Prominente Musiker fordern: Weniger Liedschnipsel im Netz

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Prominente Musiker fordern: Weniger Liedschnipsel im Netz

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Was haben Helene Fischer, Die Ärzte und Herbert Grönemeyer gemeinsam – außer, dass sie bekannte Musiker sind und umsatzmäßig zweifellos eher auf der Sonnenseite der Künstlergemeinschaft stehen? – Darauf kommt man nicht so leicht: Sie alle haben – mit zahlreichen weiteren Künstlerinnen und Künstlern – einen offenen Brief unterschrieben, in dem sie deutlich strengere Regeln im Netz fordern.

Selbst einige wenige kurze Takes aus “Atemlos”, “Bochum” oder “Schrei nach Liebe” sollen im Netz nicht mehr gespielt werden dürfen. Jedenfalls nicht, ohne dass Lizenzen gezahlt werden.

Upload-Filter müssen entscheiden: Guter Inhalt, böser Inhalt; Rechte: WDR/Sxhieb

Upload-Filter müssen entscheiden: Guter Inhalt oder schlechter Inhalt

Bundestag arbeitet an neuem Urheberrecht

Hintergrund: Die Bundesregierung ist gerade dabei, das Urheberrecht neu zu formulieren. Das ist nötig, weil die EU mit der umstrittenen Urheberrechtsreform einen Rahmen geschaffen hat, der in geltendes nationales Recht umgesetzt werden muss. Das soll noch im Mai geschehen.

Doch obwohl die EU-Richtlinie klipp und klar vorsieht, Inhalte wie Zitate oder Parodien vor automatischen Sperrungen durch Upload-Filter zu bewahren, diffamieren die Unterzeichner des offenen Briefs diese absolut sinnvolle Verbraucher-Recht als “deutschen Sonderweg”. Was völliger Unsinn ist, denn der Gesetzesentwurf entspricht ausdrücklich den Empfehlungen der EU-Kommission.

Künstler bekommen nur einen kleinen Anteil der Streeaminggebühren; Rechte: WDR/Schieb

Künstler bekommen nur einen kleinen Anteil der Streaming-Gebühren

Zitate und Parodien müssen erlaubt bleiben

“Diese Schutzvorkehrungen für legale Inhalte zu streichen, würde gegen Europarecht verstoßen”, erklärt Julia Reda, die von 2014 bis 2019 für die Piratenpartei im Europäischen Parlament saß, wo sie sich intensiv mit Urheberrecht beschäftigt hat.

Die Forderung der Musiker überrascht, denn gerade sie erhalten durchaus längst Lizenz-Zahlungen von Portalen wie Youtube oder Tiktok. Die Urheberrechtsreform stärkt eher die Rolle von Musikern: Portale sind zum Zahlen von Lizenzen verpflichtet – und es soll künftig mehr an die Künstler direkt als an die Labels fließen. Problematisch sind eher die geringen Ausschüttungen bei Streamingdiensten. Aber deshalb Fans ein Recht nehmen zu wollen, ist schon ein starkes Stück.

Keiner kann striktere Upload-Filter wollen

Mehr Blockaden, Kontrollen und Sperrungen zu verlangen, bedeutet am Ende, mehr und striktere Upload-Filter zu wollen. Aber das kann unmöglich im Sinne einer freien Gesellschaft sein. Denn mehr Upload-Filter bedeutet auch: größeres Risiko für Missbrauch.

Die Unterzeichner des offenen Briefs sollten vielleicht noch mal genau darüber nachdenken, was sie wirklich wollen. Wenn sie einen faireren Anteil an den Streaming-Einnahmen wollen – was absolut verständlich wäre -, dann sollten sie genau das in einem offenen Brief fordern. Aber nicht ein Quasi-Verbot von Lieder-Schnipseln im Netz.

So funktionieren Upload-Filter – und warum gibt es Kritik?

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Der Autor des Artikels hat scheinbar seine eigene Deutung vom bald abgeänderten Urheberrecht. Hier die Künstler zu diffamieren ist unredlich, es geht nämlich nicht darum, dass sie Song-Previews gesperrt haben wollen.

