Windows 7 Support endet – warum eigentlich?

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Windows 7 Support endet – warum eigentlich?

Kommentare zum Artikel: 19

Wer sagt eigentlich, dass wir wirklich immer alle den “neuesten Scheiß” haben wollen? Bei Smartphones mag das stimmen – zumindest bei einigen Leuten. Auch bei Apps erkenne ich ein gewisses “Must have”. Sobald neue Social-Media-Apps am Horizont erscheinen, probieren sie viele unverzüglich aus.

Doch bei Betriebssystemen sind die Menschen eher träge und treu. Zumindest bei Windows ist das so.

Tech Support endet

Der Support für Windows 7 endet – die Risiken fangen an

Knapp 1/3 der Windows-Nutzer scheuen Upgrade

Tatsache ist: Auf rund 27% aller Windows-PCs ist noch Windows 7 installiert, das nun auch schon etwas über 10 Jahre alt ist. Um so beachtlicher, wenn man bedenkt, dass Microsoft sein Windows 10 im Jahr 2016 nicht nur mit viel Tamtam in den Markt eingeführt, sondern sogar als kostenloses Upgrade angeboten hat.

Zu hohe Kosten sind also kein Argument, ein Upgrade zu verweigern. Eher Trägheit – die aber jedem zusteht. Schließlich ist so ein Upgrade mit Aufwand  und auch vielen Risiken verbunden. Was, wenn es nicht klappt? Es droht Datenverlust. Deshalb sind Backups (Sicherheitskopien) beinahe Pflicht.

Apple-Nutzer sind da anders. Sobald es neue Versionen für iOS, tvOS, WatchOS oder MacOS gibt, lädt die Mehrheit die Version auch. Wenige Minuten, nachdem Apple den Zugriff auf die neue Version freigegeben hat, knirschen die Server unter der Last.

Sicherheitsexperte Klaus Rodewig im Interview: Sicherheitslücken müssen gestopft werden

Erhebliches Sicherheitsrisiko

Doch nun (14.01.2020) gibt es für Windows 7 keinen Support mehr. Microsoft stellt die Unterstützung ein. Der Konzern stellt keine neuen Treiber mehr bereit – und stopft auch keine Sicherheitslücken mehr. Das ist der Knackpunkt: Sollten weitere Sicherheitslecks entdeckt werden, stopft Microsoft sie nicht – sie bleiben also eine ständige Gefahr.

Mit einem Windows-7-Rechner online zu gehen, wird also zunehmend riskant, je länger der Support zu Ende ist. Wobei, so ganz stimmt das nicht: Wer 70 € im Jahr ausgibt, kann den “erweiterten Support” kaufen. Für zwei, drei Jahre gibt es dann noch Unterstützung. Aber nur für Unternehmen.

Es wird Zeit, dass die EU Softwareunternehmen vorschreibt, wie lange sie Updates bereitstellen müssen – ohne Wenn und Aber. Ab einer gewissen Verbreitung sollten sie meiner Ansicht nach sogar verpflichtet sein, dauerhaft Updates anzubieten. Zumindest Sicherheits-Updates. Denn wenn derart viele Systeme angreifbar werden, ist das ein Risiko für alle. Das gilt natürlich nicht nur für Windows 7, sondern auch für Software, die in vernetzten Geräten steckt – und für uns unsichtbar bleibt.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

19 Kommentare

  1. Hallo, stand hier auf der Seite nicht gestern noch etwas davon, dass es ein Programm gibt, mit dem man den Key von Win7 auslesen kann, damit man Windows 10 weiterhin kostenlos herunterladen kann? Ich kann es nicht mehr finden und bin mir ziemlich sicher, das diese Seite hier die einzige ist, die ich zum Thema gelesen habe.

    • nirsoft . net/utils/product_cd_key_viewer.html

      gibt zwei Versionen: eine für 32- und eine für 64-Bit-Systeme

  2. DollyToll am

    … die geprellten W10M-User dürfen an diesem ‘denkwürdigen’ 14.01.2020 nicht vergessen werden: erst vollmunde PR und dann im Regen stehen lassen! Und ein dickes pfui für die Umwelt!

