Apple beschränkt Tracker: Werden Apps jetzt teurer?

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Apple beschränkt Tracker: Werden Apps jetzt teurer?

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Es gibt eindeutige Krisengewinnler. Die Tech-Konzerne zum Beispiel – und Google ganz besonders: Der Konzern hat gerade einen neuen Rekordumsatz von 55,3 Milliarden Dollar im ersten Quartal bekannt gegeben. Google profitiert davon, dass die Menschen mehr zu Hause, mehr online sind. Online-Werbung ist ein riesiges Geschäft.

Solche Meldungen werden Apple-User künftig häufiger sehen; Rechte: WDR/Schieb

Apple Tracking Transparency: Solche Meldungen werden Apple-User künftig häufiger sehen

Apple schränkt Tracker erheblich ein

Und da kommt Apple und führt die längst angekündigten Veränderungen beim mobilen Betriebssystem iOS ein. Mit serienmäßig eingebautem „App Tracking Transparency“, kurz ATT.

Mit erheblichen Folgen: Das neue iOS 14.5 schränkt Apps auf iPhone und iPad erheblich ein. Nutzer bekommen unmissverständliche Warnhinweise, wenn ein oder mehr Tracker installiert werden sollen. Außerdem können Apple-User jetzt bequem nachschauen, welche Tracker in einer App aktiv sind – und sie einfach abschalten.

Die Folge: Die werbegetriebene Wirtschaft kann User künftig nicht mehr so gut tracken (durchleuchten). Sie verdient weniger. Weshalb die Medien- und Werbewirtschaft jetzt offiziell Beschwerde beim Kartellamt eingereicht hat. Apples Maßnahmen „bringt die Werbebranche an den Rand der Verzweiflung“, stöhnt das Branchenblatt „Werben und Verkaufen“.

Über den Tag hinweg fallen jede Menge Daten; Rechte: WDR/Schieb

Veränderung im System: Neue Finanzierungsmodelle

Der Widerstand der Werbewirtschaft macht eine Tatsache überdeutlich: Den ungeheuren wirtschaftlichen Wert, den die ungenierte und dauerhafte Bespitzelung der Menschen hat. Wir merken es nicht und die Werbewirtschaft (und auch Facebook) schwingen sich von Rekordumsatz zu Rekordumsatz.

„Dann verdienen die halt weniger, recht so!“ werden viele denken. Es gibt aber ein Aber. Denn: Wenn die werbegetriebenen Anbieter – Google, Facebook, Werbenetzwerke – nicht mehr so gut verdienen, können sie auch keine Unsummen mehr für Erfüllungsgehilfen bezahlen. Es fließt weniger Geld an Webseiten und Apps. Was nicht verdient wird, kann auch nicht geteilt werden.

Viele Webangebote und noch viel mehr Apps, die angeblich kostenlos sind, aber insgeheim Daten sammeln und diese weiterverkaufen, verlieren ihre Existenzgrundlage. Werden früher oder später trockengelegt.

Weniger Apps – und mehr, die kosten

Zwei Dinge werden passieren: Es wird deutlich weniger Apps geben (ist nicht schlimm, es gibt sowieso viel zu viele, darunter unzählige Copycats) – und zum anderen werden Apps häufiger Geld kosten.

Ich persönlich finde: Lieber ein paar Euro zahlen, wenn mir etwas gefällt – und dafür keine Werbung ertragen und nicht ausspioniert werden. Doch in Diskussionen wurde mir schon entgegnet: Das wird sich nicht jeder leisten wollen – und vor allem: nicht jeder leisten können.

Das ist ein Aspekt, den wir an die Oberfläche holen und diskutieren sollten. Denn es gehört zur Wahrheit dazu, dass neue Finanzierungsmodelle her müssen, wenn die Möglichkeiten der Werbebranche eingeschränkt werden.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. „Das wird sich nicht jeder leisten wollen – und vor allem: nicht jeder leisten können“

    Ja, das gilt aber auch für alle anderen Lebensbereiche. Und bei den APPs hat man sogar eine zweite Währung in der man bezahlen kann, wenn man möchte.
    Wo ist also das Problem? Entweder bezahle ich in Euro oder mit Daten.

