Apple will Trackern an den Kragen

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Apple will Trackern an den Kragen

Kommentare zum Artikel: 4

Warum sind eigentlich so viele Apps kostenlos?

Diese Frage sollten wir uns unbedingt öfter stellen. Am besten jedes Mal, wenn wir mal wieder eine App herunterladen. Denn Apps zu entwickeln und zu betreiben, ist eine kostspielige Sache. Es muss schon gute Gründe geben, wieso eine App kostenlos abgegeben wird. Die WDR Aktuell App zum Beispiel ist durch Gebühren finanziert. Klare Sache.

Datenschutz auf dem iPhone: Tracking lässt sich abschalten; Rechte: WDR/Schieb

Im Schnitt sechs versteckte Tracker pro App

Aber nicht so die vielen Games, Foto-Apps, Malprogramme, Spaß-Apps und Tools. Nicht wenige davon finanzieren sich über sichtbare Werbung. Manche aber auch, indem sie den Nutzer beobachten und klammheimlich Daten sammeln. Laut Apple enthalten Apps heutzutage durchschnittlich “sechs Tracker von anderen Unternehmen, deren einziger Zweck es ist, die Daten von Menschen zu sammeln und sie zu verfolgen”.

Diese Tracker sammeln unbemerkt persönliche Daten jeder Art. Diese Daten werden zusammengeführt, aggregiert und verteilt – und auf einem Milliarden-Markt zu Geld gemacht.

Google und Apple können Tracker einschränken

Das Problem: Wir User sind dem nahezu hoffnungslos ausgeliefert. Cookies müssen wir inzwischen abnicken, Tracker in Apps nicht. Die beiden Konzerne, die daran ganz wesentlich etwas ändern könnten, sind Google und Apple. Denn diese beiden betreiben die App-Stores, aus denen wir uns mit Apps bedienen.

Google wird nichts ändern wollen, denn Googles wesentliches Geschäftskonzept ist das Auswerten von Daten. Apple hingegen ist auf Werbegelder nicht angewiesen – und geht jetzt einen entschlossenen und sehr wichtigen und richtigen Schritt nach vorne. Apple will in allen eigenen Apps und Funktionen die Privatsphäre verbessern – aber auch in den eingesetzten Apps.

Wir brauchen mehr Privatsphäre auf unseren Geräten; Rechte: WDR/Schieb

Wir brauchen mehr Privatsphäre auf unseren Geräten

Apple führt Transparenz und Kontrollen ein

Seit einigen Wochen zeigen die App-Stores von Apple wichtige Informationen über Datenschutz und Privatsphäre. User erfahren im App-Store, welche Daten Apps erheben und verarbeiten. Was Tracker machen, erfahren wir hier nicht. Dagegen unternimmt Apple jetzt was. Ab den nächsten Beta-Versionen von iOS und MacOS verlangt die “App-Tracking Transparenz”, dass Apps die Erlaubnis des Nutzers einholen, bevor sie Daten über Apps oder Webseiten anderer Unternehmen hinweg verfolgen.

In den Einstellungen können Nutzer dann sehen, welche Apps die Erlaubnis zum Tracking eingeholt haben, und nach Belieben Änderungen vornehmen. Diese neue Anforderung wird im Frühjahr mit den kommenden Versionen von iOS 14, iPadOS 14 und tvOS 14 auf breiter Front eingeführt.

Apple kann das machen, denn Apple ist nicht auf Werbeumsätze angewiesen. Und die EU-Kommission könnte das Vorgehen zum Anlass für eine generelle Vorschrift nehmen.

Was jetzt schon geht: Abschalten der Trackingfunktion in iOS

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

4 Kommentare

  1. Guten Tag Herr Schieb,

    habe gerade wie von Ihnen empfohlen nach dem Tracking auf meinem iPhone geschaut. Apple schreibt dazu als Erklärung:
    „Wenn diese Option deaktiviert ist, werden alle neuen Tracking-Anfragen von Apps automatisch abgelehnt“

    Meine Frage: wie kann ich ich denn auf bereits länger in Benutzung befindlichen Apps das Tracking erkennen bzw. deaktivieren?

    Danke und Gruß

  2. Ann Onym am

    Die Kernbotschaft ist schlicht falsch. Sichtbare Werbung ist OK aber sonst gilt:
    Tracking ist Tracking und Werbung ist Werbung
    Tracking geht ohne Werbung und Werbung geht ohne Tracking
    Wer Anwendungssoftware kauft ist auch nicht vor Tracking sicher.
    Im Prinzip ist das eine gute Botschaft von Apple das tracking zu unterbinden. Vermutlich gilt das aber nur für Drittanbieter und nicht für Apple selbst. Microsoft nicht besser; mit Edge haben die ein Spionage-Tool per Zwangs-Update, das Firefox abhört. Den US-Unternehmen traue ich nicht über den Weg. Daher bin Sympathisant von Open Source und Linux. Mit WINE kann ich teilweise auch Windows-Zeug in Linux anwenden. Windows habe ich auch noch auf der Festplatte für alte Spiele, das darf aber nicht ins Internet.
    Eine wichtige Frage ist aber, brauche ich die Software überhaupt?
    Mein Firefox-Browser meldet mir schon hier:
    „blockig social media trackers, cross-site tracking cookies, and fingerprinters“
    Über eine App habe ich noch weniger Kontrolle, wofür eine WDR-App? Warum soll ich mich hier mit „der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten“ einverstanden erklären?
    Ich habe unten auf der Seite ein Häkchen gemacht; Name und Email sind falsch, Tor verschleiert die IP und so ziemlich alles andere wird geblockt, das darf verarbeitet werden.
    Ansonsten halte ich es mit dem Kabaretisten Wilfried Schmickler:
    „Wer wo mit wem und wann, das geht euch einen Scheißdreck an“
    (Die vollständige Kabarett-Nummer ist empfehlenswert)

  3. Nur wer will und kann dann alles bezahlen? fakt ist, gerade menschen mit wenig geld werden sich dann viele digitale dinge nicht mehr leisten können.

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