Zur Vernunft gekommen: Keine Holocaust-Leugnung mehr auf Facebook

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Zur Vernunft gekommen: Keine Holocaust-Leugnung mehr auf Facebook

Kommentare zum Artikel: 6

Antisemitismus nimmt zu – nicht zuletzt auch dadurch, dass in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube, Instagram und Co. nichts oder zu wenig dagegen unternommen wird. Was will man erwarten, wenn der Chef der größten Plattform es völlig in Ordnung findet, wenn User in seinem Netzwerk den Holocaust leugnen.

Mark Zuckerberg in seinem Netzwerk; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg hält die Redefreiheit für wichtiger als alles andere

Zuckerberg: Redefreiheit wichtiger

Mark Zuckerberg – selbst Jude – hängt die Redefreiheit höher als den Kampf gegen Antisemitismus. Natürlich: Die Plattform ist nicht schuld am zunehmenden Antisemitismus. Allerdings befördert die bewusste und gewollte Tatenlosigkeit von Facebook den immer ungenierter zur Schau getragenen Antisemitismus.

Denn wenn religiöse Fanatiker (Islam) und Verschwörungserzähler (QAnon) ihren Hass ungebremst verteilen können, dann hat das eine konkrete zerstörerische Wirkung. Anschläge auf jüdische Einrichtungen nehmen nicht zufällig zu.

In Deutschland unter Strafe

Endlich ist Facebook aber zur Vernunft gekommen – und verbietet in seinen Netzwerken die Leugnung des Holocaust. In Deutschland steht das bekanntlich unter Strafe.

Nun bemüht sich Facebook, solche Leugnungen in der ganzen Welt aus dem Netzwerk zu entfernen. User, die nach Informationen über die Shoa suchen, will das Netzwerk künftig automatisch auf offizielle Webinhalte weiterleiten.

Schon seit Jahren ein Thema: Facebook unternimmt nichts gegen Holocaust-Leugner<

Holocaust-Leugner haben es künftig schwerer

Trotz des Verbots in Deutschland konnte auch hierzulande jede/r auf Facebook den Holocaust leugnen. Weil Mark Zuckerberg es so wollte. Nur nach einer entsprechenden Meldung hat das Netzwerk gehandelt – und einen gemeldeten Beitrag entfernt.

Was zeigt: Facebook nimmt seine Verantwortung schlicht nicht ernst. Kein seriöser Verlag käme auf die Idee, eine Holocaust-Leugnung zu drucken. Facebook schon.

Wichtig ist, international aktiv zu werden

Wie genau Facebook vorgehen will, steht noch nicht fest. In einem Blogeintrag bitten die Verantwortlichen um Geduld, weil die Algorithmen angepasst und trainiert werden müssten – und ebenso die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich weltweit des Themas annehmen müssen.

Wichtig ist schließlich auch, international aktiv zu werden – und auch in allen Sprachen. So müssen auch Postings und Inhalte in arabischer Sprache überprüft werden. Antisemitismus ist hier besonders stark verbreitet.

Es muss auch gegen Antisemitismus gehen

Facebook und all die anderen Plattformen haben nun keine Lobes-Hymnen verdient, dass sie aktiv werden – denn es ist eine Selbstverständlichkeit. Sollte es zumindest sein. Dass es keine ist, ist das Problem der Plattformen: Sie treten Recht und Gesetz immer wieder mit Füßen. Mit der Ausrede, eben nur Plattform zu sein. Ein – wie wir aktuell leider sehen und erfahren müssen – in jeder Hinsicht unhaltbarer Zustand.

Was mich stört: Es wird erst mal nur explizit gegen die Holocaust-Leugnung vorgegangen. Nicht gegen Antisemitismus an sich. Dabei ist das dringend erforderlich.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

6 Kommentare

  1. Kasperle mit Aluhut am

    Zunächst mal leugne ich die Wirkung von Zensur bei wirklich extremen Ansichten. Da taucht man einfach nur tiefer ab und dann ist die Überraschung beim Auftauchen um so größer. Umgekehrt leugne ich die Wirkung von Propaganda um echte Fehlentwicklungen zu leugnen. Man lügt sich da nur selbst etwas in die Tasche und dann wacht man eines morgens auf und entgegen allen Vorhersagen kommt der Brexit und ein Trump wurde gewählt. Umgekehrt könnte auch plötzlich der antikapitalistische Schutzwall brechen, der das sozialistische Arbeiter- und Bauernparadies vor den Imperialisten schützt.
    Also lasst mich leugnen das die Erde eine Kugel ist, auch wenn das der Kreuzfahrtindustrie ein wenig schadet fällt wenigstens niemand vom Rand der Erde.

  2. Carsten Mohr am

    Nun, auch bei uns heißt es im 1. Gebot: “Ich bin der Herr, dein Gott.
    Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.”
    Da spricht die pure Toleranz aus jedem einzenen Buchstaben heraus…
    Aber mal davon abgesehen, Religionen passen sich der Zeit und der Gesellschaft an. Wenn, wie der Islam vielleicht im Nahen Osten oder Vorderasien von Terroristen heimgesucht wird und dem Menschen nach dem Leben getrachtet wird, wenn also dann dort der Islam in seiner Gemeinschaft bildenen Funktion für Gegenwehr sorgt, dann ist das was seit tausenden Jahren immer wieder funktioniert. Dort herschen aber auch andere Verhältnisse als bei uns, weshalb ein Islam hierzulande anders ausgelebt wird als in den ärmeren, um nicht zu sagen ärmsten Regionen der Welt.
    Das zum Islam von meiner Seite.
    Trotzdem, gegen Antisemitismus vorzugehen ist immer gut, sei es mit Worten oder mit entsprechenden Verordnungen. Schließlich wollen wir eine Gesellschaft besserer Ordnung werden, Schritt für Schritt.

  3. Kai Simon am

    Aber nicht jeder, der dem Islam angehört, ist ein religiöser Fanatiker. Dies zu verbinden finde ich falsch.

  4. Kai Simon am

    Hinter dem Satz, der mit “Denn wenn religiöse Fanatiker” beginnt, sollte in Klammern bestenfalls “Islamisten” stehen, aber ganz sicher nicht “Islam”.

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