Reface App: Sei doch auch mal ein Superstar…

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Reface App: Sei doch auch mal ein Superstar…

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Wir haben hier in Digitalistan schon öfter über die enormen Fortschritte im Bereich der Deep-Fake-Videos berichtet: Gemeint ist damit, wenn Künstliche Intelligenz (KI) Videos derart geschickt verändert, dass sie zwar realistisch aussehen, aber doch nur Fake sind.

Etwa dann, wenn eine prominente Person wie Barack Obama in einem Deep-Fake-Video plötzlich ganz andere Dinge sagt als im Original-Video. Oder sogar Dinge ausspricht, die sie so noch nie gesagt hat. Oder wenn die Mimik verfremdet wird. Es gibt heute viele Möglichkeiten.

Reface App ersetzt Gesichter in Videos und GIFs; Rechte: WDR/Schieb

Reface App ersetzt in Sekunden Gesichter in Videos und GIFs

Deep Fakes werden zur Popkultur

Bislang waren solche Deep-Fake-Videos aber etwas fürs Experten: Nur Fachleute mit Zugriff auf leistungsfähige Rechner und KI-Software konnten solche Videos herstellen. Das hat sich jetzt geändert: Die App “Reface” erstellt auf Wunsch Deep-Fake-Videos – in Sekunden und auf dem eigenen Smartphone. Damit ist die Deep-Fake-Technologie endgültig in der Popkultur angekommen. Jeder kann Deep-Fake-Videos erstellen – für kleines Geld (die App lässt sich drei Tage lang kostenlos nutzen, danach werden Gebühren fällig).

Reface geht bei den Download-Zahlen aktuell durch die Decke – sie gehört zu den populärsten Apps im App-Store und im Google Play Store. Wer die App lädt, kann ein Selfie von sich machen – und sein Gesicht in kurze Videosequenzen einbauen. Einmal wie der King of Pop Michael Jackson den Moonwalk tanzen. Oder in bekannten Filmszenen auftauchen: Ein Tippen mit dem Finger, und das eigene Gesicht ist in “Game of Thrones” zu sehen – oder in einer Filmszene von Quentin Tarantino.

Mein Kopf in eine Filmszene von Quentin Tarantino mntiert; Rechte: WDR/Schieb

Mein Kopf in eine Filmszene von Quentin Tarantino montiert

App montiert Gesicht in vorbereitete Videos

Die Reface App bietet Hunderte von kurzen Videosequenzen an, in die User ihre Gesichter reinmontieren lassen können. Ich will nicht behaupten, das Ergebnis sähe perfekt aus – aber doch erstaunlich gut. Gut genug jedenfalls, um einen “Wow”-Effekt zu erzielen – und ein wenig Aufmersamkeit zu bekommen. Und Aufmerksamkeit ist die wichtigste Währung in den Sozialen Netzwerken.

Die werden in den nächsten Tagen und Wochen überflutet werden von solchen wenige Sekunden langen Deep-Fake-Videos. Freunde stehen auf der Bühne, wirken in Filmen oder Games mit (oder sogar Comics – aber das sieht total verrückt und unglaubwürdig aus). Die Reface-App macht’s möglich.

Mit wenig Aufwand landet das eigene Gesicht in berühmten Szenen – und das lässt sich als GIF teilen

Der Effekt wird sich abnutzen

Der Überraschungseffekt wird sich schnell legen, wenn sich die Community erst mal “satt” gesehen hat. Aber die App macht deutlich, wohin die Reise geht: KI ist heute schon so weit, dass sie mit wenig Aufwand und zu geringen Kosten Deep-Fake-Videos erstellen kann. Sicher werden schon bald professionellere Werkzeuge für erfahrenere Anwender zur Verfügung stehen – etwa als Erweiterungen für Schnitt-Software wie Premiere oder Finalcut X Pro.

Spaß bringt das auf alle Fälle. Aber es gilt auch das, was ich an dieser Stelle immer wieder sage: Wir dürfen unseren Sinnen nicht mehr trauen. Alles kann ein Fake sein.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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