Wenn Attila Hildmann auf Telegram zum „Blitzkrieg“ aufruft

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Wenn Attila Hildmann auf Telegram zum „Blitzkrieg“ aufruft

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Hass, Hetze und Antisemitismus sind nach wie vor große Probleme – in der Gesellschaft, und damit auch in Netzwerken und auf Plattformen. Immerhin haben wir ein Netzwerkdurchsetzunsgesetz (NetzDG), das große Plattformen zwingt, bei Hass und Hetze aktiv zu werden. Eine Plattform aber fällt durchs Raster: Telegram.

Im Augenblick ist Hildmanns Kanal auf Telegram blockiert; Rechte: WDR/Schieb

Im Augenblick ist Hildmanns Kanal auf Telegram blockiert

Wenn Hildmann zum „Daumen-runter-Blitzkrieg“ aufruft

Denn Telegram ist keine Plattform, sondern eigentlich ein Messenger – und für die gelten andere Regeln. Verrückt, denn der als Rechtsextremist geltende Ex-Vegan-Koch Attila Hildmann erreicht über einen öffentlichen Kanal auf Telegram mehr als 100.000 Menschen – und verbreitet hier nicht nur extremes Gedankengut, sondern auch und vor allem Antisemitismus.

Doch Hildmann begnügt sich nicht damit, im Telegram-Kanal mit Furor zu hetzen, er fordert seine Follower auch aktiv dazu auf, ins öffentliche Meinungsbild einzugreifen. Ganz besonders gegen öffentlich-rechtliche Medien. Louisa Heerde, Social Media Managerin beim WDR und zuständig für die Kommentarspalten bei Youtube-Inhalten kennt das: „Wenn Attila Hildmann zum ‚Daumen runter-Blitzkrieg‘ aufruft, haben wir in der Redaktion mächtig zu tun.“

Hildmanns Gefolgschaft klickt dann den „Daumen runter“ auf Youtube, ohne die Videos anzuschauen – oder schreibt diffamierende Kommentare. „Wir merken sofort,  wenn Attila Hildmann wieder zum Sturm aufruft“, schildert Louisa. Auch in anderen Kanälen ist die Hildmann-Fraktion aktiv – und nicht selten hetzt sie auch.

Doch was die Hetze und Aufrufe auf Telegram angeht, greift das NetzDG  hier nicht. Absurd.

Attila Hildmann kommt immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt; Rechte: WDR/Schieb

Attila Hildmann kommt immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt

Telegram ist offenbar selbst aktiv geworden

Doch seit einigen Tagen ist Hildmanns Kanal auf den meisten Geräten nicht mehr erreichbar. „Unfortunately, this channel couldn’t be displayed on your device“, erscheint im Display. Kurz: Der Kanal kann auf deinem Gerät nicht angezeigt werden.

Das hat die Zahl der Abonnenten dramatisch reduziert. Wer und was genau hinter dieser überraschenden Blockade steckt, ist bislang nicht bekannt. Es heißt, Google und/oder Apple würden durchgreifen. Aber das kann nicht stimmen, denn Google und Apple können Apps aus dem App-Store werfen – sie haben aber keinen Einfluss auf den Datenstrom, also auf die Inhalte, die in einer App gezeigt werden. Zumindest wäre mir bislang nicht bekannt, wie das funktionieren sollte.

Offensichtlich ist Telegram selbst zur Besinnung gekommen: In den USA hat Telegram nach dem Sturm aufs Kapitol Anfang des Jahres nach eigenen Angaben mehrere Dutzend militante Kanäle auf Telegram gesperrt. Gut möglich, dass der Betreiber das in diesen Fall auch getan hat. Proaktiv – bevor sich die rechtliche Situation für Telegram ändert und dem Dienst mehr Pflichten aufgebürdet werden.

Da kann ich nur sagen: Gut so! Allerdings sollte das die deutschen Behörden nicht von ordentlichen Strafprozessen abhalten. Wie es scheint, gibt es im Kanal genügend Material für Staatsanwaltschaft und Polizei.

Cosmo NetzDG

Cosmo Tech Podcast: Das NetzDG und der Hass

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Atila Hildmann kenne ich nicht aber für Zensur ist der Rechtsweg da, das sollte man nicht privaten Unternehmen überlassen. Aber auch bei der öffentlich rechtlichen Zensur ist trotz Bemühen einiges schräg. Manche bemühen sich erst gar nicht Meinungsvielfalt zuzulassen; man kann dann nur staunen was in die eine Richtung freigeschaltet wird und wo schon in die andere Richtung zensiert wird.

