YouTube will nicht mehr alles zeigen

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YouTube will nicht mehr alles zeigen

Kommentare zum Artikel: 7

Wie praktisch, dass es YouTube gibt. Hier kann jeder “senden” – weltweit. Ohne großen Aufwand. Ohne Bürokratie. Anonym. Keine Frage, dass YouTube viele positive Aspekte zu bieten hat. Nur leider liegt es in der Natur des Menschen, Dinge zu missbrauchen. Ein Messer kann in den Händen verantwortungsvoller Menschen nützlich sein – aber auch als tödliche Waffe missbraucht werden. YouTube macht da keine Ausnahme. Viele nutzen das Video-Portal zum Beispiel, um Propaganda, Hetze oder Hass zu verteilen. Oder um das Nazi-Regime zu verherrlichen. Ein klarer Fall von Missbrauch.

YouTube führt strengere Regeln ein; Rechte: WDR/Schieb

YouTube führt strengere Regeln ein

YouTube will rassistische und diskriminierende Video “verbieten”

YouTube hat nun angekündigt, sich darum zu kümmern. Rassistische, sexistische oder diskriminierende Inhalte sollen künftig verboten sein – also gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube verstoßen. Sie können dann schnell(er) gelöscht werden. Ein guter, ein richtiger Schritt, finde ich. Denn es geht nicht an, dass derartige Inhalte frei im Netz kursieren. Zum Beispiel Videos, die Judenhass verbreiten oder Terrorakte zeigen und verherrlichen. Solchen Inhalten dürfen wir keine Plattform geben.

Ich habe das auf Twitter schon kommentiert. Und war überrascht über die Reaktionen: Manche meinten – und haben das alles andere als höflich ausgedrückt -, das sei Zensur. Was stimmt, es ist natürlich Zensur. Eine Einschränkung. Aber eine, die richtig und wichtig ist. Wer glaubt, Meinungsfreiheit bedeute, man dürfe – öffentlich! – alles sagen, eben auch hetzen, verleumden oder kriminelle Aktivitäten verherrlichen, der täuscht sich – und zwar auf eine ganz entscheidende Art und Weise.

https://vimeo.com/340629026

Jörg Schieb kommentiert die Ankündigung von YouTube, strenger zu kontrollieren

Regeln müssen sein – und sind keine Zumutung

Eine Welt, in der jede(r) alles darf, nennt man Anarchie. Nicht sonderlich erstrebenswert – auch nicht im Netz. Eine Gesellschaft braucht Regeln. Zwingend. Natürlich müssen diese Regeln mit Augenmaß formuliert und angewandt werden. Aber reflexartig “Zensur” zu rufen und damit eine unzumutbare Beschneidung von Grundrechten zu meinen, ist ganz sicher nicht die richtige Lösung.

Natürlich wird es im Einzelfall schwierig sein, die “richtigen” Videos herauszupicken. Denn es bleibt immer eine Einzelfallentscheidung. Aber es gibt leider sehr viele Videos, die eindeutig nichts in öffentlichen Video-Portalen zu suchen haben. Und so ist es gut und richtig, wenn KI-Algorithmen und Aufsichtspersonal diese Videos künftig sperrt. Besser früher als später.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Wir benötigen klare Regeln in Bezug auf Antisemitismus und Rechtsradikalismus!
    Was da in DO und im Osten passiert, nicht nur auf YT, sollte man nicht sich selbst überlassen. Mir fehlen hier die klare Regeln und Vorgehensweisen gegen rechts! Ich schätze die Bedrohung viel schlimmer ein als vor 40 Jahren durch die RAF! Hier müssen wir alle etwas tun. Am besten würde ein Demaskieren wirken und da könnte YT u.a. Medien wieder helfen!

  2. Lieber Herr Schieb,
    Sie benutzen hier fälschlicher Weise das Wort Anarchie. Während die Anarchie Herrschaftslosigkeit bedeutet und meiner Meinung nach einen erstrebenswerten Zustand und im Privaten auch zumeist gelebten Alltag darstellt, bei dem Regeln zwischen gleichberechtigten Partnern ausgehandelt werden, handelt es sich bei der Anomie, die Sie wahrscheinlich meinen, um Regellosigkeit und das möchte ich auch nicht erleben ;-)
    Der Begriff Anarchie wird sehr häufig falsch und negativ verwendet, was ich sehr schade finde.
    Liebe Grüße,
    Stefan

  3. Giuseppe am

    Ich kann da Nadja nur zustimmen.

    Außerdem finde ich, dass ich mich auch frei und offen über heikle Themen informieren können sollte. Und da gehören, denke ich, auch einseitige Videos – zum Beispiel auf Youtube – dazu.

    Im Idealfall komme ich dann zu dem Schluss, dass nationalistisches und sexistisches Gedankengut nicht wirklich zur Lösung von Problemen führen. Aber diesen Gedankenschritt muss ich jedem zutrauen. Ansonsten ist die subtile Botschaft: Wir glauben nicht, dass ihr stark genug seid, euch mit solchen Themen auseinanderzusetzen und schlussendlich zu einer vernünftigen Meinung zu kommen.

  4. Das Problem ist doch, was ist rassistisch und was nicht. Es gibt Dinge die eindeutig sind, aber viele Dinge, da lässt es sich nicht einfach einsortieren. Hier sehe ich das Problem, und dann ist man schon “nah an Zensur”.

    Hass sollte nirgends Platz haben.

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