Sogar interner Bericht belegt: Facebook schützt die Falschen

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Sogar interner Bericht belegt: Facebook schützt die Falschen

Kommentare zum Artikel: 3

Das Ergebnis der über zweijährigen Untersuchung ist eine schallende Ohrfeige: Facebook stelle die Meinungsfreiheit über die Bürgerrechte und sogar gegen den Schutz vor Diskriminierung. Was alle wissen, das hat Facebook jetzt Schwarz auf Weiß.

Mark Zuckerbergs Konzern hat den Bericht nicht nur selbst in Auftrag gegeben, sondern nun auch veröffentlicht. Was Lob und Anerkennung verdient, da das Ergebnis der Untersuchung wirklich alles andere als schmeichelhaft ist.

Mark Zuckerberg in seinem Netzwerk; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg beschwört wie ein Mantra die Meinungsfreiheit – und ignoriert dafür alles andere

Bürgerrechte sträflich vernachlässigt

Dem Abschlussbericht geht eine unabhängige, zweijährige Untersuchung von Facebooks Richtlinien und deren Umsetzung voraus. Die Autorinnen und US-Bürgerrechtlerinnen Laura Murphy und Megan Cacace von der Anwaltskanzlei Relman Colfax bescheinigen dem “f”-Netzwerk, bei weitem nicht genug für den Schutz der Nutzerrechte zu tun. Laut Bericht gibt es sogar “signifikante Rückschritte für die Bürgerrechte”.

Klare Ansagen. Im Grunde müssten wir uns alle aus dem Netzwerk verabschieden. Die Politik hat in der Vergangenheit kaum etwas erreicht.

Mark Zuckerberg wiederholt wie ein Mantra, er wolle die Meinungsfreiheit nicht beschneiden – und redet sich so raus. Er will keine Verantwortung übernehmen und erst recht nicht die Kosten tragen, aus seinem Netzwerk einen angenehmen Ort zu machen.

Werbekunden bedrängen Facebook; Rechte: WDR/SchiebDer aktuelle Werbeboykott kostet Facebook Milliarden

Lasst Dollars sprechen – dann reagiert Facebook

Doch nun laufen ihm die Werbekunden davon. Das bedeutet Milliarden an Einnahmeverlusten. Nun plötzlich passiert etwas: Vor einigen Tagen hat Facebook Dutzende Konten und Chat-Gruppen von rechten und rechtsradikalen Gruppierungen in den USA geschlossen.

Selbst politiknahe Akteure müssen nun mit Beschränkungen rechnen. Das Netzwerk hat jetzt sogar Accounts geschlossen, die Mitarbeitern des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro gehören. Auch Konten von Roger Stone, Ex-Berater des US-Präsidenten Donald Trump, hat Facebook nun entschlossen gesperrt.

Politischer Druck bisher wirkungslos

Gute Argumente bringen bei Facebook nichts. Die Bemühungen von Bürgerrechtsverbänden verpuffen bei Facebook. Selbst politischer Druck ist bei Facebook weitgehend wirkungslos.

Einnahmeverluste durch den Werbeboykott ist die einzige Sprache, die Mark Zuckerberg und sein Team verstehen und respektieren. Wie armselig.

Facebook-Chefin Sheryl Sandberg behauptet in einem Posting, das alles würde nicht aufgrund des Werbedrucks geschehen, sondern “weil es das Richtige ist”. Wer soll das denn bitte glauben?

Hintergründe über den Werbeboykott

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Man könnte natürlich auch Facebook verwirren, indem man der Seite falsche Infos gibt. So lässt sich Facebook in Firefox im privaten Modus oder in einer abgetrennten Session aufrufen.

  2. Tim Neubert am

    Warum rufen die User nicht auch zum Boykott auf? Jeder FB Nutzer kann Werbung verbrennen. Dinge liken, kommentieren Warenkörbe füllen (natürlich niemals kaufen). Lasse ein Retargeting zu. Nutze Deine Möglichkeiten, um auch zu demonstrieren, das FB
    endlich seine Verantwortung erkennt und etwas dagegen unternimmt. Eigentlich erkennen sie es, aber das sind Eingriffe in das Geschäftsmodell. Dann muss es eben Eingriffe dort geben.
    Im Moment will es Mark einfach aussitzen. So selbstgefällig zu sagen die kommen schon wieder.
    Das sagt alles über FB aus.

  3. Carsten Mohr am

    Wir haben auch einmal eine Community “betrieben”, vor 14 Jahren für mehrere Jahre und mit über 10.000 Mitgliedern, davon gut 500 aktive. Chats sind ein schwieriges Feld, Postings erst recht. Ich will Facebook nicht in Schutz nehmen, aber wo soll die Differenzierung bei den Posts beginnen, wo nicht. Wer darf Richter sein, was ist noch konform und was nicht mehr. Diese Fragen lassen sich nicht zweifelsfrei beantworten. Der freien Meinungsäußerung wird sehr viel Raum gegeben, Stichwort: “Polizisten auf den Müll”.
    Wie sollte eine bessere Plattform aussehen? Welche verbindlichen Regeln sollten gelten? Wer setzt sie wie durch. Welche Rechte habe ich, wenn ich meine, ungerecht behandelt worden zu sein…
    Wer diese und viele andere Fragen eindeutig und einvernehmlich mit allen beantworten kann, ist sicher ganz weit vorne. Aber bis dahin muß man sie damit wohl begnügen…

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