Wie Youtube, Facebook und Co. den Verschwörern helfen

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Wie Youtube, Facebook und Co. den Verschwörern helfen

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“Verschwörungserzählungen hat es schon immer gegeben”, erklären die beiden Autorinnen Katharina Nocun und Pia Lamberty in ihrem neuen Buch über “Fake Facts” – und in unserer neuesten Ausgabe des Cosmo Tech Podcast über das Thema Verschwörungen im Netz.

Zweifellos – aber beruhigend ist das nicht. Vor allem deswegen nicht, weil Verschwörungserzählungen derzeit wieder Hochkonjunktur zu haben scheinen. Dem Netz sei dank.

Vor lauter Informationen verängstigt; Rechte: WDR/Schieb^

Vor lauter Informationen verängstigt: Was ist wahr und was nicht?

Das Netz: Inkubator auch für wirre Gedanken

Denn durch das Netz erreichen auch absurdeste Gedanken im Blitztempo das andere Ende der Erde – und damit Gehirne, die nur allzu bereit sind, das soeben im Netz Aufgeschnappte zu verarbeiten – und zu verteilen. Der Schneeballeffekt müsste heute längst anders heißen. Der Netzballeffekt zum Beispiel.

Nicht wenige derer, die sich auf solche Erzählungen einlassen, machen sich sogar richtig viel Mühe. Sie “recherchieren”, verweisen auf Links und Fundstellen im Netz. Und da es genügend Quellen gibt, wo Menschen entweder in Videos dieselben Verschwörungsgeschichten erzählen oder Webseiten bauen, die zum Beispiel “Defense Intelligence Agency” getauft wurden, ist es nicht schwer, “Quellen” zu benennen.

Wie wertvoll ist heute noch eine “Quelle”?

Das macht aber schon deutlich, dass der Begriff “Quelle” an Wert verloren hat. Ja, nahezu bedeutungslos geworden ist. Zumindest so lange man die Quelle nicht selbst untersucht und qualitativ bewertet. Das Video eines Verirrten ist mehr oder weniger genauso einfach zu finden wie ein Tagesschau-Beitrag. Eine Quelle zu benennen ist also denkbar einfach geworden.

Leider machen es die Sozialen Netzwerke sehr leicht, dass jeder Unsinn Verbreitung findet. Unter Youtube-Videos gibt es bei Videos zum Thema Corona einen Hinweis, dass es seriöse Informationen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt. Wie der SPIEGEL berichtet, hat Youtube das sogar ohne Absprache mit der BZgA gemacht. Und: Der kleine Hinweis unter den Videos kann auch missverstanden werden. Es sieht fast so aus, als hätte die Behörde den Beitrag genehmigt – oder sogar veröffentlich. Mehr Infos bei der Behörde…

Das zeigt, wie eigenmächtig Konzerne wie Google handeln. Sie entscheiden, was zu tun ist – und sprechen es nicht mal ab. Wirklich empörend, aber auch entlarvend finde ich folgende Erklärung von Google:

“Wir sind eine offene Plattform und entfernen Inhalte von Menschen nur, wenn sie gegen unsere Community-Richtlinien verstoßen.”
Google

Interviee mit Prof. Dr. Grunwald: Die Demokratie gefährdet

Plattformen machen ihre eigenen Regeln

Also: Entfernt wird nur, wenn die von Google selbst definierten Community-Regeln verletzt werden. Na, das nenn ich doch mal den Staat im Staat. Google allein entscheidet, was veröffentlicht werden darf und was nicht. Die Community-Richtlinien stehen offensichtlich über dem Gesetz – und Google scheint auch noch stolz darauf. Strafrecht, Verfassung, Grundgesetz? Alles wurscht. Google gibt den Ton an. Ist doch klar.

Dieses Selbstverständnis ist weit verbreitet. Facebook, Twitter und Co. machen ihre eigenen Regeln – und uns, der Gesellschaft, damit das Leben schwer. Weil alles kursieren kann und darf – und soll. Wir sind darauf angewiesen, dass die Plattformen – bitte, bitte! – helfen mögen.

Ein unhaltbarer Zustand.

Cosmotech Podcast: Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen; Rechte: WDR

Cosmotech Podcast: Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Hallo liebes Blog WDR Team. Vielen herzlichen Dank für den Beitrag. Toll dass ihr auch immer wieder was zum Thema Digitalisierung verfasst. Grundsätzlich bin ich voll bei euch. Wenn ich mal überlege wie wir früher als Studenten akademische wissenschaftliche Arbeiten zu erbringen haben. Allein die Literaturrecherche war so umfangreich. Heutzutage wenn ich mir als Dozent diese wissenschaftlichen Arbeiten anschauen meiner Studenten sehe ich oftmals immer nur noch fast unseriöse oder unwichtige Quellenangaben im Internet. Es ist unfassbar was junge Leute als seriös und wissenschaftlich relevant interpretieren. Eben auch YouTube Informationen. Es bleibt weiterhin spannend und ich bin gespannt wann es endlich den Internet Führerschein gibt. Vielen herzlichen Dank. Aller beste Grüße. Freue mich auf eure weitere Beiträge. Winni.

  2. Ich finde es schlimm, dass manche Accounts einfach alle möglichen Verschwörungstheorien teilen. Das verschafft denen einfach Reichweite…

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