  3. Ich sehe das ganz entspannt, wie wohl auch andere Immer-noch-Win7-Nutzer (über 25%). Auf meinem Uralt-Notebook läuft die Webradiossoftware sogar noch unter WinXP, quasi rund um die Uhr. Keinerlei Befall, bis heute! Sämtliche Verbindungen zu Microsoft wurden gekappt, das XP mit diversen Tools und Firewallregeln gehärtet. Und überraschenderweise, hat Microsoft noch im Mai 2019 sogar für dieses tote Pferd einen Sicherheitspatch (KB450031, RemoteDesktopServices) bereitgestellt. Hatte ich zwar schon nach der Erstinstallation deaktiviert, aber egal.
    Klar, Gewerbetreibende müssen Win7 verlassen bzw. umsteigen (DS-GVO: der Stand der Technik ist einzuhalten). Aber Privatleute müssen sich nicht unbedingt verrückt machen lassen. Wer nur surft und ein paar Briefchen schreibt, Tabellen erstellt, Videos guckt usw., dem also wichtig ist, dass die Kiste irgendwie funktioniert, der ist auch mit einem Einsteiger-Linux sehr gut bedient (z. B. Linux Mint oder MX-Linux mit Xfce-Desktop auch für leistungsschwache Geräte – mit “Wine” lässt sich sogar manches Win-Programm unter Linux nutzen) und wird eigentlich nichts aus der Windowswelt vermissen.
    Wer aber, wie ich, gerne etwas rumtüftelt, ausprobiert, etwas Zeit investiert und insbesondere Win10 hasst, weil er sich nur ungern willkürlicher Datensammelei und Nach-Hause-Funkerei, Funktionseinstellung bzw. Funktionsaufblähung und fragwürdigen Zwangsupdates und daraus folgenden, nervenden Bluescreens unterwirft und abhängig macht, der wird vermutlich auch weiterhin Win7 nutzen.
    Was werde ich tun? Im Prinzip das, was ich auch beim o. g. XP getan habe; ganz grob: das letzte Update installieren, das komplette System auf ein externes Laufwerk sichern/spiegeln, sämtliche Verbindungen zu Microsoft kappen, diverse Tools zum Härten von Betriebssystem, Registry und Firewall nachrüsten (z. B. OS Armor, Sys Hardener) und den Webbrowser (neben unbedarftem Anklicken von E-Mail-Links und -Dateianhängen, immer noch das! Haupteinfallstor für sämtliches Ungemach) werde ich nur noch in einer Sandboxumgebung betreiben.
    Ich kann nur für mich sprechen, bin mir eines gewissen Restrisikos durchaus bewusst und kann nur meine eigene Konsequenz, auch vor dem Hintergrund der damaligen XP-Umstiegshysterie, ziehen und die heißt eben: kein Win10! Was nicht ausschließt, bei einem evtl. WinXI, wieder einzusteigen. Vielleicht wird ja auch ReactOS mal eine echte Win-Alternative, wenn es denn irgendwann mal fertig wird!?
    Immer locker bleiben! ;-)

  4. Ich persönlich denke, daß Microsoft einen Vertrag + Geldfluß mit der NSA hat. Wie können die sonst ein Betriebsystem kostenlos anbieten. Windows 10 dient der NSA dazu persönliche Daten der Benutzer zu zu bekommen, die niemals freiwillig über das Netz geschickt würden. Somit eine Win+Win-Sitiation für Microsoft und NSA.

    • Kostenlos nur für Privatkunden. Firmenkunden, bzw. Organisationen etc. dürfen zahlen.
      Und die “kostenlose” Abgabe an Privatkunden macht Sinn. Dadurch sind alle an Windows 10 gewöhnt und wenn z.B. eine Behörde, Firma etwas anderes einsetzen will ist der Widerstand entsprechend hoch. Und auch Politiker denken sich das Windows, PowerPoint und Co das Größte sind, schlicht weil Sie es von Kindesbeinen und zuHause aus nicht anders kennen.

