Tracking oder Abo: Max Schrems legt Beschwerde ein

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Tracking oder Abo: Max Schrems legt Beschwerde ein

Kommentare zum Artikel: 11

Wer sich online mit gut recherchierten Artikeln versorgen möchte, findet im Netz ein breites Angebot. Die meisten Artikel sind kostenlos zu haben. Werbung im Umfeld bringt den Anbietern und Verlagen einen gewissen Umsatz. Doch damit die Anzeigen erscheinen und die nötigen Tracker installiert werden dürfen, müssen Userinnen und Usern zustimmen – gleich zu Beginn der Session. So will es die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung).

Max Schrems ist Datenschützer - und immer wieder erfolgreich mit seinen Anliegen; Rechte: WDR/Schieb

Max Schrems ist Datenschutz-Aktivist

Tracker akzeptieren – oder Abo abschließen

Doch bei einigen Verlagen sehen die Cookie-Banner anders aus, als wir sie sonst kennen: Die Besucher haben nicht die Wahl zwischen „Akzeptieren“ und „Ablehnen“ der Cookies, sondern zwischen „Werbung und Tracking akzeptieren“ – und „Abo abschließen“. Spiegel, FAZ, heise.de, ZEIT – alle Großen machen es so.

Ich persönlich habe großes Verständnis für die Verlage: Die aufwendig recherchierten Artikel und sorgsam gemachten Fotoaufnahmen müssen schließlich irgendwie bezahlt werden. Werbung und Tracker akzeptieren auf der einen Seite und kostenpflichtiges Abo abschließen auf der anderen Seite – das scheint mir in der Sache eine faire Wahl zu sein.

Doch die DSGVO sieht vor, dass die Zustimmung zu den gesetzten Cookies (und damit dem Einsatz der Tracker) freiwillig erfolgen muss. Stellt sich die Frage: Ist es eine freiwillige Entscheidung, wenn ich nur zwischen kostenlos und kostenpflichtig entscheiden kann?

Cookie Banner nerven zwar, erfüllen aber einen sinnvollen Zweck; Rechte: WDR/Schieb

Cookie Banner sind immer wieder ein Streitpunkt

Max Schrems reicht offizielle Beschwerde ein

Der österreichische Datenschutz-Aktivist Max Schrems (hier in einem Interview für Angeklickt) hat dazu eine eindeutige Haltung: Seine Organisation hat jetzt eine offizielle Beschwerde gegen diese Praxis eingereicht – und nennt dabei sechs deutsche Nachrichtenportale. Schrems‘ Argument: Die Nutzer könnten sich, anders als in der DSGVO vorgesehen, nicht frei entscheiden, sondern müssten ein Abonnement abschließen, wenn sie nicht einwilligen wollten. Nach Ansicht des Datenschützers ein Verstoß gegen das sogenannte Kopplungsverbot.

Die Portale argumentieren hingegen, sie hätten die Bedingungen in enger Zusammenarbeit mit Datenschutzbehörden entwickelt.

Mag sein – aber das muss nichts heißen. Die Vorgehensweise gerichtlich klären zu lassen – möglicherweise sogar vor dem Bundesverwaltungsgericht – ist daher eine gute Idee. Um Klarheit für alle zu schaffen.

DSGVO sollte anders formuliert sein

Denn leider ist die DSGVO nicht sauber genug formuliert. Generell muss man sagen: Man wollte die Großen treffen (Google, Facebook und Co.) – doch den Ärger haben alle anderen.

