Wenn das BKA bei WhatsApp mitliest

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Wenn das BKA bei WhatsApp mitliest

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Moderne Messenger-Dienste gelten als ausgesprochen sicher, da sie konsequent jedwede Kommunikation Ende-zu-Ende-verschlüsseln. Das gilt sogar für WhatsApp. Ob Kontakte, Nachrichten oder ausgetauschte Fotos und Videos: Nur die an der Konversation Beteiligten können sehen, lesen und hören, was da ausgetauscht wurde. Betreiber Facebook nicht.

Gut für uns, die wir aus gutem Grund Diskretion bei der Kommunikation schätzen. Allerdings nicht so gut für Polizei und andere Sicherheitsbehörden. Denn wenn sie Kriminelle überwachen wollen, ist das nur sehr schwer bis gar nicht möglich.

WhatsApp hat ein Sicherheitsproblem; Rechte: WDR/Schieb

WhatsApp verschlüsselt sicher – kann aber mit einem Trick trotzdem abgehört werden

Zugriff über die Desktop-Version

Eine “Backdoor”, also eine Hintertür beim Betreiber der Messenger, gibt es nach allem was wir wissen bei WhatsApp und Co. nicht (und ist bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ohnehin schwierig bis unmöglich).

Doch nach Recherchen von WDR und BR ist es einige Strafverfolgungsbehörden wie dem BKA wohl doch schon seit einer Weile möglich, bei WhatsApp verschlüsselte Kommunikation abzuhören. Auf richterliche Anordnung – aber ohne Staatstrojaner.

Backdoor ist die schlechteste Lösung

Der Trick: Die Beamten klinken sich in die Kommunikation ein. Dazu brauchen sie allerdings ganz kurz Zugriff auf ein Handy der Kommunizierenden. Sie schalten dann eine Web-Version von WhatsApp frei – und können unbemerkt mitlesen. Wer abgehört wird, bekommt davon nichts mit.

Solche Desktop-Varianten gibt es auch für die Messenger-Dienste Threema, Signal und Telegram. Auch hier können Nutzer den Messenger auf Wunsch parallel am PC bedienen. Auch hier sollte es also möglich sein, Straftäter zu überwachen.

Bevor nun manche gleich Schnappatmung bekommen: Ein Weg für die Massenüberwachung ist das nicht. Und es muss eine Möglichkeit geben, Straftäter zu observieren, natürlich im rechtsstaatlichen Rahmen. Eine Backdoor ist die denkbar schlechteste Lösung, da nicht zu kontrollieren und daher ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko für alle.

Verschlüsselung ist Fluch und Segen zugleich; Rechte: WDR/Schieb

Verschlüsselung ist Fluch und Segen zugleich

Polizei muss Werkzeuge an der Hand haben

Der gezielte Einsatz von Staatstrojanern und die beschriebene Methode hingegen, einen verschlüsselten Datenverkehr auf richterliche Anordnung abzuhören, richtet keinen Kollateralschaden an. Abgehört wird nur da, wo es auch angemessen ist. Und es wird dokumentiert, da richterlich angeordnet.

Insbesondere Telegram übrigens verdient größere Aufmerksamkeit. Es ist längst bekannt, dass sich kriminelle Gruppierungen und Verschwörungsfanatiker insbesondere auf dieser Plattform bewegen.

Warum sich Messenger besonders für die verschlüsselte Kommunikation eignen

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Jörg Schieb am

    Natürlich nicht. Habe ich das gesagt oder angedeutet? Aber es gibt auch verrückte und gefährliche Verschwörungsfanatiker, einige davon geben vor, kochen zu können — da ist die Grenze zum Straftatbestand oft überschritten, so weit ich das beurteilen kann.

  2. Hallo Herr Schieb !
    Ist es schon ein Straftatbestand, wenn man “nur Verschwörungsfanatiker” ist und rechtfertigt das somit eine Telekommunikationsüberwachung ? An Unsinn zu glauben, bzw. diesen weiterzugeben ist kein ausschließliches Privileg für Politiker, Medien oder andere Religionsgemeinschaften.

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