10 Jahre Instagram: Der ungebremste Aufstieg eines Selfie-Netzwerks

https://blog.wdr.de/digitalistan/10-jahre-instagram-der-ungebremste-aufstieg-eines-selfie-netzwerks/

10 Jahre Instagram: Der ungebremste Aufstieg eines Selfie-Netzwerks

Kommentare zum Artikel: 1

Das war nicht so geplant: Als Kevin Systrom und Mike Krieger vor zehn Jahren mit einem neuen Angebot namens “Instagram” an den Start gegangen sind, hatten die beiden Gründer ein charmantes Netzwerk zum Austausch von Fotos im Sinn. Eine Möglichkeit, mit Freunden bequem Fotos austauschen zu können. Auf dem ersten Foto zu sehen: Der Hund von Kevin Systrom, daneben der Fuß seiner Frau.

Instagram hat Foodporn hoffähig gemacht: Essen fotografieren - und mit Freunden teilen; Rechte: WDR/Schieb

Instagram hat Foodporn hoffähig gemacht: Essen fotografieren – und mit Freunden teilen

Erfolgreich: Eine Milliarde treue Nutzer

Das Konzept ist aufgegangen: Die Menschen lieben Instagram – weil sie hier ihre Selfies posten können.

Mark Zuckerberg hat das Potenzial schnell erkannt: Schon zwei Jahre nach dem Start hat Facebook das noch blutjunge und unschuldige Instagram für eine Milliarde Dollar gekauft. Ein Unternehmen mit nur zwölf Mitarbeitern und ohne Umsatz.

Heute ist Instagram ein populäres Soziales Netzwerk – mit Facebook und Youtube auf Augenhöhe. Über eine Milliarde User weltweit. 22 Millionen in Deutschland. 500 Millionen Menschen verwenden täglich (!) Instagram Stories: Kurze Geschichten aus Fotos und Videos, die nach 24h wieder verschwinden – und weil niemand etwas verpassen will deshalb besonders beliebt.

Kids am Tablet; Rechte, WDR/Schieb

Viele Kinder und Jugendliche informieren sich primär auf Instagram

Bilder regieren – nicht Hass und Hetze

Instagram gelingt es, weniger anfällig für Hass, Hetze und politische Manipulationen zu sein als Facebook und Twitter. Was vor allem daran liegen dürfte, dass auf Instagram Bilder regieren – und zwar diskutiert werden kann, aber wenig diskutiert wird. Die Kommentarfunktion wird deutlich weniger intensiv genutzt als auf Facebook und Twitter.

Dafür gibt es auf Instagram Influencerinnen – und auch Influencer –, die Instagram als Dauerwerbesendung verstehen. Sie präsentieren Klamotten, Schuhe und Kosmetika und lassen sich dafür bezahlen. Einige Influencerinnen schrecken nicht mal davor zurück, ihre Kinder vor die Kamera zu zerren – für Geld. Eine völlig neue Dimension von Werbung und Schleichwerbung.

Mittlerweile geistern auf Instagram sogar komplett virtuelle Figuren herum, die als Influencerinnen und Influencer ernst genommen werden.

Das ist insbesondere deshalb erschreckend, weil gerade junge Menschen sich häufig vor allem auf Instagram informieren.

So weit ist es schon: Virtuelle Influencerinnen scharen Fans um sich

Schöne Scheinwelt mit Zukunft

Generell verwaschen die Grenzen von Schein und Sein. Denn auf Instagram zeigen sich User vor allem gerne, wenn es ihnen gut geht. Im Urlaub. Beim Feiern. Beim Essen. Mit Freunden. Beim Spaßhaben. Was bei manchen Menschen durchaus zu Druck, Frust und Depressionen führen kann. Wenn man den Fehler macht, Instagram für das echte Leben zu halten.

Instagram ist es gelungen, sich als Plattform zu etablieren. Neue Trends hat Instagram schnell übernommen, etwa die “Stories” von Snap(chat) oder die “Reels” von TikTok (15-sekündige Kurzvideos). Ich habe keinen Zweifel, dass Instagram das auch in den nächsten Jahren gelingen wird.

Mark Zuckerberg jedenfalls ist mit Instagram sicher sehr zufrieden, denn hier funktioniert Werbung extrem gut – vor allem für Konsumgüter. So haben sich das zwar die beiden Gründer nicht gedacht. Aber Mark Zuckerberg ganz sicher.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. Carsten Mohr am

    Nun, die schöne heile Welt hatte man damals in der Regenbogenpresse auch schon gehabt. Es ist immer schöner, von den positiven Dingen des Lebens zu berichten als sich das Leid und Elend anderer mit anzusehen. Aber auch da gibt es Formate.
    Ich denke, man sollte seine Begeisterung für etwas ruhig mitteilen dürfen. Aber eben nur “dürfen”, nicht müssen oder etwa eine falsche Begeisterung vorspielen. Das findet man aber auch in vielen anderen Werbungen mit den lachenden und glücklichen Gesichtern, wenn sie sich mit Produkt x oder Dienstleistung y “umhüllen” und sich sichtbar wohl fühlen.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Solve : *
28 − 16 =


Top