Viel besser wäre eine DSGVO, die schlichtweg das Datensammeln verbietet – oder an strenge Bedingungen knüpft. Wenn sich die großen Konzerne die Zustimmung holen oder wenigstens jederzeit eine Widerspruchsmöglichkeit vorsehen müssten, dann müssten nicht Millionen Webseitenbetreiber mit der DSGVO kämpfen.

https://vimeo.com/423558561

So funktionieren Cookies

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Kommentare

  1. Werbung, insbesondere die Blinkebanner nerven extrem. Genau deshalb blocke ich Werbung. Außerdem, wenn mich nur ein Artikel interessiert und ich den nur einmal lesen will ist ein Abo übertrieben. Wenn Verlage keine Möglichkeit geben Inhalte für sagen wir einen Cent zum Lesen freizuschalten müssen die halt darauf verzichten.

  2. Callahan am

    Der beste Werbe-, Tracking-, Spyware- usw. Blocker ist das Deaktivieren von Javascript.
    Mein Pihole zeigt mir von den Rechnern, auf den Javascript äußerst restriktiv aktiviert ist nur sehr, sehr wenige Treffer.
    Das Log der Rechner, auf denen Javascript immer aktiv ist, ist voll von geblockten Seiten.

  3. Wenn wir das mit Umweltschutz, Oeko, usw ernst nehmen dann ist es zwingend notwendig Werbung komplett zu verbieten. Die Entscheidung von Menschen etwas neues zu kaufen muss aus einem persoenlich erlebten Mangel kommen und darf nicht extern geweckt werden. Die Welt wird nicht gerettet wenn Autos mit Strom fahren, aber man dasselbe Erdoel als Produkte verkauft die man dann 5Jahre spaeter beim recycling verbrennt.
    Absolut nichts ist das so schaedlich wie Werbung.

    1. Werbung funktioniert. Dann kaufen Leute etwas das sie sonst nicht gekauft haetten.

    2. Werbung funktioniert nicht. Dann ist das Gehalt der Menschen die in der Werbung arbeiten verschwendet und nichts ist wichtiger wie ein hoher Systemwirkungsgrad.

    3. Werbung finanziert indirekt Dinge die wir schaetzen. (z.B Google, Facebook, usw) Firmen richten aber ihr Angebot nach dem aus der sie bezahlt nicht nachdem Nutzer. Gerade bei der Presse ein grosses Problem. Wuerden wir alle Google direkt finanzieren waere der Laden erheblich kundenfreundlicher.

    Im uebrigen, Firmen wie Spiegel, Heise, usw haetten ja nichts ins Internet gehen muessen oder? Sie koennen auch einfach eine Seite machen wo sich jeder einloggen muss oder nichts sieht. Ist doch kein Problem. Wollen sie wohl nicht. Und nebenbei gesagt, qualitaetive Artikel und Bilder bei sowas wie spiegel online? Das ist doch wohl ein Witz. Wenn ich qualitativen Journalismus sehen will dann schaue ich im TV die wiederholung der Tagesschau von vor 25Jahren an.

    Olaf

    • Diese Sicht ist ein wenig zu vereinfacht.

      Bei Werbung zur Bedarfsweckung bin ich bei Ihnen.

      Werbung zur Information das man etwas anbietet z.B. eine Dienstleistung anbietet ist nötig. Dienstnehmer und Dienstleister müssen ja irgendwie zueinander finden. Und natürlich bin ich als Dienstleister von mir überzeugt und biete eine bessere Leistung als andere. Das möchte ich auch entsprechend vermitteln.

      Und natürlich muss Spiegel, Heise und Co in das Internet gehen. Das papiergebundene Geschäft ist stark rückläufig. Nur ein Abo-Modell und sonst nichts, würde auch zu wenig akzeptiert. Also müssen die Verlage auch „freie“ Inhalte bieten, sonst wird der Laden geschlossen. Wer das befürwortet, bitte schön, der gehe persönlich zu den Verlagsmitarbeitern und vertritt seine Meinung.

      Wo ich wieder bei Ihnen bin ist, dass wenn man freie Inhalte bietet, auch einfachst die Option anbietet diese ohne Tracking zu lesen. Es ist an den Anbietern zu vermitteln, das die zahlungspflichtigen Inhalte es auch Wert sind bezahlt zu werden. Kein indirekter Zwang zur Zahlung durch Tracking.

