#allesdichtmachen: Erst sperren, dann wieder online stellen

https://blog.wdr.de/digitalistan/allesdichtmachen-erst-sperren-dann-wieder-online-stellen/

#allesdichtmachen: Erst sperren, dann wieder online stellen

Kommentare zum Artikel: 4

Hashtag #allesaufdentisch. Das klingt nach Tabula rasa – und wer wünscht sich so etwas nicht gelegentlich, wenn die Dinge mal wieder durcheinander geraten. Unter dem Hashtag #allesaufdentisch haben sich mehrere Künstler, vor allem aus der Filmszene, zusammengetan und ein Forum eröffnet, in dem sie mit Wissenschaftlern diskutieren. Über Corona und die Corona-Maßnahmen.

Zwei Video-Clips mit Gesprächen hatte Youtube kurz nach der Veröffentlichung gelöscht. Durfte Youtube nicht, hat jetzt das Landgericht Köln gesagt. Danach hat Youtube die Videos wieder online gestellt. Dafür heute (14.10.2021) zwei andere Videos gelöscht. Ein Anwalt der Initiatoren hat auch eine Klage dagegen angekündigt.

Jan Josef Liefers ist der Frontmann bei #allesdichtmachen; Rechte: WDR/Schieb

Jan Josef Liefers war der Frontmann bei #allesdichtmachen

#allesaufdentisch: Künstler wollen Runden Tisch

Die Macher von #allesaufdentisch stammen aus dem Umfeld der umstrittenen Aktion #allesdichtmachen, in der sich Künstler und Schauspieler über die Corona-Maßnahmen lustig gemacht haben, darunter Jan-Josef Liefers.

Diesmal war die Idee: Künstler sprechen mit Menschen aus der Wissenschaft – allerdings mit einer erkennbaren Tendenz zur Skepsis über die Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie. Ziel sei es, „die Pandemie als gesamtgesellschaftliches Problem zu betrachten, und auch denjenigen ExpertInnen Gehör zu verschaffen, die bisher, trotz ihrer oft hohen Reputation, in der öffentlichen Debatte kaum oder gar nicht wahrgenommen wurden“.

Wissenschaftler, die eine andere Meinung haben. Kritiker werfen den Machern vor, verschwörungsideologische Erzählungen zu bedienen. Sprich: Verschwörungen zu wiederholen und so zu verfestigen, die die Gefährlichkeit des Virus verharmlosen etc.

Vor lauter Informationen verängstigt; Rechte: WDR/Schieb^

Verschwörungstheorien im Netz: Was ist wahr und was nicht? Youtube geht dagegen aktiv vor

#allesaufdentisch: Künstler wollen Runden Tisch

Lebendige Demokratie: Streitgespräche. Wieso aber sind dann Videos der Aktion von Youtube gelöscht worden?

Weil bei Verschwörungstheorien bei Youtube die Alarmglocken schrillen. Die Algorithmen erkennen so etwas. Und weil Youtube konsequent gegen die Querdenker-Bewegung vorgeht, haben sich diese Algorithmen offensichtlich auch die Videos der Initiative vorgeknöpft.

Die Folge: Youtube hat drei Videos der Aktion gelöscht. Begründung: Verstoß gegen die Gemeinschaftsrichtlinien. Was genau Youtube gestört hat, wurde allerdings nicht mitgeteilt. Insbesondere Äußerungen, die vermuten lassen, Corona sei harmlos und nicht gefährlich, verstoßen gegen die Richtlinien.

Das Landgericht Köln hat jetzt allerdings geurteilt: Zwei der Clips wurden zu Unrecht gelöscht bzw. blockiert.

Landgericht hat Sperrung aufgehoben

Die Plattform habe den Kanalbetreibern nicht konkret genug mitgeteilt, welche Passagen ihrer Meinung nach gegen welche Vorschrift ihrer Richtlinien verstießen. Nur der lapidare Hinweis, ein Video verstoße gegen die Gemeinschaftsregeln, reiche nicht.

