Oh weh: EU einigt sich auf Leistungsschutzrecht

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Oh weh: EU einigt sich auf Leistungsschutzrecht

Kommentare zum Artikel: 5

Die jahrelange, mühevolle Arbeit der Lobbyisten hat sich am Ende also gelohnt: Die EU hat sich tatsächlich auf ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger geeinigt. Google und andere Suchmaschinen werden künftig Geld zahlen müssen, wenn in Suchmaschinen Ausschnitte (Teaser) aus verlinkten Artikeln erscheinen. Das zumindest ist der Plan. Allerdings muss die Einigung erst noch von Parlament und EU-Staaten bestätigt werden. Danach bleiben zwei Jahre Zeit, die neuen Regeln umzusetzen.

Das Leistungsschutzrecht (LSR) soll für mehr Einnahmen der Verlage sorgen; Rechte: dpa/Picture Alliance

Das Leistungsschutzrecht (LSR) soll für mehr Einnahmen der Verlage sorgen

Selbst kleinste Textschnipsel sollen kosten

Genau das haben sich viele Presseverleger schon lange gewünscht: Google soll dafür bezahlen, wenn in den Suchergebnissen auch nur kurze Textschnipsel der verlinkten Artikel erscheinen. Das wird allerdings garantiert nicht passieren: Google macht keinen Hehl daraus, dass der Onlinedienst alle Angebote von Presseverlagen aus dem Programm werfen wird, die Geld für Textschnipsel-Teaser verlangen. Motto: Wer nicht will, der hat schon. Es ist sogar möglich, dass Google News komplett eingestellt wird.

In Spanien hat Google so reagiert, als dort eine ähnliche Vorschrift eingeführt wurde. Wirtschaftlich kein Problem, denn Google News kommt gänzlich ohne Werbung aus – hier wird kein Cent verdient. Warum sollte Google also bereit sein, für etwas zu bezahlen, das keinerlei Umsatz generiert? Sollte Google seinen News-Dienst abschalten, haben eher die Verlage den Schaden. Denn dann liefert Google ihnen keine neugierigen Leser mehr, die Google gefragt haben, wo sie interessante Artikel finden könnten.

https://vimeo.com/317128699

Angeklickt: Das steckt hinter der Urheberrechtsreform – das Leistungsschutzrecht ist Teil davon

Deutschlands Flop in die EU exportiert

In Deutschland wurde das Leistungsschutzrecht schon vor Jahren eingeführt – und gilt als “Katastrophe”. Selbst die Regierung schätzt das so ein. Geld geflossen ist an die hiesigen Verlage nie. Weil die Verlage Sondervereinbarungen zugestimmt haben – aus Sorge, aus dem Suchindex zu fliegen. Wie man angesichts dieser katastrophalen Bilanz auf die Idee kommen kann, einen solchen Rohrkrepierer, den manche auch als “Zombie-Gesetz” bezeichnen, ein Gesetz, das völlig sinnlos und schädlich ist nun europaweit einführen zu wollen, bleibt das Geheimnis der Unterstützer.

Sollte Google News abgeschaltet werden, dürften am ehesten kleine Verlage und Blogs leiden. Sie sind auf den Traffic von Google angewiesen. Die Großen schaffen es auch anders, an Leser zu kommen. Bedauerlich, dass die EU ihre Macht nicht für sinnvolle Gestaltung des Internets nutzt – und nun einen solchen Unsinn vorantreibt.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Tja, digitaler Dilettantismus ist halt nicht auf die Bundesregierung beschränkt, die ihren Einfluss peinlicherweise dazu nutzt, den ganzen Unsinn, den sie auf diesem Gebiet produziert, auch noch in die gesamte EU zu exportieren. Insbesondere die Generation der unter 30-jährigen kann sich da wirklich nur kopfschüttelnd und – angesichts eines Anteils an allen Wahlberechtigten von gerade einmal 15% – einigermaßen hilflos fragen, von was für Vollidioten da eigentlich unser aller Zukunft – insbesondere aber die der Jungen – gestaltet wird. Wozu eigentlich überhaupt noch Demokratie, könnte man sich da glatt fragen, wenn doch am Ende in Berlin eh nur Lobbydiktatur herrscht …

  2. Mich würde es auch nicht wundern wenn Google eine eigene Zeitung oder ähnliches an den Start bringt. dann können die verlage sich an die eigene nase packen.

  3. Max Otto am

    Nach meiner Ansicht sollte das Urheberrecht weitgehend geschleift werden. Da geht es mir aber mehr um Schutz von Privatleuten und Kleingewerbetreibende gegen die Abmahnindustrie. Dann das Problem der Informationsfreiheit. Beim Besuch vom oeffentlich rechtlichen Medien in Frankreich wurde ich eben laufend vom Geoblocking genervt. Schade, dass die Piraten in Vergessenheit geraten sind.
    Bei groesseren Unternehmen sind Ausgleichszahlungen durchaus diskussionsfaehig. Allerdings kleinere Zitate sollten erlaubt bleiben, bei aller Antipathie gegen das private Spionageunternehmen Google.

    • Hallo,
      geistiges Eigentum ist nicht unbedingt Allgemeingut.
      Auch jemand der z. B. Musik komponiert muss leben. Einfach mal über den Tellerrand hinaus schauen und nicht nur die eigenen Egoichsmen pflegen.

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