      Übrigens am Ende sind es auch extrem stark die Endkunden, welche diesen Trend herbeigeführt haben. Wer Qualität will kommt nicht umhin etwas dafür zu zahlen. Und Hand aufs Herz, wieviel Leute kennen Sie die ein Abo einer seriösen Zeitung abgeschlossen haben (gleich ob digital oder auf papier) ?

  4. Im Artikel und in den Überlegungen sowie auch in der Begründung wird ein Aspekt vergessen:
    Werbung lässt sich auch ohne Tracking platzieren.
    Die DSGVO ist sehr gut formuliert und muss auch nicht angepasst werden. Die Firmen verstoßen gegen die DSGVO weil sie wissen, dass die deutschen Behörden nur langsam etwas tun können (eine Datenschutzbeschwerde durchzuziehen dauert teilweise mehrere Jahre) und weil die Behörden und Juristen nicht konsequent sind bei dieser Art von Verstoß. Es lohnt sich für die genannten Verlage schlichtweg gegen die DSGVO zu verstoßen, weil der Gewinn auf Zeit gerechnet höher ist als die Kosten für Strafe und evt. Verluste durch Trackingfreie Werbung.
    Es empfiehlt sich daher, die Websites der Verlage einfach nicht mehr zu besuchen. Die Informationen gibt es auch anderorts.
    Viele Grüße

    • Jörg schieb am

      Nun, natürlich lässt sich Werbung ohne Trafker platzieren. Aber dann ist sie nicht mal ansatzweise so präzise wie wenn Tracker aktiv sind. Und selbstverständlich kann jederAdBlocker einsetzen, um Tracker zu blockieren. Ich meinte: es wäre sinnvoller, die großen zu belangen, die Gesetze so zu formulieren, dass die großen eingeschränkt werden, und nicht die Million Webseiten Betreiber.

  5. Wenn ich bezahlen soll will ich den Preis wissen, egal ob Euro und Cent oder persönliche Daten. So oder so unterschreibe ich keinen Blankocheck. Mit Werbung habe ich keine Probleme, selbst wenn eine Seite damit zugekleistert ist könnte das für mich akzeptabel sein. Aber einfach mal die die Haustür auflassen für Spione im Browser kann man vergessen.
    Im Browser habe ich als Türschloss Blocker für Cockies, Tracker und Scripte und da erlaube ich höchst selten mehr als die Vorgabe, meist blocke ich mehr als vorgeschlagen.
    Einen Werbeblocker habe ich nicht im Einsatz. In der Stadt ist die Leitung schnell genug auch wenn mal die Werbeplakate ein wenig größer sind. Auf dem Land mit langsamen Leitungen wäre auch das geblockt.
    Im echten Leben könnte man das mit Plakatwänden und Neonreklame vergleichen. Müsste ich vor passieren der Einkaufsstraße mir einen Peilsender und einen Eye-Tracker anheften lassen, würde ich diese Geschäfte umgehen und das auch noch mit schlimmen Worten kommentieren.
    Werbung als Preis ohne Spionage akzeptiere ich,
    Tracking als Preis auf keinen Fall;
    Null Umsatz bei mir, wenn man zu neugierig ist egal wer und warum.
    @„Spiegel, FAZ, heise.de, ZEIT – alle Großen machen es so.“
    Dann sind eben Spiegel, FAZ, heise.de und ZEIT für mich gestorben,
    Egal ob Max Schrems gewinnt oder verliert,
    diese „Großen“ haben mich verloren.

