, aber in punkto Datenvolumen deutlich reduziert. Damit das mit dem Laden der Musik nicht zu lange dauert und das Speichern im Smartphone nicht zu viel Platz kostet.

Apple Musik bietet Musik in besserer Qualität - ohne Aufpreis; Rechte: WDR/Schieb

“Losless” bedeutet: Ohne jeden Kompromiss bei der Soundqualität

Schnellere Datenleitung – aber keine bessere Musikqualität

Doch heute haben wir DSL mit mehreren MBit/Sekunde – und 4G oder sogar 5G. Auch im Mobilfunknetz werden Daten schneller übertragen als früher. Und Speicherplatz im Smartphone ist auch nicht mehr das Problem. Da sollte man meinen, wir könnten Musik heute quasi in 4K-Spitzenqualität hören.

Doch die traurige Wahrheit: Die meisten Streamingdienste bieten Musik immer noch in einer Tonqualität an wie früher. Akzeptabel – aber nicht der Knaller. Echte Musik-Fans, die gute von schlechter Soundqualität unterscheiden können, kommen da gerne schon mal die Tränen, weil so viele Feinheiten im Ton verloren gehen.

Deshalb bieten Streamingdienste wie Qobuz, Tidal und Amazon schon seit einer Weile Streaming-Musik in deutlich besser Hifi-Qualität an – mindestens wie auf CD. Aber mit preislichen Aufschlägen. Allerdings teilweise zum doppelten Preis (19,99 EUR im Monat).

Luxus-Kopförer AirPods Max können den neuen Musikgenuss nicht bieten; Rechte: WDR/Schieb

Luxus-Kopförer AirPods Max können den neuen Musikgenuss nicht bieten

Apple bietet HiRes Losless für alle Musiktitel – ohne Aufpreis

Jetzt hat Apple angekündigt, seinen Musikdienst Apple Music aufzubohren: Schon bald sollen alle 75 Millionen Songs bei Apple Music in hochauflösenden Musikformaten zu hören sein, “HiRes Losless Audio” genannt – und das ohne Aufpreis(!). Das ist schon eine kleine Sensation. Die anderen Anbieter werden da korrigieren müssen, wollen sie wettbewerbsfähig bleiben.

Außerdem sollen Tausende Songs “Dolby Atmos bieten”. Eine Art Raumklang. Manche Musiker nehmen ihre Musik heute im Studio auf diese Weise auf. Auch dieses Extra kommt ohne Zusatzkosten.

Frust: Moderne Apple-Hardware spielt nicht mit

Jetzt kommt aber ein Punkt, der viele Apple-Fans verzweifeln lassen wird: Moderne Kopfhörer von Apple wie die neuen AirPods oder sogar die 600 EUR teuren AirPods Max können die hoch aufgelöste Musik nicht abspielen. Grund: Bluetooth kann nicht so viele Daten übertragen (es sind mehr als 1 MBit/Sekunde nötig). Und es gibt auch keine Aussicht, dass sich das jemals ändern wird.

Sogar die HomePods, die Luxus-Lautsprecher von Apple (die allerdings wieder eingestellt werden), können das HiRes-Lossless-Format nicht spielen – obwohl sie nicht per Bluetooth, sondern im WLAN angesprochen werden. Lediglich Hardware wie Macs, iPads, iPhones und iPads können es – oder ein hochwertiger USB-Digital-Analog-Wandler, den man sich aber auch leisten können muss.

Echte Musik-Fans (und dazu gehöre ich), werden sich so etwas anschaffen – um die Musik zu würdigen. Denn Musik in MP3 zu quetschen und damit ihrer wundervollen Natur zu berauben, ist schon eine Quälerei. Das ist so, als ob man 4K-Videos gewohnt ist und dann Aufnahmen auf einer VHS-Kassette anschauen muss.

Doch viele sind mit MP3 groß geworden. Sie werden den Qualitätsunterschied wahrscheinlich sowieso nicht hören – oder nicht würdigen.

Welchen Einfluss hat Streaming auf das Klima?