    Zustimmen kann ich bei dem Satz:
    „Allerdings sollte das die deutschen Behörden nicht von ordentlichen Strafprozessen abhalten.“
    Aber auch Profis haben echte Probleme einzuordnen was nach dem Gesetz zulässig ist oder nicht. Auch hier gibt es widersprüchliche Urteile und das kann wenn zugelassen über mehrere Instanzen gehen (z.B. Urteil zu Renate Künast). Wie immer gilt auch hier:
    „Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand“,
    aber besser als in der Hand eines schlecht bezahlten, schlecht ausgebildeten Aushilfszensors.

  2. Was wurde bei Event 201 besprochen und wann hat die Veranstaltung stattgefunden? Ausserdem heute mal Bild Seite 1 gucken. Thema Intensivbetten Überbelegung.

  3. Ich muss zugeben, dass ich von dem Menschen erst seit Covid überhaupt etwas gehört habe. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich rein vegane Kost verabscheue.
    Seitdem aber, taucht H. in so ziemlich jeder ÖR-Doku, aber auch bei den Privaten, über Verschwörungsmythen, „Coronaleugner“ usw. als Belegfigur auf, was ihm m.E. erst recht zur gegebenen, zweifelhaften, Popularität verholfen hat.
    Und wenn ich zeitgleich beobachte, dass die antisemitische BDS-Bewegung (mit der übrigens auch Mitglieder bundesdeutscher bzw. linksliberal orientierter Parteien ganz offen und straffrei sympathisieren dürfen), mit über 240000 Followern auf Twitter, geduldet und geliked wird, frage ich mich, wer nach welchen Maßstäben „regulierend“ durchgreift?
    Konsequent, also nach einheitlichen Wertemaßstäben, erfolgt das sicher nicht! Es sollte wohl doch keinen Unterschied machen, ob ein Hildmann, die BDS-Bewegung, Politiker/innen, ein Medienredakteur oder wer auch immer gegen Israel hetzt. Im Kern (mal verdeckt, mal weniger) ist die Hetze stets gleich dämonisierend und sollte auch, zumindest in einem Rechtsstaat, so behandelt und geahndet werden.
    Nicht nur der ÖR sollte sich m.E. erheblich souveräner geben, wenn irgendein Hildmann seine Filterblase zum verbalen „Blitzkrieg“ gegen ein paar YT-Videos aufruft, statt eine weitere, panische Demokratieuntergangsmeldung daraus zu machen. Gerade das schafft in den Kreisen nämlich erst Publicity, Aufmerksamkeit und bringt der Filterblase die offenbar gewünschte Bestätigung, so wohl auch nach diesem Blogeintrag.

    • Es fällt mir ehrlich schwer mich nicht aufzuregen. Sie vergleichen den Aufruf zum Boykot von Wahren und das einfordern von Internationalen Standarts im Umgang mit Minderheiten in Israel mit dem Aufruf zum Töten ?Nichts anderes tut Hildman. Und wer behauptet den , das die BDS Bewegung antisemitisch ist? Ich und meine Bekannten sind es nicht. Dies hat der Bundestag beschlossen und der Zentralrat behauptet. Das macht es nicht wahrer. Aber ich vergaß: Jegliche Kritik an Israel ist antisemitisch. Damit kann man natürlich jegliche Diskussion zum Thema abwürgen….

      • Die historische Aufforderung (seinerzeit, mehr ein Befehl) „Wehrt Euch! Kauft nicht bei J….!“, bedeutet im Kern nichts anderes und wird heute als „Boykott, Desinvestiton und Sanktion“ (BDS) „verkauft“. Aktuell wird dort zum Boykott von Produkten der AXA-Versicherungsgruppe aufgerufen, nur weil Sie mit Israel Geschäfte macht. Die Bewegung ist antisemitisch, verpackt und verkauft als „guter“, völkerrechtlicher Aktivismus. Dabei bleibe ich! Sie und Ihre Bekannten, können selbstverständlich gerne anderer Meinung sein!
        Schauen Sie sich detailliert an, wer BDS-Tweeds teilt und Sie werden ganz schnell bei jenen landen, für die „Extremist“ noch die harmloseste Bezeichnung ist. Wo das hinführt, konnten Sie zuletzt z.B. in Gelsenkirchen sehen. Oder waren die dortigen Zustände und das dort benutzte Vokabular für Sie nur eine harmlose, „pro-palästinensische Demo“ junger, hyperaktiver Männergruppen?
        Und ja, selbstverständlich darf man Israels Politik kritisieren. Aber eine damit verbundene (und sei sie auch nur verdeckt) Dämonisierung jüdischer Bürger und/oder deren Glaubens ist definitv antisemitisch (vgl. BDS).
        Eine einfache Frage (die ich in bislang jeder Fragerunde vermisse) für die, nun vermehrt wieder stattfindenden, Politikerbefragungen zur Bundestagswahl wäre: „Distanzieren Sie sich von der BDS-Bewegung?“.
        Wie gerne würde ich den Linken, Grünen und Rechten bei deren Antwort genau in die Augen schauen.

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