  6. Carsten Mohr am

    „ie Vorgehensweise gerichtlich klären zu lassen – möglicherweise sogar vor dem Bundesverwaltungsgericht – ist daher eine gute Idee.“
    Das finde ich auch. Denn entweder kostenfrei oder nicht (Abo). Aber nicht gegen Tracking. Ein Abo wäre auch schon Tracking, alleine wegen der Session-Verwaltung und der oft von Google und Co. zur Verfügung gestellten, „kostenfreien“, Schrifttypen.
    Aber ein Wort zu den berühmten hochwertigen Inhalten. Wenn hunderte im Netzt den gleichen Inhalt (Artikel) verbreiten, daneben aber haufenweise Blink-Blink-Werbung erscheint, im Browser der Text während des Lesens verspringt, dann geht meine Lust, solche Seiten zu besuchen, sowieso gegen Null. Ich muß auch nicht alles wissen. Denn das 1.000ste Pfannenkuchenrezept mit vielleicht Rosinen oder sonstige Ekeligkeiten muß ich nicht wirklich haben und dies als hochwertigen Content zu bezeichnen, fällt mir schwer. Das gilt für sehr viele „Artikel“.
    Sicher, was interessiert, suchen die Redaktionen aus und prägen damit eine vermeintliche Aktualität dieses Themas. Aber ist das so?

    • Jörg Schieb am

      Wir sprechen hier von ZEIT, Spiegel, Heise und einigen anderen — die stehen nicht unbedingt im Verdacht, völlig austauschbare Inhalte anzubieten – ganz im Gegenteil!

      • Carsten Mohr am

        Gerade Heise habe ich jahrzehntelang abonniert und vor 4 Jahren gekündigt, weil es immer mehr zur Wewrbeplattform der Hersteller wurde. Berichte über tolle neue Produkte ohne echtem Tiefgang. Dazu viel viel wirklich uninteressantes. Das PLUS-Angebot von Heise ist in vielerlei Hinsicht auch fraglich. Einzig bleibt Heise seinem Motto wohl treu und vergibt keine Noten für Produkttest, wohl aber „+“ und „-„. Die zeiten, wo Heise über den (Mi?)Erfolgt von Produkten durch Produkttests entscheiden konnte, sind glücklicherweise vorbei. Heise als „Freie Presse“ zu bezeichnen, wäre ehrlichgesagt vielzuviel der Ehre.
        Für die anderen kann ich nicht sprechen. Aber die Eingeblendete Werbung drumherum vermittelt auch, welchen Stellenwert hier viele Informationen haben. Und wenn von DPA etc. die Vorlagen kommen, hat das nichts mit Journalismus des einzelnen Verlages zu tun.

    • André S. am

      Es ist schon abartig, was man alles versucht. Ich verstehe bis heute nicht den Sinn und Nutzen dahinter. Ich mein klar, ich weiß wozu Tracking sinnvoll ist. Aber hat jemand jemals passende und sinnvolle Werbung gesehen, die durch tracking eingeblendet wurde? Kein Wunder, dass die Seiten regelrecht zu gekleistert werden. Aber gut, warum sollte man sich auch Gedanken über bessere Lösungen machen? Es wäre so einfach passende Werbung ohne Cookie Tracking anzuzeigen. Aber nein, jeder andere macht das auch. Alle scheinen allerdings so wenig daran zu verdienen, dass es nur noch Redakteure und kaum Journalisten gibt. Im Grunde ist doch alles nur noch Copy&Paste und für die Bilder zahlt man fix 10€. Wobei natürlich entsprechende Abos für noch weniger Geld vorhanden sind.

      Wie in vielen anderen Bereichen arbeitet man einfach nur noch daran mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld zu verdienen. Dass man allerdings mit ein wenig mehr Arbeit deutlich mehr verdient, sieht keiner. Weil wegen kostet Geld und so.

      Ich hatte mal ein Plugin installiert und ein paar Tage laufen lassen. Über 40.000 Cookies wurden aufgezeichnet. Schon pervers, wenn man bedenkt, was für Schrott dabei raus kommt. Wenn es wenigstens sinnvoll wäre, dann wäre mir das sogar egal… Aber Fehlanzeige.

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