    Es darf auch die Frage erlaubt sein ob man alle möglichen APPs überhaupt haben muss? Letztendlich stellt sich für jeden die Frage wie selbstbestimmt oder fernbeeinflusst man sein Leben leben möchte. Wie weit will man sich durch Assistenten helfen lassen? Je mehr man will, desto mehr muss man preisgeben.
    Was Apple da eingeführt hat regelt ja nur ob ich die Chance habe über mich und meine Daten selbst zu bestimmen und das sehe ich schon fast als Grundrecht an, ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung.

  2. Hans Holte am

    „ AUFHÖREN … AUFHÖREN!“,
    „.. wer wo mit wem warum und wann,
    das geht euch einen Scheißdreck an!“
    Von Wilfried Schmickler, Kabarettist.

    So sehe ich das auch und nach meiner Meinung ist nicht viel Unterschied ob mir jemand unbemerkt Werte in der Währung Euro aus der Tasche zieht oder unbemerkt Werte in der Währung Informationen. In einem offenen Vertrag geht es in Ordnung wenn man mit Geld oder Daten bezahlt. An der Kasse im Supermarkt bekomme ich dann einen Kassenzettel, da kann ich dann den Preis für die Leistung sehen. Erlaube ich Tracking, wenn ich überhaupt darauf hingewiesen werde, unterschreibe ich einen Blankoscheck. So einseitige Vertragsbedingungen sollten grundsätzlich verboten werden; Diebstahl von Daten sollte wie Diebstahl von Strom oder Geld behandelt werden (für Strom-Diebstahl musste auch das Gesetz geändert werden).

    Bei unbekannten Seite nutze ich oft das anonyme Öffnen der Suchmaschine MetaGer, damit ist Spionage über Cookies, Tracker oder Scripte abgeschüttelt. Nur wenig mehr erlaube ich in meinem Browser, immerhin genug um hier einen Kommentar abzusenden. Öffnet jemand Seiten im Internet Seiten nur gegen Bezahlung egal ob Daten oder Geld wäre das Prinzip in Ordnung, wenn der Preis verständlich ausgewiesen ist.

    Bei Phoenix.de habe ich schon bezahlt, mit GEZ-Gebühren. Trotzdem bekomme ich die Leistung nicht. Man kann sich ja mal über anonymes Öffnen die Seite Phönix.de ansehen. Das ist Müll, eine Kreisanimation in der Mitte und unvollständige Felder wie {{ item.titel }}, {{ title }} oder {{ subtitle }}.

    Zur Abwechslung bin ich mal auf der Seite von Apple (bei diesem Thema). Werbung ist mir egal, auf dem Land würde ich das auch blocken aber meine Leitung ist schnell genug. Nur der Freibrief für Spionage dabei ist unlauter und das blockt Apple zu recht.

  3. Rolf Drewes am

    Die Manager der Werbewirtschaft (und auch Facebook-Manager u.a.) möchte ich mal nach Feierabend gerne mit ganz wenig Absatnd begleiten und alles aufschreiben was sie im Laden anfassen, angucken oder kaufen. Mal sehen nach wieviel Minuten sie die Polizei rufen und mir die Beobachtung verbieten lassen… weil das ja gar nicht geht. Wer das kostenfreie liefern von Apps als neues Modell einer Gesellschaftsordnung sieht sollte mal mit anderen Dingen anfangen. Wie wärs mit einem Sinnhaftigkeitsindex für Apps durch einen App-Ethikrat? Da bleiben dann 75% sofort auf der Strecke und der Rest kann ja drum bitten mich auszuspionieren und mir das fair mitteilen und mir sagen wem er was an Gutes dafür tut. Dann kann ich das ja überlegen ob ich mich dafür nackig machen will. Ich denke da wird wenig übrig bleiben. Verdeckte Ermittlung ist Sache der Geheimdienste, nicht der Werbewirtschaft.

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