Twitter führt eine besondere Art von Pay Wall ein

https://blog.wdr.de/digitalistan/twitter-fuehrt-eine-besondere-art-von-pay-wall-ein/

Twitter führt eine besondere Art von Pay Wall ein

Kommentare zum Artikel: 1

Während Facebook, Instagram und last not least auch TikTok ständig wachsen und unentwegt neue Sachen ausprobieren, ist Twitter eher behäbig unterwegs. Wie ein VW Käfer: Am Design ändert sich nicht, am Innenleben auch nicht – aber wer damit unterwegs, kommt zuverlässig ans Ziel. Twitter läuft und läuft und läuft …

Neue Features wie die Twitter Fleets sind nur ein paar Tage interessant – und danach auch schon wieder vergessen. Doch jetzt hat Twitters Chefetage einige neue Funktionen angekündigt, um die Umsatzzahlen explodieren zu lassen … Oder, um es im Silicon-Valley-Sprech zu sagen: Neue Funktionen, die der Twitter-Community eine völlig neue User Experience bescheren.

Einmal tippen - und zum zahlenden Fan werden; Rechte: WDR/Schieb

Einmal tippen – und zum zahlenden Fan werden

Super Follows: Content, der nur bei Bezahlung zu sehen ist

Schon bald soll es auf Twitter “Super-Follows” geben. So nennt sich eine neue Methode, exklusiven Inhalt auf Twitter zu monetarisieren – sprich: zu Geld zu machen. Kreative (oder Verlage) sollen über Twitter Geld einwerben können. Wer ein Angebot unterstützen möchte, bucht die “Super Follows” des Kanals – und bezahlt dafür. Als Beispiel wird 4,99 EUR im Monat angegeben.

Wer sich zum spendierfreudigen Follower erklärt, bekommt dann Dinge zu sehen, die der nicht zahlenden Allgemeinheit verborgen bleiben. Exklusive Tipps vielleicht, Newsletter für die Fangemeinde, hochwertiger Content. Und das gute Gefühl, jene kreativen Köpfe oder Anbieter zu unterstützen, denen man als User gerne folgt.

Twitter will attraktiver für Kreative sein

Twitter möchte nicht länger im Schatten stehen. Während sich erfolgreiche Youtuber über sprudelnde Werbeeinnahmen freuen und sich Influencer auf Instagram über Marketing-Gagen finanzieren, gibt es auf Twitter keine Anreize. Keine Beteiligung an den Werbeeinnahmen. Kein Umfeld, in dem sich Kreative – die am Ende auch Geld verdienen wollen oder müssen – sehr wohl fühlen.

Wenn die “Super Follows” kommen, ändert sich das womöglich. Eine einfache Methode, einige Lieblings-Tweets mit geringen Beträgen zu unterstützen – abgewickelt über Twitter. Wie hoch der Anteil sein soll/wird, den Twitter einbehält, ist bislang nicht bekannt. Gewöhnlich ist es ein Drittel – also alles andere als unerheblich.

Twitter Fleets: Nach 24h sind die Nachrichten verschwunden – nach einer Woche war die Idee vergessen

Weniger Werbung – das ist immer gut

Doch das System hat eine Menge Vorteile: Die User werden nicht mit noch mehr Werbung zugemüllt – wie bei Youtube oder Facebook -, sondern können ganz konkret entscheiden, dass sie jemanden unterstützen wollen (und das, ohne Mitglied bei einem anderen System wie Patreon oder Steady werden zu müssen).

Ich denke: Das ist sympathisch  – und kann funktionieren. Wenngleich ich befürchte, dass die meisten weiterhin annehmen, dass alles kostenlos zu sein hat im Netz. Aber möglicherweise ändert sich diese Sichtweise – wenn dafür der Content stimmt und die Werbung nicht überhandnimmt.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. Carsten Mohr am

    In dem Punkt she ich eigentlich das große Problem. Wenn jeder eine eigene Pay Wall aufbaut und ich (theoretisch) hunderte Abos unterhalten sollte, um an viele Informationen zu kommen, wird es teuer, unübersichtlich und wahrscheinlich auch sehr ineffizient.
    Ich denke wirklich, man sollte eher wie einen großen Topf füllen und daraus dann nehmen können, meinetwegen nach einem Credit-System, wo dann Beiträge ein paar Cent kosten.
    Heise+ ist z.B. eine Pay Wall, und ich bin doch nicht so trottelig, und bezahle für Productplacement noch Geld. Das habe ich seit 1986 bis 2017 gemacht, weil ich deren Heft abonnierte. Teuer, keinen Mehrwert mehr und nur Blabla.
    Vielleicht sogar Google als zentraler Verteiler, oder Twitter, Facebook, einmal 5,- im Monat und dann bis 20 Beiträge je Tag mit mind. 2.000 Wörtern und dazu echte Bewertungen von anderen Benutzern, ob der Beitrag überhaupt was taugt. Denn es gibt auch viel Müll, der nur zum Verdummen aufbereitet wird und Lücken füllen soll.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Solve : *
5 × 30 =


Top