    Es geht darum, dass sie sich weigern, dass durch das Urheberrecht ihre Arbeit praktisch jeder 15 Minuten – ohne Gegenleistung – einfach nutzen dürfen soll.

    Über das Urheberrecht haben bereits Juristen der GEMA und Co. rübergeschaut und kommen alle zu genau dem Ergebnis. Intern ist man seit Februar bereits darüber mehr als entsetzt und sucht Wege das zu verhindern.

    Die Schelte des Autors gegenüber den Künstlern hier ist gepaart von fehlender Recherche, mangelnder Kommunikation und Rechtsunwissenheit.

  2. Zu dem Thema gibt es eine sehr coole, lustige, kritische Southpark-Folge ‘Christen rocken fett’

  3. Als Urheber von Bildmaterial sehe ich das ganze sehr kritisch. Die Frage ist, hilft es mir wenn ich auswandere – kann ich dann die Leute aus Deutschland verklagen, wenn das Herkunftslandprinzip gilt?

  4. Wie eine Liste künftiger Hartz4-Empfänger, liest sich das nicht gerade.
    Ups, und so viele dabei, die sich sonst ach so gerne mit den Adjektiven großzügig, liberal und offen schmücken (Lindenberg, Brings, Niedecken, Grönemeyer…). Natürlich immer nur so lange, wie es nicht um die eigene Kohle geht, gelle!?
    Unterschriftenliste abspeichern, ausdrucken und die Hiesigen künftig ignorieren (von denen keine CDs/DVDs mehr kaufen, keine Konzertbesuche etc.). Anders checken die es nicht!
    Vielleicht sollte man Xavier N., den Wendler u.ä. dazu bewegen, dort auch zu unterschreiben. Mit denen will ja schließlich niemand mehr gemeinsame Sache (von wegen quer, rechts und so) machen, somit sicher auch nicht auf einer gemeinsamen Interessenvertretungsliste erscheinen, und der Spökes hätte vielleicht schnell ein Ende, oder ist das dann mal wieder ganz was anderes? ;-)

  5. Johann Moritz am

    “Die Unterzeichner des offenen Briefs sollten vielleicht noch mal genau darüber nachdenken, was sie wirklich wollen.” Ist doch ganz klar: Sie wollen im Internet nirgends mehr gespielt oder gehört werden. Von niemandem.

    Wer sind wir, daß wir uns gegen diesen Wunsch stellen? Ihr wollt es, ihr kriegt es.

  6. Ganz ehrlich, der Horror des Copyrights geht immer weiter. Es ist mir sowieso fraglich, wieso man nicht in Europa und Deutschland ein Fair Use-Gesetz hat, ähnlich wie in Amerika. Es kann doch nicht sein, dass man fast gar nichts mehr darf.

    Künstler, die fast nichts mit ihrer Musik verdienen, verhalten sich erwachsener als diese Millionäre, denen so ein Video mit ihrer Musik in irgendeiner Weise gar nicht wehtut. Man kann nicht laut Kunstfreiheit rufen und im nächsten Atemzug andere Künstler, die aus den Medien ganz neue Inhalte erschaffen, beschränken und ihnen fast alles verbieten.

    Komischerweise schaffen es diese Millionäre aber dann trotzdem wieder Texte zu klauen, weil klar – das ist dann in Ordnung. Ich hoffe wirklich darauf, dass man irgendwann wieder auf den Boden der Tatsachen kommt und diesen Gierigen mit einer Fair Use-Verordnung endlich den Boden unter den Füßen wegzieht. So viele kleine Künstler sind unglaublich froh über jede Art von Kunst, die aus ihrer eigenen Kunst erstellt wird, gerade im Internet erleben wir eine Blüte solcher kreativen Inhalte.

    Kunstfreiheit ist auch, oder sollte zumindest, die Freiheit sein, dass man aus anderer Kunst neue Kunst erstellen darf und jederzeit kann. Und das man dafür nicht erst 70 Jahre warten muss, bis der Original-Künstler schon lange nicht mehr lebt.

  7. Hennig Wichmann am

    Das Urheber- und Patentrecht würde ich weitgehend schleifen, da bin ich im wesentlichen auf Linie der Piratenpartei.

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