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

21 Kommentare

  1. Typisch Apple! Krallen sich einen freien Standard und wollen den dann monetarisieren, Amazon ist da auf der gleichen Schiene unterwegs. Seit dem DRM-Desaster sind mp3’s bei mir, schon allein wegen ihrer digitalen Kennung (AMAZON!), komplett außen vor.

    Jep! “16/24bit-FLAC-Format” ist der neue, heiße Schei…(benhonig) Und – Überraschung! – man braucht vernünftige “Hardware” für! AKG ist ein Träumchen! *schwer, da wieder von wech zu kommen :o)

    Bei mir werkelt “BOSE” als Headphone und das soo gut, dass ich mir die Investition in eine entsprechende Soundkarte sparen konnte!
    Ach ja! “Qobuz” als Anbieter? Echt jetzt?? Mit monatl. “Grundgebühr” (nur um FLAC-Dateien kaufen zu können)???

    #ProTipp: 7Digital! DRM-frei! WERBEFREI!! No EMail-SPAM!!!
    “Es kommt auch immer darauf an, welche Musik ich höre.” – völlig daccor! Einmal Pink Floyd in 24bit hören und jegliches mp3-Gedöns ist obsolet – for ever!
    Links dazu auf meiner Website (frei von jeglicher Werbung! KEINE Add-Links!)

  2. So, es freut mich, dass nun auch einmal ein anerkannter Experte das Hires-Streaming gut heißt. Genug andere kriteln rum. Warum eigentlich? Sie kriegen damit einen qualitativen Mehrwert zum selben Preis.
    Natürlich wird ein entsprechendes Equipment benötigt. Mit asiatischen Tischquäkern oder 80-Euro-Kopfhörern wird man keine akustische Bereicherung erfahren.
    Und wer ernsthaft behauptet, besonders im Bereich der klassischen Musik oder dem Jazz, keinen Qualitätsunterschied zwischen mp3 und 24/96 feststellen zu können, der nennt wahrscheinlich seit 50 Jahren die Vier fröhlichen Wellen von Radio Luxemburg auf Mittelwelle 1440khz mit dem Jochen und dem Frank seine akustische Heimat.

    • “Und wer ernsthaft behauptet, besonders im Bereich der klassischen Musik oder dem Jazz,…”
      Falls Sie mich meinten, dann lesen Sie meinen Text bitte nochmals. Ich bezog mich ausdrücklich auf die Ballermann-/Geschreimusik (die “beiden Letztgenannten”) und gerade eben NICHT auf Jazz oder Klassik. ;)

      • Ich habe Ihren Beitrag nicht gelesen. Da steht auch nichts von Klassik und Jazz. Ansonsten gehe ich mit Ihnen daccore.

  3. Ich beschäftige mich schon mit hochwertiger Musikwiedergabe als das noch High-End genannt wurde und man statt über Abtastraten sondern über Tonabnehmer diskutiert hat.
    Ich habe da mittlerweile einiges ausprobiert und stimme zu das man bei Bluetooth an Grenzen kommt. ABER.. ich nutze zur Zeit eine Kombination aus Highres-Streaming, Handy und Kopfhörer die via Bluetooth verbunden sind. Handy und Kopfhörer verwenden allerdings Bluetooth mit aptX HD. Das ist zwar immer noch mit Verlusten behaftet klingt aber schon deutlich besser als alles was ich vorher ausprobiert habe. Und damit macht diese Kombi schon richtig Spaß zu einem Preis den manch Highender auch schon mal für 6m Lautsprecherkabel ausgegeben hat. Leider unterstützen nicht alle aktuellen Handys und Kopfhörer diesen Codec, da muß man ein bisschen suchen. Ist aber auf jeden Fall interessant zumal ich diese “Mini-HiFi-Anlage” auch auf der Terrasse oder im Wohnmobil nutzen kann.

