Smartphone-Hersteller pfeifen auf Nachhaltigkeit

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Smartphone-Hersteller pfeifen auf Nachhaltigkeit

Kommentare zum Artikel: 9

Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona zeigt es eindrucksvoll: Die Hersteller überschlagen sich mit Ideen für neue Modelle – vor allem im oberen Preisspektrum. Klar. Keine Idee scheint zu aberwitzig: Klappbare Handys, knickbare Displays, Smartphones mit fünf(!) eingebauten Kameras oder extrabreite Handys, damit man sich Kinofilme auch unterwegs anschauen kann.

Mit irgendeinem Trick bekommt man doch jeden geködert, oder? Wichtigstes Ziel: Möglichst viele Menschen zum Kauf eines Zweit-Handys zu animieren – oder dazu, den alten Knochen, der nach 10 Monaten doch wirklich die besten Tage gesehen hat, möglichst rasch zu ersetzen. Begehrlichkeiten verführen zum Kauf.

Es ist besser, wenn man Handys reparieren kann; Recjte: Fairphone

Es ist besser, wenn man Handys reparieren kann

125 Millionen Altgeräte in Deutschland

Doch der mittlerweile aberwitzige Smartphone-Konsum (man kann es nicht anders nennen) hat seinen Preis. Vor allem für die Umwelt. Sie leidet, wenn wir neue Smartphones kaufen. Allein in Deutschland gehen 24 Millionen Geräte pro Jahr über die Ladentheke. Mit jeder Menge (für uns unsichtbaren, aber für den Betrieb dringend benötigte) Edelmetallen im Inneren – und giftigen Werkstoffen, die sich nur schwer entsorgen lassen.

Doch darüber macht sich kaum jemand Gedanken. Nur das Fairphone achtet konsequent auf Nachhaltigkeit. Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass 125 Millionen Altgeräte in den Haushalten rumfliegen. Das sind mal eben locker vier Tonnen Gold, 38 Tonnen Silber und mehr als 2.000 Tonnen Kupfer. Die lagern in Schubladen! Doch intelligente Systeme zur Wiederverwertung älterer Geräte gibt es nicht. Auch keine überzeugenden Recycling-Systeme. Eine aktuelle Studie belegt eindrucksvoll, dass in der IT-Wirtschaft insgesamt viel zu wenig für die Nachhaltigkeit getan wird.


Das Konzept der Hersteller hat keinen Platz für Nachhaltigkeit/em>

Umweltministerin soll sich stärker engagieren

Man kann jetzt auf die Verbraucher schimpfen, die ständig nach neuen Geräten gieren. OK. Aber eine viel gößere Verantwortung haben Hersteller und Politik. Die Deutsche Umwelthilfe fordert unsere Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf, endlich aktiv zu werden. Etwa, indem Systeme steuerlich gefördert werden, die eine Wiederverwertung, Rücknahme und ein Recycling ermöglichen. Altgeräte sollten länger genutzt werden – wirklich nicht mehr verwendbare verlässlich recycelt.

Vor allem aber sollten die Hersteller dafür sorgen, dass sich defekte Geräte kostengünstig reparieren lassen. Akkus sollte man austauschen können. Könnte man für selbstverständlich halten – ist es aber nicht, wie wir alle aus leidvoller Erfahrung wissen. Reparaturen kosten in der Regel ein kleines Vermögen – wenn sie überhaupt möglich sind.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. T.Büchel am

    Lieber Herr Schieb,
    was mich viel mehr ärgert ist das zunehmende Diktat der Digital-Industrie was Software-Anforderungen und Unterstützung angeht. So nutze ich ein Apple-Produkt seit über 10 Jahren, dessen Hardware bis auf kleine Macken immer noch gut funktioniert und dessen Software-Angebot für einen ursprünglich anlalog geborenen Menschen völlig ausreicht. Leider werden die Nutzunsgmöglichkeiten zunehmend eingeschränkt, da es schon lange keine Systemunterstützungen für Programe, Browser etc. für dieses Modell mehr angeboten werden. Eigentlich könnte man das Gerät noch viel länger nutzen aber diese sekten-ähnliche Firma aus Kalifornien duldet wohl ökologische Verhaltensweisen.