      Ferner kann man Privatkunden als kostenlose Tester für die wertvollen Firmenkunden benutzen, zusätzlich Werbeeinnahmen erzielen und direkt noch andere Produkte vermarkten wie OneDrive oder Office.

      Man muss nicht in Spekulationen abdriften, sondern es gibt schon so ein glaubhaftes funktionierendes Geschäftsmodell.

  5. Ich werde bei Windows 7 bleiben. Einige ältere Software die ich nutze gibt es nicht für Windows 10 und neue Software dafür gäbe es nur im Abomodell in der Cloud. Das ist mir zu teuer.

  6. Michael Gärtner am

    Wie lange lassen wir uns noch von microsoft zwingen, alle 5 – 10 Jahre ein neues Betriebssystem zu kaufen, um verhältnismäßig sicher im www unterwegs zu sein und die meisten Programme nutzen zu können? Das hochtechnisierte Deutschland, in dem viele technische Errungenschaften entstanden sind, ist nicht in der Lage, ein nationales geschweige denn internationales Betriebssystem -unabhängig von microsoft- zu erfinden und auf den Markt zu bringen. Für mich absolut unverständlich!

    • Man muß kein neues Betriebssystem erfinden. Es gibt genügend Open Source Betriebssysteme, die man ggf. anpassen könnte. Russland und China haben es mit Astra Linux und Red Flag Linux vorgemacht. Ist allerdings mehr zum Arbeiten und weniger zum Spielen geeignet.

  7. Windows 7 ist über 10 Jahre alt. Ich verwende doch auch schon lange kein Debian Lenny mehr – seither gab es bei Debian fünf neue Releases (die alle ohne Neuinstallation per Upgrade aufgespielt werden konnten). Selbst Long TermSupport dauert anderswo in der Regel “nur” 5 Jahre – genau so lange wie die übliche steuerliche Abschreibungszeit für Rechner.

    Was bei Windows immer schmerzhaft war und dafür sorgte, daß man neue Releases so weit wie möglich vor sich her schob, war die fehlende Upgrademöglichkeit. Für eine neue Release mußte man auch neu installieren, und alle Daten und Programme mußten dann ebenfalls neu installiert werden, samt eventueller Lizenzen und Dongles und möglicher Inkompatibilitäten. Das soll ja nun beim Upgrade von Windows 7 nach 10 besser geworden sein – ich hab’s noch nicht ausprobiert. Das ging mit den diversen Linuxen und auch mit BSD-UNIX stets viel einfacher als mit Windows (was für mich gegen den professionellen Einsatz von Windows spricht).

  8. Watwiewo am

    “Es wird Zeit, dass die EU Softwareunternehmen vorschreibt, wie lange sie Updates bereitstellen müssen – ohne Wenn und Aber.”

    Herr Schieb, über diesen Satz habe ich mich gerade köstlich amüsiert.
    Bleiben Sie mal realistisch!

    @Matt
    Absolut richtig!
    Nur leider versteht das der Otto Normalbürger nicht.

  9. krefelder am

    Heutzutage ist der Computer für den Großteil der Bevölkerung ein Nutzgerät wie Waschmaschine, Auto usw.
    Da finde ich, kann man nicht eine “technische Sorgfaltspflicht”, wie im Kommentar von Matt angedeutet von der Bevölkerung erwarten und verlangen.
    Das Betriebssystem bei einem massenhaften Einsatz ist also nicht nur für technisch Versierte gedacht.
    So sollte die Software-Industrie (besonders die Betriebssystemhersteller) den Kunden entgegenkommen und viele technische Aspekte verbergen.
    Das heißt für mich: Wenn ein Betriebssystem auf dem Markt kommt, sollte der Umstieg auf ein neues System nicht manueller Aufwand für den Anwender bedeuten.
    Ich sehe die Softwarehersteller in der Pflicht, bei Auslieferung einer Software für die breite Masse von vorne herein einen späteren automatischen Systemwechsel vorzusehen.