  4. Ach Herr Schieb,
    das Thema ist doch nicht neu – und wenn eine Generation mit mp3 zufrieden ist, dann entspricht dies eben der Generation aus den 80ern, die sich Musik mit 250 Mark-Boxen angehört hat (oder Platten mit ner billigen Acryl-Nadel)
    Es war in den 80ern so, genau wie jetzt in den 20ern – es kommt auf die OHREN an – und damals, wie heute, werden 90% (97% ???) der Zuhörer weder zwischen 4k-Musik und mp3 unterscheiden können, wie die in den 80ern zwischen den 150 Mark Billig-Boxen oder denen von (z.B.) Magnat oder Cervain-Corvis (wobei letztere den wenigsten bekannt sein dürften)
    Bei den heutigen Kopfhörern setzt sich dies fort – die hochgehypten und SÜNDHAFTteuren Teile die meine Azubis besitzen rauben mir den Verstand – nach meiner Aussage “die können ja nix” und der entsetzten Antwort “Du hast ja keine Ahnung”, haben wir mal eine Frequenzanalyse durchgeführt – die “Jugend”-Kopfhörer sind gut – im Bereich Boom Boom Boom – dann hört es auf. Im mittleren, und vor allem oberen Spektrum, versagen die völlig. Warum also 4k-Musik-Streaming ???????
    Gute Boxen, einmal im Leben angeschafft und ein CD-Player – that’s it
    (und eine Frau, die einmal in der Woche beide Augen zudrückt)

    • Durchwinker am

      Gibt durchaus gute Kopfhörer, die Höhen gut zeichnen können. Das sind dann aber keine Bluetooth-Geräte und auch keine Gaming-Kopfhörer, sondern Studio-Kopfhörer.
      Und da hört man den Unterschied schon recht stark. Ob eine gute Box oder ein CD-Player, wobei die Box wohl auch nur Boom Boom Boom kann, da besser sind, mag ich bezweifeln.

  5. Das Thema ist vielfältig, oft auch höchst subjektiv (Hi-Fi-Voodoo) und mitunter auch nur unter Laborbedingungen (Periodizität, Tonhöhe, Sinuswellen, Resonanz, Konsonanz, Dissonanz, Harmonie, Schallleistung, Klangfarben etc. etc.) messbar; eher weniger hörbar.
    Es kommt auch immer darauf an, welche Musik ich höre. Ist schon etwas anderes, ob das feinnunancierter Jazz oder Klassik ist, wo ich jedes Instrument akzentuiert wahrnehmen möchte oder ob es tumbe Ballermann-Hopserei-Mucke (aka “Schlager”) oder “Musik” ist, in der markerschütterndes Geschrei die Instrumente zu Nebendarstellern macht. Bei den beiden Letztgenannten völlig egal, ob das ein 320er-MP3, FLAC oder schlimmstenfalls ein OldSchool-UKW-Radiomitschnitt auf MC ist.
    Und alles natürlich immer abhängig vom relativ intakten, sensiblen Gehör des Zuhörers, was mit zunehmendem Alter und je nach täglicher Lärmbelastung eher selten besser wird. Digitale Signale müssen in analoge Abbilder umgewandelt werden, deren Schwankungen den gewünschten Klangänderungen analog entsprechen müssen. Sie werden letztendlich immer verstärkt, ggf. manipuliert/optimiert, und auf Lautsprecher oder Kopfhörer ausgegeben. Töne entstehen erst dann bzw. dort, wenn bzw. wo die Schallwelle aus dem Lautsprecher/Kopfhörer kommt. Und das ist auch niemals der Originalklang, sondern immer nur eine vom Lautsprecher/Kopfhörer erzeugte Variante.
    Die vermeintlich “allerbeste Quellqualität” bringt überhaupt nix, wenn die Hi-Fi-Kette in einem Billigstkopfhörer/-lautsprecher/-soundbarteil etc. endet oder das Gehör, z.B. durch “Malle-Techno” o.ä., verhunzt ist. ;)

  6. Wenn man Musik unbedingt besitzen muss, das in hoher Qualität, gibt es die gute alte CD und die würde ich ganz analog im guten alten Laden kaufen. Habe ich genug davon kann ich die CD weglegen, verschenken, verkaufen und wenn ich den Löffel abgebe auch vererben. Ich wüsste nicht warum ich mich bei einem solchen Dienst anmelden sollte. In der Regel schalte ich aber das gute alte Radio ein (meist 1Live) und soll es mal etwas Abwechslung sein gibt es weltweit genug Radiosender über das Internet. Aber der Beitrag erinnert mich daran, ich wollte doch meinen Plattenspieler mal wieder ausgraben.

