Wo bist Du, Mitarbeiter – und was machst Du gerade?

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Wo bist Du, Mitarbeiter – und was machst Du gerade?

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Vertrauen Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Oft ja, manchmal nein – umgekehrt ist es wohl genau so.

Allerdings gibt es ein erhebliches Machtgefälle: Arbeitgeber könnten auf die Idee kommen, ihre Mitarbeiter mit modernen Wekzeugen und Geräten zu kontrollieren – und/oder zu überwachen. Offensichtlich kommt das immer häufiger vor. Bei dem Landesbeauftragten für Datenschutz NRW (LDI NRW) gehen jedenfalls immer häufiger Anfragen besorgter Arbeitnehmer ein, die befürchten, Ortungssysteme in Firmenwagen würden zu einer gezielten und teilweise sogar vollständigen Kontrolle missbraucht.

Das Firmenauto per GPS tracken? Möglich - aber nur selten erlaubt; Rechte: WDR/Schieb

Das Firmenauto per GPS tracken? Möglich – aber nur selten erlaubt

GPS-Tracking lässt sich einfach nachrüsten

Früher waren bestenfalls Geldtransporter und andere besonders wichtige Fahrzeuge mit GPS ausgerüstet, um jederzeit geortet werden zu können. Heute sind viele Fahrzeuge serienmäßig mit einer solchen Funktion ausgerüstet. Außerdem lässt sich jedes Fahrzeug mit wenigen Handgriffen und schon für 100 bis 200 EUR nachträglich GPS-tauglich machen. Schon kann der Firmenwagen rund um die Uhr überwacht werden.

Kann. Technisch. Aber darf der Arbeitgeber das auch? Das habe ich Nils Schröder gefragt, der bei der LDI NRW für solche Themen zuständig ist. Klare Antwort: Es gibt – natürlich! – Situationen, in denen eine GPS-Überwachung sinnvoll und auch erlaubt ist. Etwa bei Werttransportern. Oder wenn jemand in einer Flotte Getränke ausfährt und es zum Service gehört, dem Kunden den nahenden Fahrer anzukündigen. Aber eine Überwachtung “einfach so”, damit klar ist, wo sich Mitarbeiter aufhalten?

https://vimeo.com/356911392

Nils Schröder (vom LDI NRW) erklärt, was Arbeitgeber dürfen – und was nicht

Kontrollen und Überwachung sind nur selten erlaubt

No way! Vor allem dürfen Arbeitgeber das nicht für eine “allgemeine Verhaltens- und Leistungskontrolle” tun. Machen aber manche – und da drohen saftige Bußgelder, wenn das rauskommt. Ähnlich verhält es sich mit der Videoüberwachung. In Zeiten winziger und erschwinglicher Cams, die blitzschnell überall installiert sind, könnten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber auf den Gedanken kommen, das für sich zu nutzen. Aber auch hier: dürfen sie nur unter bestimmten Voraussetzungen.

“Im Zweifel fragen”, empfiehlt der Experte. Denn ein Auskunftsrecht besteht immer. Arbeitgeber dürfen nie verdeckt überwachen – auch wenn das heute mit moderner Technologie leicht möglich ist. Ein Tracken des Firmen-Handys ist in der Regel auch nicht erlaubt. Das Einschalten von Kamera oder Mikrofon sind völlig tabu. Und das Surfen am Arbeitsplatz darf auch nicht kontrolliert werden, sofern der Arbeitnehmer in der Arbeitszeit online gehen darf.

Wer also den Verdacht hat, auf irgend eine Weise überwacht und/oder kontrolliert zu werden – was leider immer wieder vorkommt! -, muss sich das also nur selten gefallen lassen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Ulli Zauner am

    Das ist bereits ein alter Hut. Die angeblich stets so liberalen Holländer führten das vor über 10 Jahren bei ihren LKW´s ein. Begründet mit “Planungssicherheit”.
    Es würde mich nicht überraschen, wenn das demnächst Pflicht für PKW´s wird um als “Assistenzsystem bei Unfällen selbsttätig Hilfe anzufordern”. Damit kann der totalen Überwachung weiter Vorschub geleistet werden.

  2. Hans Wurst am

    Geld regiert aber die Welt. Und im Zweifelsfall gerichtlich auf die Einhaltung der Datenschutzregeln zu pochen, können sich tatsächlich nur die wenigsten angestellten Arbeitnehmer leisten. Gerichts- und Anwaltskosten, ggf. sogar noch der Gegenseite sind existenzbedrohend.
    Und die Betriebsräte sind meiner Erfahrung nach meist viel zu luschig um derartigen Vorwürfen effizient nachzugehen und zu ahnden.
    Außerdem geht der Arbeitnehmer sowohl beim Kontakt zum Betriebsrat als auch bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung stets das Risiko ein sein Verhältnis zu den Vorgesetzten und dem Arbeitgeber massiv, wenn nicht sogar für immer, zu zerstören. Karriere ist eben nur möglich, wenn man 100% im Strom schwimmt, schleimt und keine Probleme macht. Selbst inhaltlich kritische Auseinandersetzungen sind zumindest in meiner Firma unerwünscht.
    Von daher mag die theoretische Rechtslage zum Datenschutz existieren, wie im Artikel beschrieben. Aber im Zweifelsfall bliebe mir als Angestelltem nur die Möglichkeit der Kündigung, wobei das Finden eines alternativen Arbeitsplatzes extrem schwierig ist…

    Viele Grüße von einem 32 Jährigen Dipl.-Ing. aus dem Land des angeblichen Fachkräftemangels NRW.

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