    • Beim Auto, wie auch bei anderen technischen Geräten, die andere möglicherweise schädigen könnten, habe ich doch auch eine “technische Sorgfaltspflicht”. Wieso nicht beim Rechner, der bei unsachgemäßer Behandlung möglicherweise zu einem virenverteilenden Bot wird und andere Internetnutzer schädigen kann?

    • Gleich was ich erwerbe sollte ich mir vorher Gedanken machen wie ich das Produkt einsetze, wie es funktioniert, wie ich es pflege, welche laufenden Kosten entstehen, wie ich es später entsorge.

      Habe ich nicht das Wissen, das Geschick oder die notwendigen Werkzeuge dann fahre ich mit dem Auto zur Werkstatt, bringe den Laptop zum Win10 Update zum Computerfachmann, hole den Elektriker für das Smarthome ins Haus, den Dachdecker, …
      Das ist ganz normal und kann man sich auch ohne technische Kenntnisse vor dem Kauf/Einsatz vergegenwärtigen. Entsprechende Kosten und Zeitaufwand können eingeplant werden.

      P.S.: Übrigens ein Grund warum ich skeptisch gegenüber vielen Gadgets, SmartHome und co bin. Nicht weil die Sachen nicht toll sind, nein viele Produkte sehen erst einmal super aus. Doch bei einer wirklichen Gesamtbetrachtung aus Kosten zu Nutzen schneidet vieles nicht mehr gut ab.

  10. Rumpelstilzchen am

    Das mag zwar lästig sein, aber es ist halt so. Bei manchen Systemen war man ja auch froh, wechseln zu können ( man denke etwa an Windows Vista autsch! ). Windows 7 tut vielen Windows-Nutzern weh, weil es einfach zu handeln war. Ich persönlich nutze lieber Linux, weil es einfach stabiler auf meinem PC läuft ( aber Ansichtssache ).
    Viel wichtiger Herr Schieb fände ich, daß die Smartphonehersteller und Android verpflichtet würden, daß es länger Updates gibt und nicht nur 2-3 Jahre. Klar irgendwann ist ein Handy so alt, daß dann das fünfte neue Version von Android darauf nicht mehr läuft, aber die Haltwertzeit von Smartphones sollte schon mind. 6 Jahre sein besser 10! DAS würde der Umwelt nachhaltig nutzen, wenn man an den Abbau der Seltenen Erden für das Handy denkt ( über Kinderarbeit mag ich da überhaupt nicht reden , das kommt noch oben drauf ). Aber da knickt die EU vor der Wirtschaftslobby von Samsung & Co. ein, ständige Updates von Android verpflichtend zu machen

  11. Ich formuliere es mal so:
    Wann verstehen es endliche alle Personen die Computer/SW einsetzen das nichts auf Dauer bestand hat. Geräte werden nach einer Weile nicht mehr produziert können nicht mehr ersetzt werden, Schnittstellen ändern sich, Formate werden nicht mehr unterstützt, Unternehmen gehen Pleite und damit verschwindet deren SW, Betriebssysteme und Anwendungssoftware ändert sich und ist nur begrenzt rückwärtskompatibel, Programmiersprachen kommen und gehen, und, und, und, …

    Es ist gut für eine klar vorher definierte Zeit Updates anzubieten. Viel wichtiger ist es aber schon beim Kauf, bei der Einrichtung ein klares Konzept zu haben wie man die Geräte und die SW wartet, das man seine Anwendungen und seine Daten soweit wie möglich von den eingesetzten Computern, Betriebssystemen trennt, wie man Anwendungen/Daten einfach auf eine andere Computer-Umgebung übertragen kann, wenn es nötig wird.

    Es muss verstanden werden das es mit einem einmaligen Kauf und Einrichtung nicht getan ist, sondern das es für einen selbst jede Menge Arbeit und auch Geld kostet ein System über die Jahre am laufen zu halten und am Ende auf ein neues zu übertragen.

    Wenn man all das verstanden hat und sich kümmert, dann jammert man auch nicht mehr wenn z.B. der Support von Windows 7 nach einer Zeit von über 10 Jahren eingestellt wird.
    Wenn man das nicht verstanden hat dann hilft eine regulativ vorgeschriebene Zeit für die Pflege einer Software wenig.

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