    • Ja, CD… kenne ich auch noch. Das sind die Dinger, von denen ich meine 192kBit-MP3s ziehe, um die dann auf Server, Laptop, Autoradio etc. zu verteilen. Denn in fast allen Bereichen des Alltags kommt da kaum ein hörbarer Unterschied rüber; man müsste schon wirklich angestrengt und konzentriert _hören_.
      Mache ich zwar auch mal. Aber auf Dauer ist das nix und für die normale Beschallung, während der ich was lese, esse, oder kurz: lebe, reicht’s dicke auch die eingedampfte Version. Vor allem, wenn man nicht den Luxus eines von Umgebungsgeräuschen entkoppelten Raumes hat.
       
      Was nicht heißen soll, dass verlustfreie Qualität nicht ihre Berechtigung hat. Aber solange das, was aus meinen Nubert Standlautsprechern wohnzimmer- und mietwohnungstauglich herauskommt, für mich “gut” klingt, taugt’s mir. Kopfhörermensch bin ich keiner. Und bei den guten Vinyls (neben MP3 und TV die dritte Quelle an meiner Anlage) ist eh weniger drauf als diese Boxen darstellen können – da zählen dann Nostalgie und Gefühl, und keine Messwerte.
       
      Dass man Musik lieber selbst besitzt anstatt diese zu “mieten” (streamen), ist für mich übrigens günstiger, komfortabler und störungsfreier. Die Neuentdeckungen, die man früher via Dudelfunk und heute als Spotify-Empfehlungen erhält, finde ich eher auf Youtube oder als Vorband; auch da braucht’s kein Streaming.

  7. Zitat: “Musik heute quasi in 4K-Spitzenqualität hören” – Aua Herr Schieb ;) Da sträubten sich die Nackenhaare des FLAC-Liebhabers in mir

  8. Wunderschön, war da nicht letztens ein Artikel über den immer weiter steigenden Energieverbrauch des Internets, der Datennetze. Mit dem Resümee da müsste man doch was tun.

    Und jetzt ein Artikel der sich letztlich für eine besser Audioqualität im Streaming ausspricht, was die nötige Datenübertragung erhöht und somit mehr Energie verbraucht.

    Da zeigen schon alleine die Inhalte dieses Blogs das es eine Zwickmühle gibt, zwischen dem Wunsch den Energieverbrauch des Internets nicht mehr zu erhöhen, idealerweise zu senken. Und dem ständigen Begehr nach neuen Anwendungen oder besserer Qualität bestehender Anwendungen. Alles wohlbegründet und nur in sich betrachtet verständlich.

    Doch Gesamtheitlich erscheint es wie die Quadratur des Kreises.

    Ob man sich dessen bewusst ist und das ein Baustein einer potentiellen Lösung auch “Suffizienz” sein kann ?

    • 1. Wir sind nicht dogmatisch — à la: Verstößt gegen unsere Ansichten, machen wir nicht.

      2. In dem Video (unten) spreche ich das Thema an. Da gibts auch den Tipp: Besser nicht streamen, sondern zu Hause downloaden

      • Zu 1., der Artikel hat seine Berechtigung und gerade die Vielfalt und manchmal auch der inhaltliche Widerspruch trägt ja dazu bei Gedanken zu entwickeln und die digitale Welt mehr zur Gänze zu erfassen. Alles gut also, soweit es mich betrifft. Der Kommentar sollte “nur” zur Verknüpfung verschiedener Aspekte dienen und die damit einhergehende Problematik beleuchten.

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