    • Das ist ein sehr guter Punkt!! Es gibt deshalb die berechtigte Forderung, dass Hersteller verpflichtet sein sollten, die verkauften Geräte für einen Lebenszyklus vollständig mit Software, Updates, Ersatzteilen, Reparatur etc. zu unterstützen, damit es keinen zusätzlichen Sachzwang gibt, ein Gerät zu ersetzen.

  2. P. Gedoehns am

    Auf der einen Seite sind es die Hersteller von diesem kurzlebigen Schrott und auf der anderen Seite sind es die Konsumenten, die diesen Wahnsinn mitmachen. Muss man ein neues Smartphone für jede neue Spielerei, für jede neue Mode oder zur angeblichen Persönlichkeitsaufwertung kaufen?
    Ich denke, dass muss nicht sein. Viel mehr sollten die Menschen lernen, ohne ihren Stasi-Agenten in der Tasche zu leben. Sie sollten sich darüber bewusst werden, dass diese Geräte nicht ihnen dienen, sondern sie den Herstellern, Netzbetreibern und diversen Datenkraken, die restlos alles über sie wissen wollen. Hinter dieser vermeintlichen Spielerei steckt ein ernster und für meinen Geschmack teuflischer Hintergrund. Hinzu kommt, dass die Gehirne der Menschen verkümmern, wenn sie dem Smartphone das Erinnern und sogar das Denken überlassen. Ob verblödete Menschen vielleicht sogar gewollt sind, damit sie besser konsumieren oder leichter steuerbar sind, um noch immer den Einheitsbrei zu wählen, lasse ich mal dahingestellt.
    Wer wirklich Ressourcen und sich selber schonen will, dem empfehle ich, sogar vollständig auf das Smartphone zu verzichten. Dass es funktioniert, kann ich bestätigen.

    • @Wer wirklich Ressourcen und sich selber schonen will, dem empfehle ich, sogar vollständig auf das Smartphone zu verzichten. Dass es funktioniert, kann ich bestätigen.

      Na toll!

      Heute von meiner Bank die Nachricht bekommen, dass die Papier-
      TAN zum 30.06. abgeschaltet wird.

      Ich habe eine Windows 10 Mobile

      Nach Fragen?

      • P. Gedoehns am

        Sie vergleichen einen etwa alle zwei Jahre versandten Papierzettel mit elektronischen Geräten, die Edelmetalle und sonstige Rohstoffe enthalten. Statt TAN-Block habe ich einen langlebigen Photo-TAN-Generator, der an meinem PC-Monitor eine TAN generiert und dafür kein Smartphone und auch kein neugieriges Windows 10 benötigt. Noch Fragen?

        • DollyToll am

          Nein, der ‘Zettel’ ist vom letzten Winter, und Ihr Gerät ist wohl aus Luft und Liebe hergestellt, dass nicht mit nachhaltigem Marketing-Geschwätz beworben wurde. Na toll! Dann wünsche ich ihnen, dass Ihre Bank auch das ihrige TAN-Verfahren nachhaltig anbietet! Und was kostet die Bestätigungs- SMS?

          • P. Gedoehns am

            Der TAN-Generator ist im Gegensatz zum Smartphone langlebig und vor allem offline. Das SMS-Verfahren kommt für mich nicht in Frage, weil es viel zu unsicher ist.

  3. Off-Leiner am

    “Doch der mittlerweile aberwitzige Smartphone-Konsum (man kann es nicht anders nennen) “:
    Doch, kann man: Bei Alkohol und Nikotin nennt man es zum Beispiel ABUSUS.
    Paßt exakt: Smartphoneabusus.
    Und zwar nicht nur bezogen auf die Hardware, sondern auf ihren Mißbrauch als ernstzunehmende DROGE.

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