Youtube dürfe nur bei „einer offensichtlichen, auf den ersten Blick erkennbaren medizinischen Fehlinformation“ Videos löschen, ohne konkrete problematische Passagen zu benennen. Bei den gelöschten Interviews handele es sich aber um „längere Videos“, die „auch eine Vielzahl von eindeutig zulässigen Äußerungen enthalten“.

Der BGH hatte im Juli ein ähnliches Urteil gegen Facebook erlassen: Eine Sperrung ohne konkrete Begründung und proaktiver Information der Betroffenen sei unzulässig. Damit wollen die Gerichte verhindern, dass die Plattform allzu eigenmächtig entscheiden.

Es bleibt also schwierig: Was darf auf solchen Plattformen, die die neue Öffentlichkeit darstellen, gesagt werden und was nicht? Und wann darf, wann muss jemand eingreifen? Solche Fragen müssen dringend verbindlich geklärt werden.

Verschwörungserzählungen sind im Netz weit verbreitet und gefährlich

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

4 Kommentare

  1. Carsten Mohr am

    Vielleicht, und deshalb schreibe ich einen neuen Beitrag, vielleicht ist aber auch die Wahrnehmung anderer Meinungen und Lebensweisen das induviduelle, des Wahrnehmenden sein Problem. Denn, tut mir einer weh mit seiner Ansicht oder Lebendsweise? Solange wir aufgeklärte Menschen, also Meinungen a) hinterfragen und b) nicht allem hinterherrennen, bloß um Recht zu bekommen, dann würde sich doch vieles entspannen. Heute, also gestern, war in Düsseldorf der CSD. Nicht, dass ich schwul wäre, lesbisch ginge schon mal aus meinem Geschlecht und innerlichen Verständnis, nicht, aber ich muß das nicht kommentieren oder mich daran erbauend aufregen. Sie sehen mich ja auch nicht als Feindbild, also wo ist das berühmte gesellschaftliche Problem?! Um hier nicht endlos auszuführen, aber sexuelle Neigung hat nichts mit Charakter oder, oder vielleicht doch, Menschlichkeit, also gelebter Menschlichkeit zu tun. Sie fühhlen sich anderen genauso zugeneigt wie Heterosexuelle. Aber der restliche Unterschid ist keiner.
    Übertragen denke ich, negative Beiträge tragen weiter als positive. Warum interessieren sich so viele für die schlechten, negativen, die reißerischen Nachrichten? Algorithmen identifizieren das und der Leser, der Empfänger, der Klickt, ist doch selbst Schuld daran. Würde man nicht darauf reagieren, dann würde der berühmte Algorithmus sagen, hier ist kein Blumentopf mit zu gewinnen und die Nachricht, selbst wenn eine Berühmtheit sich in irgendeiner Weise in Misskredit gebracht hätte, wäre ein Rohrkrepierer.
    Also, das Thema ist selbst gemacht, und Facebook und Co. haben etwas gemacht, was auf Grund des Verhaltens der Nutzer reagiert. Dem Herrn Zuckerberg ist doch egal, was die Leute bewegt. Hauptsache, sie bewegt etwaqs und sorgen für Trafic. Er ergözt sich doch nicht an der Sensationslust der Leute. Das ist ein alter Hut seit Tausenden von Jahren. Immer, wenn jemand gesteinigt, gekreuzigt, gepfählt, geköpft oder erhangen und erschossen wurden gab es Schaulustige, die ihr Empfinden für Gerechtigkeit oder was auch immer auch erfahrbar erlebten.
    Es ist nicht Herr Zuckerberg, es sind wir. Die Nutzer, die Ursache des Übels sind. Man sollte mal ernsthaft darüber nachdenken, bevor man ihn oder gleichartige an den Pranger stellt.

  2. Stimmt!
    US-Konzerne wie Google und Facebook gefährden massiv die Demokratie.
    Aber nicht wie es hier und anderen Quellen der öffentlich rechtlichen Medien verbreitet wird sondern wir müssen uns die Meinungsfreiheit wieder vor Gericht neu erkämpfen. Das, also die Meinungsfreiheit, kann sich nur nicht jeder leisten.
    Im Grunde ist das nicht so schwierig und solche Fragen sind „verbindlich geklärt“ ob einem das gefällt oder nicht.
    GG Art. 5 Absatz 1:
    „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten ..“
    „Eine Zensur findet nicht statt.“
    Absatz 2:
    „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“
    Im konkreten Fall mit Bezug auf Kunst zieht hier noch Absatz 3:
    „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“
    Aber,
    schwierig ist es eben darüber hinaus doch eine Zensur durchzusetzen mit unbestimmten Begriffen wie zum Beispiel „Hass und Hetze“ „mit mehr oder weniger starken Bezügen zu juristischen Tatbeständen“ (bpb). Was in jedem Einzelfall die „Schranken in den Vorschriften“ sind ist auch bei den Profis in der Justiz jeweils umstritten und es gibt reichlich unterschiedliche Urteile. Aber wenn wie in Dauerschleife gefordert Amateure wie ein unterbezahlter Zensor bei Google oder Facebook diese Aufgabe übernehmen soll und zunehmend übernimmt, dann geht das mit Sicherheit in zu vielen Fällen in die Hose und die Demokratien der „freien Welt“ verlieren ihre Glaubwürdigkeit schon im Fundament.
    Hier ist im Bild ein Aluhut als Symbol für Verschwörungstheorien zu sehen. Im Zweifel trage ich aber lieber einen Aluhut im Freien auf einem Parkplatz als eine medizinische Maske wie mal vom „Corona-Kabinett“ beschlossen. Beides ist gleich Banane aber eine Diskussion darüber muss über beides möglich bleiben.

  3. Carsten Mohr am

    Ich denke, die Grenzen sind schwer eindeutig ziehbar. Wenn sich bei uns gar Gerichte mit dem, was und wie etwas gesagt werden darf, beschäftigen, dann ist die Tragweite eigentlich schon jedem klar. Ethikrat, Selbstverpflichtung, Gott weiß was noch alles für Instanzen helfen nicht. Der Mensch ist wie er ist. Getreu dem Motto: Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich gehört habe, was ich sage. Das Gesagte verhallte früher (vor dem Internet) im kleinen Kreis der Freunde, Bekannten, Schule, Uni. Einen größeren Kreis zu erreichen war teuer und eben größtenteils der Presse oder anderen finanzkräftigen Player vorbehalten. Heute erreicht man eben mit einem Knopfdruck Hunderte aus Millionen, die dank der Algorithmen ohne Umwege addressiert werden können. Gedankliche Brandstifter gab und wird es immer wieder geben. Große und eben viele kleine.
    Ausbildung, gesellschaftliche Integration und die Beseitigung von Benachteiligungen sind der Königsweg. Ich bin kein Linker, und Gott Lob auch kein Rechter. Wir sind auf einem Weg der Entwicklung, die in 200 oder 300 Jahren nicht abgeschlossen, aber aus heutiger Sicht als positiv für den Enzelnen angesehen werden kann.

    • „Wir sind auf einem Weg der Entwicklung, die in 200 oder 300 Jahren nicht abgeschlossen, aber aus heutiger Sicht als positiv für den E[i]nzelnen* angesehen werden kann.“.
      Leider sinnlos dagegen zu wetten, aber im genannten Zeitraum wird sich dieser Planet längst der menschlichen Unzulänglichkeit „entledigt“ haben (Überbevölkerung, Ernährbarkeit derselben, Ressourcenvernichtung und -verteidigung, klimatische Veränderungen etc.). Gut, dass wir dass nicht mehr erleben müssen.
      * für den/die überlebenden Einzeller, aber immerhin eine neue, positive Chance auf Evolution in eine, vielleicht diesmal, richtige(re) Richtung? ;)

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Bitte lösen Sie die Rechenaufgabe : *
7 × 1 =


Top